Städte im Vergleich So viel geben die Deutschen für Energie aus

Strom ist physikalisch immer gleich - egal wo. Trotzdem gibt es extreme Preisunterschiede, ebenso wie bei Gas. Eine Studie zeigt: Vor allem Ostdeutsche müssen viel Geld für Energie ausgeben. Die teuersten und günstigsten Städte im Vergleich.

Strommast: Immer das gleiche physikalische Produkt, aber unterschiedliche Preise
dapd

Strommast: Immer das gleiche physikalische Produkt, aber unterschiedliche Preise


Hamburg - Jeder Bürger in Deutschland bezieht Strom und sehr viele auch Gas. Doch wenn die Rechnung kommt, wird die Haushaltskasse sehr unterschiedlich belastet - je nach Region. Während die Münchener nur 5,4 Prozent ihres Einkommens für Energie ausgeben, nimmt Leipzig mit einer Energiekostenquote von 9,9 Prozent deutschlandweit den Spitzenplatz ein. Das ergab eine Studie des Vergleichsportals Check24.

Auch in absoluten Zahlen ist Energie in München verhältnismäßig günstig: Mit 114 Euro durchschnittlich pro Monat landet die Stadt - mit einem Euro Unterschied - nur knapp hinter dem Erstplatzierten Osnabrück. In Leipzig hingegen ist Energie generell teuer: 153 Euro gibt ein Haushalt im Schnitt jeden Monat für Gas und Strom aus.

Generell sind die Energiepreise in Ostdeutschland im Verhältnis zum Einkommen höher als in anderen Regionen der Bundesrepublik. Günstig sind Strom und Gas hingegen in Bayern oder Baden-Württemberg.

Ausnahmestädte sind Potsdam und Bremerhaven. Die brandenburgische Landeshauptstadt ist die einzige Stadt in den neuen Ländern, deren Energiekostenquote unter dem Bundesdurchschnitt von 7,5 Prozent liegt. Und Bremerhaven weist mit 9,3 Prozent die höchste Quote der westdeutschen Städte auf - was vor allem am niedrigen Durchschnittseinkommen dort liege, so die Studie.

Gerade bei den Gaspreisen zeigen sich laut Check24 deutliche Unterschiede zwischen den Städten: Während Verbraucher in Siegen jährlich 601 Euro für 10.000 Kilowattstunden Gas zahlen, müssen die Leipziger 68 Prozent mehr für die gleiche Menge ausgeben - nämlich 1008 Euro. Allerdings sind die Strom- und Gaskunden ihren Versorgern nicht hilflos ausgeliefert. Laut Check24 können Verbraucher durch einen Anbieterwechsel durchschnittlich 464 Euro im Jahr sparen.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.

sdm



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insgesamt 16 Beiträge
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_unwissender 13.04.2011
1. jaja, ich will nen Titel...
Das macht Eindruck: Der Strom als Anteil am haushaltseinkommen. Wer so rechnet kommt am Schluß auf die Idee, dass Hartz4er am meisten Strom schlucken. Ich bin begeistert! Wissenschaft ist, wenn man Bezüge schafft, die was hermachen....
Navitrolla, 13.04.2011
2. Äpfel, Birnen, Pampelmusen?
Was soll dieser Bericht uns sagen? Vielleicht ... ... dass die Arbeitslosigkeit & das Durchschnittseinkommen im Osten höher sind? ... dass westliche Häuser im Durchschnitt besser isoliert? ... dass in Freiburg mehr Sonne Scheint und weniger Licht benötigt wird? ... dass der Einkommensschwache Wessi nicht maulen soll, weil die vom Millionärsnachbar verschobene Statistik ihm doch ein gutes Leben attestiert? Also nein. Diese Betrachtung ist nur zu einem gut: Die Einigkeit über den Atomausstieg auf Stammtischniveau zu torpedieren. Gezielte Nadelstiche zugunsten einer Industrie, die viel zu verlieren hat. Viel interessanter wäre eine Betrachtung der Energiekosten pro qm Wohnraum, gestaffelt nach Wohnraumtyp/-alter - und das in einen Europaweiten Vergleich gesetzt.
blaudistel 13.04.2011
3. Diese Rechnung ist unvollständig
da man das Nettoeinkommen - also das verfügbare Einkommen entgegensetzen muss. Wir sind bei sehr günstigen Anbietern und bezahlen über 12 Prozent unseres Einkommens für Strom und Gas. Und da sind Wasser - was ja auch dazu gehört, noch nicht einmal dabei.
blaudistel 13.04.2011
4. Was hat das mit Hartz IV zu tun. Diese Leute bekommen anteilig
Strom- und Gas. Wir - die arbeiten um ein Einkommen erzielen - auf uns lastet die grösste Last. Die Löhne/Gehälter zu niedrig um davon einigermassen leben zu können und zu hoch um einen Zuschuss zu erhalten. Wobei mir eine adäquate Entgeltung der AK allemal lieber wäre als ein Bittstellerbrief an die Behörden.
dipl.inge82 13.04.2011
5. oh ha
Schade das die Statistik nicht im Sinne derer ist die immer auf den dummen und faulen H4-Ossis schimpfen. Also kann sie ja nur falsch sein, logo. Die niedrigen Löhne werden ja immer mit den unschlagbar günstigen Lebenshaltungskosten gerechtfertigt. Und wie sieht die Realität aus? An der Tankstelle? Im Supermarkt? Bei den Energiekosten? Kostet da alles nur die Hälfte? Klar sind die Mieten niedriger als in Grunwald oder Blankenese. Aber für 200e gibt's auch in der Provinz keine 3 Zimmerwohnung warm. Gruß aus NDS
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