Vermögensbarometer Deutsche stürzen sich auf Immobilien

Experten warnen vor Verlusten, doch jeder zweite Deutsche setzt laut einer Sparkassen-Umfrage wegen niedriger Zinsen auf Immobilien. Mit den Details der Finanzierung kennen sich aber viele kaum aus.

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Berlin - Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken bewegt eine wachsende Zahl von Deutschen dazu, in Immobilien zu investieren. 50 Prozent nennen das Eigenheim als die ideale Geldanlage, fünf Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. 34 Prozent halten Immobilien angesichts der mageren Zinsen nun für "besser geeignet" als zuvor. Das geht aus dem Vermögensbarometer 2013 hervor, das der Deutsche Sparkassen- und Giroverband am Donnerstag veröffentlichte.

Fast ein Drittel der Befragten gab an, sie hätten bereits Konsequenzen aus der anhaltenden Niedrigzinsphase gezogen oder hegten entsprechende Pläne. Verlierer sind dabei wenig überraschend solche Anlagen, die unmittelbar vom Zinsniveau abhängen - an erster Stelle Sparbücher und -konten. Diese sehen 42 Prozent der Befragten nun als weniger geeignet, auch Fest- und Termingeld (minus elf Prozent) und Tagesgeld (minus zehn Prozent) verlieren deutlich an Attraktivität. Beliebter werden dagegen neben der selbst genutzten Immobilie auch Mietobjekte: 37 Prozent würden diese zur Alterssicherung erwerben.

Zwar werden auch Aktien und Investmentfonds für die Deutschen attraktiver. Dennoch bleiben sie gegenüber Wertpapieren skeptisch. Knapp die Hälfte hält diese für "spekulativ", fast ein Drittel für "komplex" und nur jeder neunte Deutsche glaubt, dass sich damit gute Renditen erzielen lassen.

Trotz der schwierigen Lage sind die meisten Deutschen mit ihren persönlichen finanziellen Lebensumständen zufrieden. 57 Prozent beschreiben diese als "gut" oder "sehr gut" - der Studie zufolge ist das im langfristigen Vergleich ein hoher Wert. Fast ein Viertel der Befragten erwartet zudem, dass sich ihre persönliche Lage in den kommenden zwei Jahren noch verbessert. Mehr als jeder zweite Deutsche fürchtet jedoch, dass die persönliche Altersvorsorge durch die Niedrigzinsen geringer ausfallen könnte als geplant.

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon äußerte sich bei der Vorstellung der Studie besorgt darüber, dass die Bürger einen immer geringeren Anteil ihres Geldes sparten. "Von 100 Euro Nettoeinkommen werden nur noch 10,30 Euro zurückgelegt", sagte Fahrenschon. "Noch vor fünf Jahren waren es 11,50 Euro." Um ausreichend für das Alter vorzusorgen, sei eine Sparquote von mindestens zehn Prozent nötig.

Auch der Immobilienboom bereitet Experten Sorgen: So warnte die Bundesbank erst am Montag in einem Bericht, Wohnungen in großstädtischen Ballungsräumen seien derzeit um bis zu 20 Prozent überbewertet und könnten bei Käufern für empfindliche Verluste sorgen.

Dass solche Warnungen bislang kaum durchdringen, könnte auch an mangelndem Wissen liegen: Dem Vermögensbarometer zufolge glaubt zwar die Mehrheit der Deutschen, sich beim Sparen im Allgemeinen gut auszukennen. Über die Bau- und Immobilienfinanzierung haben dagegen 41 Prozent nach eigener Aussage "wenige" oder "überhaupt keine" Kenntnisse.

dab



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insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
C. Schmidt 24.10.2013
1. optional
Der Sparkassen-Präsident wundert sich doch nicht ernsthaft, dass die Leute weniger sparen? Wenn ich eines der Sparangebote der Sparkasse annehmen würde, hätte mein Erspartes in fünf Jahren dank Inflation und niedriger Zinsen weniger Kaufkraft als jetzt. Wenn groß Zinsen von 0,4% p.a. oder 1,5% ab dem 7. Jahr ganz ironiefrei als Pluspunkte für die Sparangebote präsentiert werden, muss man sich nicht wundern, wenn die Sparquote leidet.
FreakmasterJ 24.10.2013
2. Zu grosses Risiko
Unsere (zukünftigen) Finanzminister freuen sich schon drauf. Fehlt dem Staat die Knete, was macht er dann?? Richtig, man führt eine Zwangshypothek ein auf Immobilien. Wenn die Leute zu viel Geld übrig haben, in Immobilien zu investieren, dann muss sich unser Finanzminister selbstverständlich auch daran bedienen -ausschließen kann das niemand!! Ach ja, was passiert denn eigentlich bei einer Bankenpleite. Man zahlt und zahlt fleißig seine Raten und Kredite ab, aber so lange die Bank Eigentümer ist, bleibt die eigene Immobilie bei einer Bankenpleite Teil der Insolvenzmasse der Bank und dem Insolvenzverwalter ist es ziemlich egal, wie viel Kohle man bisher schon dafür abgedrückt hat - das Geld ist futsch und man bekommt nichts, rein gar nichts dafür!!!
Amin 24.10.2013
3. 1. Grafik
Kann mir mal bitte jemand die erste Grafik erklären? Rentenversicherung genutzt von 63% geplant von 38% macht 101%? Warum ist beim Sparbuch der Balken von 52% ca. 15 mal so breit wie 58%? Hat da jemand sein Powerpoint nicht im Griff???
th.knedel 24.10.2013
4. Immobilien sind eine der besten Geldanlagen überhaupt
Nur, wer eben auf die Top-Wohnungen von Bauträgern setzt, kann ein Problem bekommen. Warum? Es ist wie mit Neuwagen: Fahre ich über die Schwelle des Händlers, sind gut 20% des Wertes weg. Und genau darum geht es hier! Und ein Schelm, der nicht glaubt, dass in Bauträgerimmobilien nicht unerhebliche Weichkosten (Provisionen und Margen) stecken! Gut ausgesuchte Gebraucht-Immobilien (zur Geldanlage) sind eines der stabilsten Investments überhaupt. Mehrere Faktoren arbeiten einfach für mich (an einem guten Standort): Demographie - also Nachfrage und steigende Mieten, Inflation - dadurch sinkender Realwert der Immobilienfinanzierung bei zumindest stabilen oder steigenden Wert der Immobilie! Die Schere Schulden zu Vermögen öffnet sich also ganz automatisch zu Anlegers Gunsten! Wie gesagt, Qualität und Lage müssen stimmen, aber eben nicht perfekt sein.
Markenfetischist 24.10.2013
5.
Und so züchtet man sich die nächste Immobilienblase. Dabei ist der Immobilienmarkt wesentlich komplizierter als dass das die Häuslebauer-Vorstellungen vieler erscheinen läßt. Wo Deutschland eine Leerstandswelle droht in den nächsten Jahrzehnten, sollte man sehr genau wissen, wo und in was für Immobilien man investiert.
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