06. Dezember 2012, 08:37 Uhr

Staatliche Förderung

Sparer verschenken Milliarden bei Riester-Rente

Millionen Deutsche lassen sich viel Geld entgehen: Fast ein Viertel der insgesamt gut 13 Millionen Riester-Sparern hat laut einem Zeitungsbericht die staatlichen Zulagen nicht ausgeschöpft. Verbraucherschützer kritisieren die Verträge als "zu komplex".

München - Eigentlich zeigt sich der deutsche Staat bei der privaten Altersvorsorge recht großzügig - nur nehmen offenbar nicht alle das Geschenk an: Millionen deutscher Sparer lassen sich bei der Riester-Rente viel Geld entgehen, weil sie die staatliche Förderung nicht ausschöpfen, wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion berichtet.

Demnach sind im Jahr 2009, aktuellere Zahlen gibt es noch nicht, mehr als 9,6 Millionen geförderte Personen mit einer Grundzulage gezählt worden. Dem hätten 13,25 Millionen Verträge gegenübergestanden. Rund drei Millionen Sparer hätten die Zulage für 2009 also nicht beantragt. Von denjenigen, die dies taten, erhielten nach den Angaben der Regierung wiederum nur 5,4 Millionen, also etwas mehr als die Hälfte, die volle Zulage. Der Rest habe die Förderung nicht ausgeschöpft, fast jeder Fünfte (knapp 1,7 Millionen) habe nicht einmal 50 Prozent des Zuschusses kassiert, berichtet die "SZ" weiter.

Etwas besser sind die Zahlen der Zeitung zufolge bei den 3,7 Millionen Sparern mit Kinderzulage, von denen immerhin 2,6 Millionen den vollen Zuschuss beantragten. Insgesamt kommt so innerhalb weniger Jahre eine Milliardensumme staatlicher Förderung zusammen, die nicht abgerufen wird. Problematisch ist auch eine andere Zahl: Laut Bundesregierung ruhten im Jahr 2010 schon 18,5 Prozent der Verträge, der Anteil derer, die keine Beiträge mehr überweisen, ist somit weiter gestiegen - ein Jahr zuvor waren das nur 15 Prozent.

Verbraucherzentrale hält Riester-Rente für zu komplex

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, sagte der Zeitung, die Verbraucher seien mit der Komplexität der Riester-Rente überfordert. Die meisten hätten zudem kein Interesse daran, sich immer wieder mit Altersvorsorge zu beschäftigen. Hinzu komme, dass es den Vermittlern vor allem um die Provision bei Abschluss des Vertrags gehe. Den Kunden Jahr für Jahr bei der Nutzung der Riester-Rente zu beraten, sei nicht lukrativ.

Bei den Zulagen geht es für Riester-Sparer im Laufe des Arbeitslebens um mehrere tausend Euro, wer Kinder hat, kann sogar mit einem fünfstelligen Betrag rechnen. Jeder, der "riestert", hat Anspruch auf 154 Euro staatliche Grundzulage im Jahr plus 185 Euro je Kind. Für Kinder, die von 2008 an geboren wurden, sind es sogar jeweils 300 Euro jährlich. Allerdings erhalten nur jene die volle Förderung, die vier Prozent ihres sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens investieren - abzüglich der Zulagen vom Staat. Wer weniger einzahlt, erhält auch entsprechend weniger Zuschüsse.

Zwei Jahre können sich Sparer Zeit lassen, die Zulagen zu beantragen. Wer sich das Geld für 2010 noch nicht geholt hat, muss sich also bis Jahresende beeilen.

nck/dapd


URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH