Verstoß gegen EU-Recht Spanische Ärzte kassieren Touristen ab

Spanische Krankenhäuser und Ärzte behandeln Touristen immer häufiger nur noch gegen Vorkasse oder wenn sie eine Reiseversicherung abgeschlossen haben. Damit verstoßen sie gegen EU-Recht. Jetzt greift die EU-Kommission ein.

Touristen in Spanien: Von Krankenhäusern im Urlaub abkassiert
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Touristen in Spanien: Von Krankenhäusern im Urlaub abkassiert

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Hamburg - Mehr als 6200 Hilferufe allein von schwerer verletzten oder erkrankten deutschen Touristen bekommt der ADAC jedes Jahr aus Spanien. Neben dem erlittenen Unglück stehen die Reisenden meist hilflos in den Krankenhäusern: Die nämlich akzeptieren die Europäische Krankenversichertenkarte (EHIC) nicht und fordern eine private Reisekrankenversicherung oder gleich Bargeld. Der ADAC ist nicht nur der größte Automobilclub Europas, sondern auch Reiseveranstalter und Versicherer - Hunderttausende Reisende wenden sich weltweit bei Problemen an den Verein.

Das Problem mit den spanischen Krankenhäusern ist mittlerweile so groß, dass die EU-Kommission ein förmliches Vertragsverletzungsverfahren einleitet - sie sei "besorgt darüber, dass Spanien womöglich seiner EU-rechtlichen Verpflichtung nicht nachkommt", Touristen im Notfall die Versorgung zu gewährleisten, die Spanier beanspruchen könnten.

Die Kommission reagiert damit "auf mehrere Beschwerden" über Krankenhäuser, die eine Behandlung von EU-Bürgern mit der EHIC ablehnen und stattdessen eine "Reiseversicherung und Kreditkartenangaben" verlangen. Genau das aber sollte mit der Einführung der EHIC im Sommer 2004 verhindert werden: Seitdem haben alle in der EU gesetzlich Krankenversicherten in jedem Mitgliedstaat der Union den Anspruch auf eine kostenlose Gesundheitsversorgung. Die Krankenversicherungen der Länder rechnen die Behandlungskosten dann miteinander ab.

"Deutlich höhere als die üblichen Honorare"

Auch in Spanien ist das Gesundheitssystem nicht gerade üppig ausgestattet, in der Krise wurde die Finanzierung teilweise drastisch gekürzt - gerade für Krankenhäuser dürfte also die Versuchung groß sein, mit den Patienten direkt abzurechnen. Der ADAC registriert "seit zwei bis drei Jahren" immer mehr Probleme mit der Abrechnung in Spanien: immer häufiger riefen Reisende an, die mehrere tausend Euro vorstrecken sollten, teilte der Club SPIEGEL ONLINE mit. Zwar bekommen die Versicherten das Geld in den meisten Fällen erstattet, allerdings nur bis zu einer bestimmten Grenze - die offenbar immer wieder überschritten wird.

In einem Merkblatt für Spanienreisende wird der Automobilclub deutlich: "Seit einiger Zeit versuchen bestimmte öffentliche Krankenhäuser, deutlich höhere als die üblichen Honorare zu erzielen." Außerdem stellten die Krankenhäuser dem Versicherten Kosten in Rechnung, auch wenn dieser eine EHIC vorgelegt habe. Der ADAC, der nach eigener Aussage bei Problemen auch "direkt bei Krankenhäusern" vermittle, sieht darin ein System. In dem Merkblatt heißt es: "Unterstützung erfahren die Krankenhäuser häufig durch spezielle Firmen, die entsprechende Abrechnungsdienstleistungen anbieten."

Die EU-Kommission steht nach eigenen Angaben seit 2010 "zu diesem Thema in Kontakt mit den spanischen Behörden", geändert hat das offenbar nichts: Immer noch gingen bei der EU-Behörde Beschwerden "über diese Praxis" von Krankenhäusern in den spanischen Touristengebieten ein.

Weil das ein Verstoß gegen EU-Recht ist, hat die Kommission die Regierung in Madrid jetzt aufgefordert, innerhalb von zwei Monaten zu dem Problem Stellung zu nehmen. Das ist die erste Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens - sollte Spanien der Aufforderung nicht nachkommen, könnte der Fall vor dem Europäischen Gerichtshof landen.



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insgesamt 73 Beiträge
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larry_lustig 30.05.2013
1. Die EU ist ja schnell
Das es im spanischen Gesundheitssystem Abzocker gibt ist mir sein mind. 20 Jahren bekannt, ohne selbst dort jemals erkrankt zu sein. Die Ärzte die zu hoch abrechnen Die Krankentransporte die aufgrund von Bestechung ... äh Prämien zu teuren Privatkliniken fahren, obwohl die öffentliche näher und besser geeignet ist etc... Alles schon lange bekannt... Hat es einen EU-Kommissar mal erwischt oder wieso kommt die EU erst jetzt darauf?
ekel-alfred 30.05.2013
2. Boykott!
Zitat von sysopGetty ImagesSpanische Krankenhäuser und Ärzte behandeln Touristen immer häufiger nur noch gegen Vorkasse oder wenn sie eine Reiseversicherung abgeschlossen haben. Damit verstoßen sie gegen EU-Recht. Jetzt greift die EU-Kommission ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/spanien-krankenhaeuser-und-aerzte-kassieren-touristen-ab-a-902753.html
Da hilft nur eins........Woanders Urlaub machen! Andere Länder haben auch schöne Strände/Städte.
Holperik 30.05.2013
3. Kostet richtig
Einmal Kniewunde säubern und mit drei Fäden nähen, Dauer ca. 30 Minuten, 600 Euro! Die Arbeit wurde erst begonnen, als das Geld in bar über den Krankenhausempfangstresen gewandert war.
nickleby 30.05.2013
4. es muss nicht immer Spanien sein
Angesichts solcher Nachrichten, sollte man Spanien als Urlaubsland meiden. Man weiß ja nie, ob man nicht selbst in solch eine prekäre Lage kommt. Dann ist guter Rat sehr teuer Also, Land meiden, Kummer meiden.
friedenspfeife 30.05.2013
5. 2 Monate um
Zitat von sysopGetty ImagesSpanische Krankenhäuser und Ärzte behandeln Touristen immer häufiger nur noch gegen Vorkasse oder wenn sie eine Reiseversicherung abgeschlossen haben. Damit verstoßen sie gegen EU-Recht. Jetzt greift die EU-Kommission ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/spanien-krankenhaeuser-und-aerzte-kassieren-touristen-ab-a-902753.html
Stellung zu nehmen! Dann wird der europaeische Gerichtshof angerufen - wenn der mal dann in den folgenden 6 - 8 Monaten den "Hoerer" abnimmt! Dann muss ja dort noch der genaue Sachverhalt geprueft werden, eventuell tausende Zeuge vernommen etc.pp. D.h. in den naechsten 3 - 5 Jahren koennen sich die spanischen Krankenhaeuser weiter an den Deutschen gesundstossen - ist ja fast schon eine neue Finanzhilfe fuer das arme Spanien.
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