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Anlagechef der Deutschen Bank: Hört endlich auf zu sparen!

Deutsche-Bank-Stratege Wöhrmann:  "Wir Deutschen sparen viel zu viel"  Zur Großansicht
DWS

Deutsche-Bank-Stratege Wöhrmann: "Wir Deutschen sparen viel zu viel"

Die Zinsen sind im Keller, wohin also mit dem Geld? Ausgerechnet der Anlagechef der Deutschen Bank fordert: ausgeben statt sparen!

Berlin - Schon die Kinder werden in Deutschland zum Sparen animiert. Banken verteilen gern Spardosen an die Kleinen, damit diese Geld horten können. Umso überraschender kommt nun die Aufforderung eines Chefstrategen der Deutschen Bank. Die "Welt" fragte deren Anlagechef Asoka Wöhrmann, was ein Sparer denn derzeit mit seinem Geld machen solle. Seine Antwort: "Er soll endlich aufhören, immer mehr zu sparen, und darüber nachdenken, das Geld auszugeben."

Der Banker argumentiert mit den niedrigen Zinsen. "Wir Deutschen sparen viel zu viel", sagte er. "Nach Abzug der Inflation legt jeder Sparer drauf, er verliert Jahr für Jahr einen Teil seines Geldes." Wöhrmann warnt zudem davor, dass auch Privatanleger von Strafzinsen betroffen sein könnten. "Einige wenige Banken berechnen ihren Kunden jetzt schon negative Zinsen. Das dürfte angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bald keine Seltenheit mehr sein", sagte er.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Banken dazu bringen, ihr Geld an Unternehmen und Haushalte zu verleihen, um die Konjunktur in den Euroländern anzukurbeln. Darum verlangt sie Strafzinsen von Banken, die Geld bei ihr kurzfristig parken. "Jedes Institut, das bei der Notenbank Geld lagert, muss dafür eine Art Strafzins von 0,2 Prozent zahlen", sagte Wöhrmann. "Bislang geben die Banken diesen negativen Zins höchstens an Geschäftskunden weiter. Doch das trifft bald auch Privatkunden."

Die genossenschaftliche Deutsche Skatbank hatte das Zins-Tabu bereits gebrochen. Sie verlangt für Tagesgelder über mehr als 500.000 Euro einen Strafzins von 0,25 Prozent, sieht davon aber Privatkunden kaum betroffen.

Fondsmanager wirbt für Fonds

Wöhrmann appelliert an die Deutschen, ihr Geld auszugeben. "Statt sich arm zu sparen, müssen wir Deutschen wieder mehr konsumieren und gleichzeitig vernünftig investieren. Das belebt die Wirtschaft - die eigene und die Wirtschaft in Europa", sagte er. Seine Prognose zur Zinspolitik der EZB: "Die Zinsen werden nicht steigen - zumindest nicht in den kommenden zwei Jahren."

Wöhrmann ist Chefanlagestratege bei der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank und ihrer Tochtergesellschaften. Darum hat er auch - nicht ganz uneigennützig - einen Vorschlag für die Menschen parat, die doch lieber Geld anlegen als ausgeben wollen. "Die Alternative zum Konsum ist: Sie gehen höhere Risiken ein und legen einen weitaus größeren Teil als heute in Wertpapieren an - allen voran in Aktien", sagte er.

Trotz des Risikos eines Kursturzes seien Depots in den vergangenen Jahren lukrativ gewesen, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg Geld angelegt worden sei, warb der Banker. Zugleich gestand er aber auch ein, dass die Aktienmärkte von Schlagzeilen bestimmt werden. "Eine schlechte Konjunkturzahl hier, eine politische Entscheidung dort, und schon steuern die Kurse in die eine oder andere Richtung", sagte Wöhrmann.

Er selbst ist in seinem Job für die Anlage von einer Billion Euro verantwortlich. Für den Umgang mit solch einer gewaltigen Summe hat Wöhrmann ein recht einfaches Rezept: "Man darf keine Angst vor Nullen haben."

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insgesamt 153 Beiträge
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1. Doch...
wie_weiter_? 06.11.2014
...ich habe Angst vor Nullen !
2. Ich sach
felisconcolor 06.11.2014
ja schon immer das letzte Hemd hat keine Taschen. Arbeite, gehorche, konsumiere. Und wie ich konsumieren, fasst mich doch alle an die Füsse. Es gibt nur dieses eine Leben und das will gelebt sein. Sparen ist was für Warmduscher, schon immer gewesen
3. Im Vergleich zu den Banken,
Dr. Seltsam 06.11.2014
...werden normale Menschen eben nicht vom Staat gerettet.
4.
4magda 06.11.2014
Diese "Null" treibt mir aber schon die Angst auf die Stirn.
5. Also..
freemailer2000 06.11.2014
..gehe ich morgen los und kaufe mir einen Neuwagen.Wertverlust nach 6 Monaten 25%!Ein Bänker spricht über Nullen.Lustig:-)
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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