Wohnungsmarkt: Friede den Mietern, Krieg den Maklern

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Hamburg will im Bundesrat durchsetzen, dass die Vermieter die Maklergebühr bezahlen müssen - und nicht mehr die Mieter. Die SPD-geführten Bundesländer unterstützen die Gesetzesinitiative sofort. Vermieterverbände drohen schon jetzt: Dann erhöhen wir die Miete.

Mieterprotest in Hamburg: 90.000 fehlende Wohnungen Zur Großansicht
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Mieterprotest in Hamburg: 90.000 fehlende Wohnungen

Hamburg - Wohnungsbesichtigung in Hamburg: Dicht gedrängt stehen die Mietinteressenten in der Drei-Zimmer-Altbauwohnung im beliebten Wohnviertel Eimsbüttel, als der Makler das Wort erhebt. "So, ich muss dann wohl wieder ein wenig Gott spielen: Setzen Sie sich bitte in Vierergruppen zusammen, ich gebe Ihnen dann einen Würfel. Wer die höchste Zahl wirft, darf sich auf die Wohnung bewerben."

Ein grotesker Einzelfall? Vielleicht. Aber symptomatisch für die Lage in vielen deutschen Großstädten. Besonders groß ist die Wohnungsknappheit in Hamburg, selbst der Senat spricht von bis zu 40.000 fehlenden Mietwohnungen, ein Maklerhaus beziffert die Lücke gar auf mehr als 90.000. Auch das dürfte ein Grund dafür sein, dass der Stadtstaat eine Bundesratsinitiative starten will, im ersten Quartal des kommenden Jahres soll der Gesetzentwurf eingebracht werden.

Zwar beteuert die federführende Stadtentwicklungsbehörde, dass der Wortlaut der Initiative noch gar nicht feststehe und der Senat sich noch in Gesprächen mit der skeptischen Wohnungswirtschaft befinde, die Idee ist aber in der Welt: Künftig sollten die Maklerkosten nach dem sogenannten Bestellerprinzip geregelt werden, das in der gesamten restlichen Privatwirtschaft selbstverständlich ist. Im Klartext: Wer den Makler beauftragt, der bezahlt ihn auch.

Makler bezweifeln Erfolg im Bundesrat

Nordrhein-Westfalen kündigte umgehend an, die Initiative zu unterstützen. "Miete plus Provision können Normalverdiener kaum noch stemmen", sagte der NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD). Die meist Courtage genannte Maklergebühr darf laut Wohnungsvermittlungsgesetz höchstens zwei Monatskaltmieten plus Mehrwertsteuer betragen - also maximal 2,38 Monatsmieten. In den begehrten Wohnlagen deutscher Großstädte ist es fast aussichtslos, eine Wohnung ohne Beteiligung eines Maklers zu finden.

Auch der Deutsche Mieterbund begrüßte die Pläne, die Maklergebühren grundsätzlich auf den Vermieter umzulegen. "Wir finden das völlig richtig, dass derjenige, der eine Dienstleistung bestellt, die auch bezahlen soll", sagte Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz.

Die Makler selbst reagieren verhalten. Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands IVD und selbst Makler, hält eine gesetzliche Regelung für verzichtbar, "wir sind aber für die Einführung eines echten Bestellerprinzips grundsätzlich offen". Soll heißen: Mieter oder Käufer sollen zahlen, wenn sie einen Makler mit der Wohnungssuche beauftragen - andernfalls der Vermieter oder Verkäufer. Gleichzeitig kritisiert Schick aber die Politik, die auf diese Weise von ihrem eigenen Versagen in der Wohnungspolitik ablenke, "das ist, als kritisierten Sie einen Meteorologen dafür, dass er schlechtes Wetter ansagt". Angst um sein Geschäft hat Schick übrigens nicht - und er bezweifelt, dass die Initiative erfolgreich sein wird.

Kleine Typologie der Makler
Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.
Unionsregierte Bundesländer lehnen Neuregelung ab

Tatsächlich werden wohl vor allem jene Bundesländer den Hamburger Vorstoß unterstützen, in denen die SPD an der Regierung beteiligt ist. So zeigen sich auch Berlin, Brandenburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern interessiert, die Initiative mitzutragen. Schleswig-Holstein will zunächst den Gesetzentwurf prüfen, ebenso wie das grün-rot regierte Baden-Württemberg, das laut Justizministerium bereits im Juli eine Länderabfrage zum Thema Maklergebühren gestartet hat.

Gegenwind kommt aus den unionsregierten Bundesländern wie Sachsen oder auch von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP): "Ich halte nichts von der geplanten rot-grünen Bundesratsinitiative. Mit einer entsprechenden Gesetzesänderung würde gravierend in die Vertragsfreiheit eingegriffen und damit gegen den Grundsatz der Privatautonomie verstoßen." Die Begründung folgt damit fast wortwörtlich jener der Maklerverbände.

Auch das schwarz-gelb regierte Niedersachsen will "keinen Zwang", Maklergebühren ausschließlich dem Vermieter in Rechnung zu stellen. In dem Fall bestehe die Gefahr, dass die Kosten einfach auf die Miete umgeschlagen würden. Ein Argument, mit dem auch Vermieter drohen: Wenn gesetzlich ausgeschlossen würde, dass "Mieter die Courtage übernehmen", würden die Maklerkosten auf die Miete aufgeschlagen, sagte Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus & Grund.

Tatsächlich werden beide Varianten schon jetzt kombiniert: Bei der Besichtigung einer Wohnung in Hamburg St. Pauli staunten die Interessenten über die letzte Frage im Mieterauskunftsbogen: "Falls es mehr als einen Interessenten für diese Wohnung geben sollte, wären Sie auch bereit, eine höhere Miete zu zahlen? Wenn ja, welche?"

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insgesamt 377 Beiträge
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1.
Casparcash 24.10.2012
Zitat von sysopDPAWohnraum ist knapp in deutschen Großstädten, Mieter kommen an Maklern und damit an hohen Gebühren kaum vorbei. Hamburg will jetzt im Bundesrat durchsetzen, dass die Vermieter den Vermittler bezahlen müssen. Was taugt die Initiative? http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/spd-bundeslaender-wollen-vermieter-maklergebuehren-zahlen-lassen-a-863157.html
Klingt fair. Wer sich die Dienste eines anderen kauft, sollte dafür aufkommen. Der Mieter hat letztlich keine Wahl... Also sollte der Vermieter ran.
2. Kreisverkehr
einervondenen 24.10.2012
Da beißt sich die Katze in den Schwanz: Im Handelskreislauf gibt es einen Mitverdiener, den Makler. Wenn Wohnraum knapp ist, sind seine Dienste teuer – für die Mieter. Ist viel Wohnraum da, wie in Emden z.B., muss wohl der Vermieter ran. Keiner muss Vermittler einschalten. Insofern wäre eine Rechtssprechung auch eine Zementierung dieses Status. Warum nicht die maximale Provision auf eine Monatsmiete deckeln? Das Problem entsteht durch die Höhe, kein Makler arbeitet wohl in der Höhe, so zumindest der Eindruck.
3.
Wololooo 24.10.2012
Zitat von sysopDPAWohnraum ist knapp in deutschen Großstädten, Mieter kommen an Maklern und damit an hohen Gebühren kaum vorbei. Hamburg will jetzt im Bundesrat durchsetzen, dass die Vermieter den Vermittler bezahlen müssen. Was taugt die Initiative? http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/spd-bundeslaender-wollen-vermieter-maklergebuehren-zahlen-lassen-a-863157.html
Wenn ich bedenke, dass ich in München für meine Wohnung 2000 Euro an den Makler zahlen musste, dessen einzige Leistung es war eine Anzeige auf Immo-Scout aufzugeben (die auch noch extrem schlecht war und vielleicht 10 Minuten Arbeit war), dann bin ich froh, dass endlich so ein Gesetz kommt. Außerdem denke ich, dass obwohl es nicht erlaubt ist, sich Vermieter und Makler das Geld teilen, ansonsten kann ich mir die Faulheit von den Vermietern nicht erklären.
4. Und wieder ein Argument mehr...
Stefnix 24.10.2012
...um diese unselige schwarz-gelbe Apotheker/Hoteliers/Ärzte/Makler-Begünstigungsregierung abzuwählen!
5.
P.Delalande 24.10.2012
Zitat von sysopDPAWohnraum ist knapp in deutschen Großstädten, Mieter kommen an Maklern und damit an hohen Gebühren kaum vorbei. Hamburg will jetzt im Bundesrat durchsetzen, dass die Vermieter den Vermittler bezahlen müssen. Was taugt die Initiative? http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/spd-bundeslaender-wollen-vermieter-maklergebuehren-zahlen-lassen-a-863157.html
Naja, ein Tröpfen auf den heißen Stein um das "dumme" Volk zu beruhigen und um davon abzulenken, dass die Entwicklung auf dem Wohnungs-"markt" vor allem der Politik zu verdanken ist. Sollte es u.U. daran liegen, dass die Politiker nicht zufällig auch häufig Vermieter und Partizipierende sind?
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