Schlechtes Wetter, hohe Preise Spargelbauern klagen über schwaches Geschäft

Haben Sie es auch gemerkt? Deutscher Spargel war 2016 so teuer wie wohl noch nie zuvor. Neben den Erntemengen sank auch der Absatz. Die Bauern blicken auf eine schlechte Saison zurück.

Spargel aus Sachsen-Anhalt
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Spargel aus Sachsen-Anhalt


Deutschlands Spargelbauern sind unzufrieden mit dem Verlauf der diesjährigen Saison. Im Vergleich zu 2015 mussten die Erzeuger mindestens zehn Prozent Ernteeinbußen hinnehmen. Im Osten Deutschlands fiel die Menge sogar um 15 Prozent, in Franken um bis zu 20 Prozent. Das geht aus einer Umfrage der Bundesfachgruppe Gemüsebau hervor. Dahinter stehen der Bauernverband, der Raiffeisenverband und der Zentralverband Gartenbau.

Fachgruppen-Experte Jochen Winkhoff sprach von einer gespaltenen Saison. Während es bis Pfingsten gut lief, gab es danach starke Einbrüche. Neben der Ernte hätten auch Absatz und Erträge merklich nachgelassen. Vielerorts hätten zudem die Wetterkapriolen Probleme bereitet. Viele Erzeuger hätten diesmal nach einer eher enttäuschenden Saison früher aufgehört, um die Pflanzen für 2017 zu schonen und auf den Erfolg der nächsten Saison zu setzen.

Örtlich habe der Starkregen den Spargelkulturen verheerende Schäden gebracht. "Vor allem in Westfalen", sagte Winkhoff. Wie riskant das Wetter ist, zeigte sich auch in Franken: Die Hitzewelle im August des Vorjahres - nach dem Ende der Saison - habe den Pflanzen mit extremen Temperaturen so zugesetzt, dass sich das bei der Ernte 2016 rächte.

Durchschnittlich 7,20 Euro pro Kilo

Michael Koch von der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI zeichnet ein ähnliches Bild. So hätten die Verbraucher in diesem Mai rund zehn Prozent weniger Spargel eingekauft als vor einem Jahr. Die AMI beobachtet die Spargelpreise bundesweit. Mit im Schnitt 7,20 Euro pro Kilogramm war weißer deutscher Spargel demnach in dieser Saison so teuer wie wohl nie zuvor. Im vergangenen Jahr wurde das Edelgemüse im Schnitt noch 50 Cent billiger angeboten.

Fred Eickhorst von der Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen - dem wichtigsten Land der Branche - warnt aber vor Vereinfachungen: 7,20 Euro seien ein Durchschnittswert, der für Verbraucher nur bei einem über die Saison konstanten Konsum realistisch sei. Aus Erzeugersicht gäben Preis mal vermarktete Menge den Ausschlag.

Viele Bauern hätten versucht, die Mengen zu Pfingsten zu steigern, was oftmals erst mit Verzögerung gelang. Nach Pfingsten sei der Absatz allerdings gesunken, sodass große Erntemengen übrig blieben.

stk/dpa



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luetgedtp 01.07.2016
1. Die Spargelzucht
ist das eigentliche Problem. Wenn man selbst Spargel angebaut und genossen hat erkennt man woran es liegt, dass der Umsatz zurückgeht. Wir haben jedenfalls so wenig konsumiert, wie noch nie. Die heutigen Massenanbaumethoden lassen dem Spargel durch Folienabdeckung keine Zeit mehr im Boden die Geschmackssubstanzen anzureichern, die ihn ausmachen und die man drei- bis fünfmal beim Toilettengang riechen kann. Für uns ein sicheres Qualitätsmerkmal, welches wir sehr vermissen. Schade, dass Masse auch bei diesem Edelgemüse die Qualität besiegt hat. Abschließend muss ich allerdings noch erwähnen, dass meine Erfahrungen aus dem Anbaugebiet Beelitz stammen.
!!!Fovea!!! 01.07.2016
2. Mein Mitleid
haben die Spargelbauern, die die Spargelstecher aus dem osteuropäischen Raum für Hungerlöhne schuften lassen. Die Höfe und Autos werden immer größer, jammern auf hohem Niveau. Jetzt fehlt noch der Ruf nach einer Spargelsubvention....., die Milchbauern machen es vor.
monolithos 01.07.2016
3. Verzockt
Wetter hin, Wetter her: Spargel war so teuer wie noch nie und am Ende war viel Spargel übrig. Ich würde sagen, die Branche hat sich einfach verzockt und die Geschwindigkeit überschätzt, mit der sich das Geld aus der Tasche der Konsumenten ziehen lässt.
Harald Schmitt 01.07.2016
4. besser vermarkten
sollten die Bauern mal. Hier in den Restaurants gibts doch kaum noch saisonale Gerichte. Zur Spargelzeit gabs hier grad mal ein Spargelgericht und einmal Spargelcremesuppe als Vorspeise. Die sollten vielelicht mal auf die Gastronomie zugehen damit die nicht das importierte zeug aus fernen Ländern in der Metro kaufen. Allerdings könnten die gastronomen auch mal was saisonales anbieten wie Erdbeeren, Spargel... Die können nur fritiertes Zeug wie Fischstäbchen und wundern sich dann wenn keiner kommt.
wll 01.07.2016
5. Kein Titel
Deutscher Spargel um knapp 10% teurer als im Vorjahr und der Absatz sinkt um 10%. Mir drängt sich da eine ganz einfache Schlußfolgerung auf... ;-)
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