Sorge über Schuldenkrise Verbraucher misstrauen dem Aufschwung

Die Sorge über die griechische Schuldenkrise nimmt den deutschen Verbrauchern die Euphorie: Ihre Kauflaune verschlechtert sich. Dafür vertrauen die Menschen auf den Boom auf dem Arbeitsmarkt.

Verbraucherin im Supermarkt: Schuldenkrise drückt auf die Laune
DPA

Verbraucherin im Supermarkt: Schuldenkrise drückt auf die Laune


Nürnberg - Die deutschen Verbraucher fürchten negative Folgen der Schuldenkrise für Deutschland. Die Menschen seien sowohl hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung als auch ihres persönlichen Einkommens skeptischer, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit. "Die Verbraucher fürchten zunehmend finanzielle Lasten durch die Krise", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Für August rechnen die Forscher beim Konsumklimaindex mit einem schlechteren Wert. Die Kauflaune der Verbraucher habe sich wieder etwas verschlechtert. "Die anhaltenden Diskussionen um den richtigen Weg aus der Schuldenkrise Griechenlands und damit einhergehend mögliche Gefahren für die gemeinsame europäische Währung verunsichern die deutschen Konsumenten", hieß es. Die schlechte wirtschaftliche Situation in Südeuropa überlagere die guten inländischen Rahmenbedingungen.

Die Deutschen setzen also nicht weiter auf einen Turbo-Aufschwung wie bisher - einen totalen Absturz erwarten sie aber auch nicht. Sie gehen nach wie vor davon aus, dass ihre Wirtschaft weiter wächst - wenn auch nicht mehr ganz so stark wie bisher.

Viele Verbraucher fürchteten im Falle einer Staatspleite Griechenlands oder weiterer Hilfszahlungen der EU zusätzliche finanzielle Belastungen, schrieben die GfK-Forscher. Allerdings befragten sie die Menschen noch vor dem Euro-Sondergipfel, auf dem die EU-Staats- und Regierungschefs ein neues Hilfspaket für Griechenland verabschiedeten. Diese Beschlüsse könnten nun auch zur Beruhigung der Verbraucher beitragen, sagte Bürkl.

Vertrauen in den Job erhöht die Planungssicherheit

Hoffnung macht den Deutschen der Boom auf dem Arbeitsmarkt. Der Verlust des eigenen Jobs ist für die Befragten kaum ein Thema. Das erhöht die Planungssicherheit, ihre Pläne für größere Anschaffungen geben die Verbraucher daher kaum auf. Allerdings fürchten sie einen weiteren Anstieg der Energiepreise, die Einkommenserwartung ging deshalb zurück.

Die Verbraucher sind mit ihrer vorsichtigen Einschätzung der wirtschaftlichen Lage nicht allein. Zuletzt hatten die Regierung und Experten ihre Wachstumsprognosen nach unten geschraubt. Auch bei deutschen Unternehmen ist die Euphorie vorbei. Der ifo-Geschäftsklimaindex als wichtiger Gradmesser für die Konjunktur verschlechterte sich im Juli überraschend deutlich. Doch der leichte Dämpfer für den Aufschwung in Deutschland sei derzeit noch keine wirkliche Gefahr für die Verbraucherstimmung, sagte GfK-Forscher Bürkl. "Für das Konsumklima würde es gefährlich, wenn es beim Arbeitsmarkt zu einer negativen Trendumkehr kommen sollte."

mmq/dpa-AFX/dapd

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andresa 26.07.2011
1. neusprech
...dass es eine "schuldenkrise" oder eine "griechenlandkrise" gibt halte ich für ein gerücht. systemversagen wäre der korrekte begriffe...zwei typische beispiele des medien-neusprechs mit denen stimmung gemacht wird: http://le-bohemien.net/2011/07/25/propaganda-in-deutschland/
dapmr75 26.07.2011
2. Eine typische Expertenaussage
Aus dem Artikel: "Viele Verbraucher fürchteten im Falle einer Staatspleite Griechenlands oder weiterer Hilfszahlungen der EU zusätzliche finanzielle Belastungen, schrieben die GFK-Forscher. Allerdings befragten sie die Menschen noch vor dem Euro-Sondergipfel, auf dem die EU-Staats- und Regierungschefs ein neues Hilfspaket für Griechenland verabschiedeten . Diese Beschlüsse könnten nun auch zur Beruhigung der Verbraucher beitragen, sagte Bürkl." Übersetzt: Verbraucher haben Angst vor den enormen Belastungen durch Hilfszahlungen an Griechenland. Diese Angst wird ihnen laut Bürkl aber wahrscheinlich genommen durch die beschlossenen zusätzlichen Hilfszahlungen an Griechenland. Solch bestechende Logik hat der Forscher mit unseren Politikern gemein, armes Deutschland.
AusVersehen 26.07.2011
3. Das ist doch reiner Unsinn
Die Verbraucher haben einfach nur immer weniger Geld in der Tasche!
Hubert Rudnick, 26.07.2011
4. Gibt es nichts anderes?
Zitat von sysopDie Sorge über die griechische Schuldenkrise nimmt den deutschen Verbrauchern die Euphorie: Sie kaufen weniger ein. Dafür vertrauen*die Menschen auf den Boom auf dem Arbeitsmarkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,776614,00.html
Woanders sterben täglich tausende Menschen, nur weil wir die zivilisierten Welt sie im Stich gelassen haben und hier bei spon dreht sich fast alles nur um die Schulden der reichen Länder. Wie armseelig müssen denn die Medienmacher sein, so das man den grausamen Teil einfach ausblendet. Vielmehr hätte auch von ihrer Seite ein Aufruf an alle Bürgern zur Spende erfolgen sollen. Und wie feige sind Redakteure, die diese Kritik einfach nicht zeigen wollen, was vertreten sie als Journalisten denn wirklich? Ich bin als ein langjähriger Leser ihrer Zeitschtrift sehr entäuscht. HR
lynx2 26.07.2011
5. Ganz schön blauäugig!
Zitat von sysopDie Sorge über die griechische Schuldenkrise nimmt den deutschen Verbrauchern die Euphorie: Sie kaufen weniger ein. Dafür vertrauen*die Menschen auf den Boom auf dem Arbeitsmarkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,776614,00.html
---Vor den Griechen Angst haben, weniger konsumieren aber Zuversicht in den Job. Dabei könnte sich gerade der Hang zu weniger Konsum in Jobverlusten niederschlagen. Erst recht der Konsum in den PIIGS-Ländern, wenn die jetzt weniger Exportgüter von uns kaufen. Unser Binnenkonsum ist ja seit seit Jahren keine Konjunkturlokomotive mehr.
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