Spielzeug, Kleidung, Geräte Vor diesen Produkten warnt die EU

Giftig, krebserregend, brandgefährlich: 2364 Produkte sind bei Europas Kontrolleuren im vergangenen Jahr durchgefallen - von der Spielzeuguhr bis zur Steckdosenleiste. Fast zwei Drittel der brisanten Ware stammten aus China.

EU-Kommission

Brüssel - Eine Steckdosenleiste ohne Erdung, ein Kinderwagen mit defekten Bremsen, dahinschmelzende Haartrockner: Jedes Jahr ziehen Kontrolleure in Europa zunehmend gefährliche Produkte aus dem Verkehr. Die Behörden in den EU-Staaten warnten im Jahr 2013 insgesamt vor 2364 gesundheitsgefährdenden Waren. Das entspricht einem Plus von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilte die EU-Kommission in ihrem sogenannten Rapex-Bericht mit.

Am häufigsten schlugen die Prüfer bei Spielzeugen und Kleidungsstücken Alarm - auf die jeweils exakt 25 Prozent der Meldungen entfielen. So fanden sich etwa giftige und krebserregende Chromate in Schuhen und Lederwaren. In Kinderspielzeug entdeckten die Kontrolleure Phtalate - Weichmacher, die unter dem Verdacht stehen, den Hormonhaushalt zu beeinflussen und die Geschlechtsreifung von Kindern zu schädigen. Bei jeder zweiten Gefahrenmeldung warnten die Prüfer vor Chemikalien. (Eine Auswahl gefährlicher Produkte in Bildern finden Sie hier.)

Bei der Kleidung waren jedoch nicht Chemikalien, sondern Zugschnüre oder Kordeln der Hauptgrund für Warnmeldungen: Vor allem Kindern droht den europäischen Kontrolleuren zufolge schnell die Gefahr, sich zu erdrosseln. Und immer noch lösen sich Kleinteile von zahlreichen Spielzeugen gerade für Säuglinge oder Kleinkinder in einem Alter, in dem sie Dinge mit dem Mund erkunden - werden sie verschluckt, können die Kinder daran ersticken.

An dritter Stelle lagen Elektrogeräte, die etwa defekte Stecker besaßen und deshalb in Flammen aufgingen oder einen Stromstoß erzeugten. Die EU-Prüfer schätzten in mehr als 80 Prozent der gemeldeten Produkte das Risiko als gravierend ein. "Solch gefährliche Produkte können Menschen verletzen oder sogar töten", sagte EU-Verbraucherkommissar Neven Mimica.

"Ergebnis besserer Kontrolle"

In den meisten Fällen ziehen die Behörden die beanstandeten Waren aus dem Verkehr. Bei mittleren oder niedrigen Risiken können Hersteller beziehungsweise Händler aber auch gebeten werden, die Produkte freiwillig aus den Regalen zu nehmen - etwa bei zwei Spielzeug-Handy-Modellen, die derart lautstark sind, dass das Gehör der Kinder geschädigt werden könnte.

Die mit Abstand meisten gefährlichen Produkte kommen dem EU-Bericht zufolge aus China. 64 Prozent aller Warnmeldungen entfielen auf Waren aus dem exportstarken Land. Aus dem europäischen Wirtschaftsraum stammten lediglich 15 Prozent der bedenklichen Waren, darunter immerhin 55 Produkte aus deutscher Herstellung. Bei zehn Prozent der Meldungen war das Ursprungsland unklar.

Dass die Kontrolleure häufiger vor Produkten warnten, bedeutet der EU-Kommission zufolge aber nicht unbedingt, dass auch mehr gefährliche Waren auf dem Markt waren. "Der Anstieg ist das Ergebnis einer besseren Kontrolle und einer besseren Aufsicht durch die nationalen Behörden", sagte Mimica. Die meisten Alarme kamen im Jahr 2013 demnach aus Ungarn (278), Deutschland (259) und Spanien (254).

Rapex ist der Name einer EU-weiten Datenbank, mit der sich die Mitgliedstaaten gegenseitig vor gefährlichen Produkten warnen - und die auch für jedermann im Internet einsehbar ist. Das Warnsystem umfasst Konsumgüter mit Ausnahme von Lebensmitteln und Medikamenten. Außer den EU-Staaten beteiligen sich auch Liechtenstein, Island und Norwegen an Rapex.

fdi/dpa

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insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
testi 25.03.2014
1. China...
tja das wundert mich nicht. Eine Zeit lang habe ich auch für eine Firma gearbeitet, die Produkte aus China gekauft hat und dann, natürlich auch in China, diese mit ihrem Markenlogo bedrucken ließ. Soweit sogut aber die Prüfzeichen ( TÜV, CE, GS... ) haben die Chinesen auch gleich mit draufgedruckt. Unter anderem auch TÜV Nord und TÜV Süd auf ein und sem selben Produkt...Sind natürlich nur subjektive Erfahrungen aber wundern tut mich dieser Artikel nicht.
bstendig 25.03.2014
2. Tja, auch hier gilt
Zitat von sysopEU-KommissionGiftig, krebserregend, brandgefährlich: 2364 Produkte sind bei Europas Kontrolleuren im vergangenen Jahr durchgefallen - von der Spielzeuguhr bis zur Stromsteckleiste. Fast zwei Drittel der brisanten Ware stammten aus China. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/spielzeug-elektro-eu-tester-finden-tausende-gefaehrlicher-produkte-a-960615.html
"Die Geister die ich rief". Warum nur müssen wir den Billig-Schrott aus China kaufen. Hier ist ausnahmsweise mal der Verbraucher mit in der Verantwortung, nicht nur die Politik. Wenn wir den Billig-Schrott nicht kaufen besteht auch keinerlei Gefahr. Aber wer will für Qualität noch Geld ausgeben? Das ist die Geiz-ist-Geil Mentalität, die hat noch nie funktioniert. Leute, gebt weniger Geld für Schrott aus, kauft Euch was Anständiges. Das hält dreimal so lange und ist damit auf Dauer die günstigere Alternative.
boingdil 25.03.2014
3. Zwei Seiten einer Medaille
Einerseits schön, das mit mehr Kontrollen mehr gefunden wird. Der Hauptherkunftsort China verdeutlicht aber auch das Problem: es kommt fast nur noch auf einem billigen Preis an. Es ist zum Verzweifeln: ich finde für meine Kinder kaum noch Spielzeug, das nicht aus China kommt. Beim Baby-Spielzeug gibt es noch die teurere Öko-Holz-Variante. Aber später? Wenn Marken und Merchandising bei den Kindern Wirkung zeigen? Steiff,Lego und Playmobil sind anscheinend die einzigen Spielzeughersteller von Rang, die nicht in China fertigen lassen. Aber Mattel und Konsorten... Tolle Wahl: entweder vergifte ich meine Kinder oder ächte sie sozial bei ihren Gleichaltrigen. Ist zugespitzt, aber trifft im Kern.
GMNW 25.03.2014
4. Übersetzung in die deutsche Sprache
Es wäre doch sehr wünschenswert, wenn die Seite "RAPEX" auch in deutscher Sprache verfügbar wäre. Englisch sprechen wir inzwischen ja alle irgendwie, aber hier geht es auch um eine fachlich spezifische Sprache!
andihh75 25.03.2014
5.
Die Lösung wäre in meinen Augen den Konsum solchen Mists komplett zu unterlassen, den Kindern nützliches, hochwertiges und nachhaltig produziertes zu kaufen. Nichr mehr jedem drängen der Kids nachzugeben.Dinge auch mal mit anderen zu teilen! Möglichst wenig Elektronikschrott kaufen und so gespartes Geld (hauptsächlich durch weniger Konsum von Sinnlosem) in gesunde und gute Ernährung investieren! Das wäre ja vielleicht ein Anfang diesem kranken System zu entkommen!
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