Schlechtere Verbraucherstimmung Griechenland-Poker verunsichert die Deutschen

Erstmals seit acht Monaten hat sich die Kauflaune der Deutschen leicht verschlechtert. Konsumforscher sehen den unklaren Ausgang der Griechenlandkrise als Ursache. Dabei sehen die Deutschen für sich persönlich eigentlich keine Gefahr.

Passanten beim Shoppen in Köln: Bei großen Anschaffungen zurückhaltend
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Passanten beim Shoppen in Köln: Bei großen Anschaffungen zurückhaltend


Die Gefahr einer Staatspleite in Griechenland dämpft die Verbraucherstimmung in Deutschland. Der Konsumklimaindex für Juli sank von 10,2 auf 10,1 Punkte, wie das Marktforschungsunternehmen GfK mitteilte. Es ist der erste Rückgang des monatlich ermittelten Wertes seit Oktober 2014. Nichtsdestotrotz befindet sich die Stimmung der Konsumenten weiterhin auf einem extrem hohen Niveau.

Doch der Verhandlungspoker zwischen Brüssel und Athen lässt die Menschen in Deutschland nicht unberührt. "Für viele sind die ganzen Verhandlungen mit der Taktiererei und den 'Spielchen' immer undurchschaubarer, immer weniger nachvollziehbar geworden", beschrieb GfK-Experte Rolf Bürkl die Stimmung. "Das führt in der Regel zu Verunsicherungen, und die sind Gift für das Konsumklima."

Im Juni schätzten die rund 2000 repräsentativ Befragten vor allem die Entwicklung der Konjunktur deutlich zurückhaltender ein als im Vormonat. Dennoch sehen die Konsumenten ihre künftige finanzielle Lage bisher nicht durch eine mögliche Insolvenz Griechenlands bedroht. Im Gegenteil: Der Indikator zur persönlichen Finanzsituation verzeichnete ein Plus von 5,2 Zählern und stieg auf 57,2 Punkte. Dies ist ein neuer Höchstwert seit der Wiedervereinigung.

Vorsicht bei teuren Anschaffungen

Für die Verbraucher stehen laut der GfK-Umfrage im Moment die gute Arbeitsmarktlage sowie die aus ihrer Sicht erfreulichen Tarifverhandlungen im Vordergrund. Dennoch sind sie weniger bereit, sich Autos, Möbel oder anderer teure Güter anzuschaffen. Das entsprechende Barometer verliert 5,6 Zähler und weist nun 57,0 Punkte auf. "Der Trend weist momentan leicht nach unten. Das Niveau ist jedoch nach wie vor sehr hoch", sagte GfK-Experte Bürkl.

Auch Ökonomen sagten, der leichte Rückgang des Konsumklimaindex dürfe nicht überbewertet werden. An den Rahmenbedingungen habe sich nichts geändert, sagte eine Analystin. "Niedrige Zinsen, bessere Einkommenserwartungen und ein stabiler Arbeitsmarkt. Der Konsum in Deutschland wird weiter laufen und einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten."

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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chrisjo93 25.06.2015
1. Was?
Also Leute, abgesehen davon, dass unsere Politikvertdrossenheit wohl dazu führt, dass nur ein gewisser Teil der deutschen sich überhaupt über die eigene Situation bewusst sein dürfte, werden aufgrund der mangelnden politischen Bildungsmaßnahmen wohl nur wenige überhaupt verstehen, weshalb sie weniger den Geldbeutel ziehen sollten. Es gibt sicherlich andere nachvollziehbare Gründe für weniger Konsum. Ich jedenfalls kenne niemanden, der bewusst weniger konsumiert und mir erschließt sich auch nicht ganz, dass unbewusste Vorgänge Ursache sein könnten, wenn besagte Informationen gar nicht erst an den Mann kommen.
michel-watcher 25.06.2015
2. Minimale Störung im Bild
(Zitat) "Erstmals seit acht Monaten hat sich die Kauflaune der Deutschen leicht verschlechtert." Statistiken werden von deren Konsumenten oft als direkter Spiegel der Realität gesehen. Dabei weiß jeder, der sich mit Umfragen und Statistik beschäftigt, wie schwierig es tatsächlich ist, 'repräsentativ' zu erheben. Wie tricky Variablen sind, die man nicht kennt und somit auch nicht als Korrektiv einsetzen kann. Wie labil Interpretationen sein können. Auch die 'Kauflaune'- Erhebungen besitzen viele Fallstricke. Außerdem wird implizit zum psychischen Zustand parallelisiert und damit suggeriert, dass es den Menschen dann besonders gut ginge, wenn sie besonders viel konsumieren. Die Psychologie sagt aber unter diversen Aspekten genau das Gegenteil: Jemand, dem es gut geht, ist zufrieden mit dem was er hat! Er muss nicht hochgradig konsumieren. Nur jemand, der getrieben ist, der Angst unterdrücken will oder der glaubt, sich mit teuren Artikeln aufzuwerten, ist ständig in 'bester Kauflaune'. Mittlerweile ist die Zahl der Einkaufssüchtigen und Bestell-o-Manics auf einem Höchststand. Es kommt aber hierbei, wie bei allem, auf das Maß an, die Gründe und die Einstellung an. Das alles wird im Index der GfK- Studie nicht beleuchtet. Aus psychologischer Sicht sollten die Menchen infolge der GR- Krise aber eher mehr konsumieren, um eben zu zu kompensieren. Aber auch der Faktor: Ware = sicher, Geld = unsicher spielt eine Rolle. Was nutzen mir 1 Mio. Euro, wenn der Euro nichts wert ist. Das Auto, TV- Gerät etc. aber habe ich, es bleibt. Nein, ich glaube einfach, dass es nun, nach so vielen Monaten des starken Konsums eine 'natürliche Ruhepause' entstanden ist, auch durch besseres Wetter, mehr Freizeitaktivitäten etc.! Vielen Leuten ist es wichtiger, nach der Arbeit schwimmen zu gehen, im Cafe oder Biergarten zu sitzen, alles, nur nicht in irgendwelchen Kaufhäusern abzuhängen oder vor dem Bildschirm, Preise vergleichen, Reviews lesen. Die GR- Krise mag viele Menschen wütend machen, manche wohl auch besorgt. Aber als Grund für diese minimale Störung der Konsumhochzeit kann ich sie nicht sehen.
scheckala 25.06.2015
3. Die deutschen Verbraucher wissen...
...dass weitere Belastungen auf sie zukommen: Mehrwertsteuererhöhung, Sonderabgaben für die griechischen Freunde, Zwangshypotheken etc., damit der Euro gerettet wird - das alles bremst die Kauflaune. Wenn der deutsche Fiskus zuschlägt, müssen die Gelder im Sparschwein sein, damit der deutsche Staat das bekommt, was ihm zusteht. Im Gegensatz zu den Medien hat der deutsche Verbraucher ein gutes Gefühl, was die Stunde geschlagen hat: Die Zeichen stehen auf Opfer für Europa. Ich bin mir sicher, der deutsche Verbraucher trägt diese Mehrbelastungen gerne, wenn es um Europa und den Frieden geht. Nur kann er dann aber nicht mehr richtig konsumieren in Deutschland. Man kann eben den Euro nur einmal ausgeben: Entweder für Griechenland oder für eine neue Jeans. Beides geht nicht.
Leser161 25.06.2015
4. Keine Gefahr
Jo. Denn zwischen meinen Steuern und den Griechenlandstützen befindet sich ein ganzer Staatsapparat andem sich allerlei Lobbyisten gütlich tun. Da sollte man mal was dran machen.
karend 25.06.2015
5. .
Nachdem die Mehrheit der Wähler für die alternativlose Unterstützung gestimmt hat und dieses Poker bereits zu lange andauert, bezweifle ich, dass die Lage Griechenlands die Stimmung drückt.
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