Echtzeitüberweisungen Sparkassen führen Instant Payments ein - was Sie zum Start wissen sollten

Sparkassenkunden können ab diesem Dienstag in Echtzeit Geld überweisen. Wie funktioniert das? Und was bringt es? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Filiale der Sparkasse in Hannover
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Filiale der Sparkasse in Hannover

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Viele Verbraucher wundern sich schon lange: Warum brauchen Banküberweisungen eigentlich so lange, da man doch längst E-Mails und große Datenpakete in Sekundenschnelle rund um den Globus verschicken kann?

Für 40 Millionen Sparkassenkunden soll sich das nun ändern. Denn von diesem Dienstag an werden sie Geldbeträge untereinander binnen Sekunden transferieren können. Das sogenannte Instant-Payment-System wird eingeführt.

Bislang bot in Deutschland nur die HypoVereinsbank (HVB) solche Echtzeitüberweisungen an. Seit dem 27. November können HVB-Kunden über das reguläre Onlinebanking Überweisungen in Echtzeit in Auftrag geben. Nun ziehen Deutschlands Sparkassen nach.

Was bedeutet die Einführung des Systems für Deutschlands Bankkunden? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum dauern Überweisungen bisher so lange?

Bislang sammeln Banken die Überweisungen ihrer Kunden, leiten sie am Abend an die Bundesbank weiter und lassen sie dort überprüfen. Sämtliche Forderungen und Gegenforderungen werden verrechnet. Meistens werden erst nach einem Werktag die tatsächlichen Überweisungen ausgeführt. Auch Aufträge, die Kunden online ausführen, werden in der Regel erst mit Zeitverzug abgewickelt.

An Wochenenden und Feiertagen kann es deshalb zu ärgerlichen Verzögerungen kommen: Gibt der Kunde zum Beispiel am Donnerstagabend vor einem Osterwochenende eine Überweisung in Auftrag, kann es bis zum Dienstag dauern, bis die Überweisung ausgeführt ist. Eine Zumutung im digitalen Zeitalter.

Was ist neu an Echtzeitüberweisungen?

Bei Instant Payments soll das Geld stattdessen binnen zehn Sekunden von einem Konto auf das andere übertragen werden.

Wie können Verbraucher Instant Payments nutzen?

Kunden der Sparkassen können ab sofort das Überweisungssystem nutzen, um Geldbeträge untereinander oder zu Händlern zu transferieren. Sie können in ihrem Onlinebanking-Account selbst auswählen, ob sie eine Überweisung in Echtzeit oder auf dem gewöhnlichen Weg ausführen wollen. Zum Start gibt es eine Obergrenze von 15.000 Euro für Instant-Payment-Zahlungen.

Die Echtzeitüberweisungen funktionieren aber nur, wenn auch der Empfänger über seine Bank an das System angeschlossen ist.

Für einen echten Durchbruch von Instant Payments ist es also notwendig, dass die anderen Banken und Bankengruppen nachziehen. Die Volks- und Raiffeisenbanken wollen die technischen Voraussetzungen bis Ende November schaffen, dann wollen die anderen Privatbanken folgen.

Auch soll das System bald flächendeckend im Euroraum ausgerollt werden. Dann können Instant Payments auch über Ländergrenzen hinweg ausgeführt werden. Bisher bieten europaweit 22 Institute in zwölf Ländern Instant Payments an.

"Langfristig werden Instant Payments die normale Überweisung komplett ablösen, weil es für die Institute keinen Sinn macht, zwei parallele Systeme anzubieten", sagt Ernst Stahl vom Forschungsinstitut Ibi Research an der Universität Regensburg.

Welche Vorteile bringt das neue System?

Wer online shoppt, kann sich freuen: Denn je schneller der Händler das Geld hat, desto schneller wird die Ware verschickt.

Umgekehrt können Verbraucher schneller Geld erhalten. Wer zum Beispiel sein altes Auto privat verkauft, sieht sofort, ob die Zahlung des Käufers auf seinem Konto eingegangen ist, und kann die Ware schneller übergeben.

Vor allem aber Geschäftskunden profitieren: Ein Spediteur könnte an einen Kunden die Waren erst ausliefern, sobald die Zahlung bei ihm eingetroffen ist. Lieferketten könnten so sicherer und schneller werden.

Was kostet der neue Service?

Jede Sparkasse kann selbst entscheiden, ob sie Gebühren für Instant Payments erhebt oder nicht. In einigen Kontomodellen sind Echtzeitzahlungen inbegriffen, einige andere Sparkassen veranschlagen 50 Cent je Transaktion. Die Gebühren werden in den Preisleistungsverzeichnissen der Sparkassen genannt.

"Banken sollten auf Dauer für Echzeittransaktionen dieselben Gebühren erheben wie für gewöhnliche Überweisungen: nämlich gar keine. Sonst nutzen Privatkunden sie nicht", sagt Experte Stahl. Auf lange Sicht würden Institute keinen besonderen Preis durchsetzen können, glaubt er. Erst recht nicht, wenn Echtzeitzahlung zum Standard werde.

Was passiert, wenn es Probleme bei Echtzeitüberweisungen gibt?

Bei einer herkömmlichen Überweisung ist es länger möglich, einen irrtümlich transferierten Betrag zurückzuholen, wenn er die sendende Bank noch nicht verlassen hat. Dies wird nun schwieriger, wenn die Zahlungen sofort ausgeführt werden, weil das Zeitfenster auf wenige Sekunden geschrumpft ist.

Für einige Mitarbeiter der Sparkassen wird die Einführung mit Mehraufwand verbunden sein. Denn die Sparkassen müssen rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres für die Abwicklung der Zahlungen erreichbar sein.

mit Material der dpa



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spon-40u-bsr0 09.07.2018
1. Und das ist eine Meldung wert?
Das funktioniert bei anderen Banken (z.B. DKB) seit Jahren, sogar bei Auslandsüberweisungen. Nur bankenübergreifend kann es zu Verzögerungen kommen. Ich nehme an, weil es dann über irgendeine langsame Clearingstelle geht.
sven2016 09.07.2018
2.
Schicken die Unterlagen an die Bundesbank, bei der die Überweisungen geprüft werden .... Echt jetzt? Keine gesicherte Online-Kommunikation mit den Bundesbankservern, auf denen das in Echtzeit geprüft und genehmigt wird? Na, da will uns Einer was erzählen :)
cataclysmic 09.07.2018
3. Bitcoin und Co.
Tja, die Banken kämpfen gegen Paypal und die Cryptosphere. Wer gewinnt, wird wohl von den Kosten und den Netzwerkeffekten abhängen. Für politische Motivationen interessiert sich kaum ein Kunde. Und wenn ich schon bei einer Bank bin und diese plötzlich 'Instapay' anbietet, warum sollte ich es nicht nutzen.
allessuper 09.07.2018
4. Wie wäre es mal mit einem Artikel
über ganz andere, gute Banken, statt immer nur systemimmanente Meldungen der Beschleunigung von allem? Mal einen fundierten Artikel über Triodos, Umweltbank oder über die hervorragende GLS Bank, die seit 40 Jahren richtungs- und zukunftsweisend ist, von der man aber leider zu wenig hört, weil sie das Geld der Kunden nicht sinnlos für Pseudo-Wir-haben (nix)- verstanden Werbespots schaltet, wie jene andere Bank, die die nächste kaufte, nachdem sie von den Steuerzahlern gerettet wurde ? Gerade solche Banken schützen am meisten vor dem nächsten Crash, wenn denn genug Menschen mal nachdenken würden und sich die zwei Stunden Zeit nehmen, die es kostet, um die Bank zu wechseln? Oder passt so ein Artikel nicht zum hiesigen "Werbeumfeld"?
alex300 09.07.2018
5. Innerhalb einer Währungszone
ist PayPal konkurrenzlos. Die Überweisung funktioniert simple, in Echtzeit, kostenlos, und der Rezipient bekommt sofort die Bestätigung per E-Mail. Für Waren oder Dienstleistungen ist alles sogar abgesichert. Wenn allerdings die Währung konvertiert werden muss, wird PayPal happig. Hier könnten die Banken sehr wohl Konkurrenz machen.
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