Wohnungsknappheit: Städtetag fordert Obergrenze für Mieterhöhungen

Die Wohnkosten in vielen deutschen Großstädten steigen dramatisch - jetzt verlangt der Deutsche Städtetag, dass gegengesteuert wird: Bei der Wiedervermietung in Boomregionen sollen Erhöhungen auf zehn Prozent oberhalb des ortsüblichen Niveaus begrenzt werden.

Wohnsiedlung in Hamburg: Große Knappheit in den Ballungsgebieten Zur Großansicht
DPA/GAGFAH

Wohnsiedlung in Hamburg: Große Knappheit in den Ballungsgebieten

Frankfurt am Main - Die Wohnungsnot in Deutschlands Ballungsräumen wird immer größer, die Mieten steigen dramatisch. Nun verlangt der Deutsche Städtetag, dass diese Entwicklung gestoppt wird.

Um Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten bezahlbar zu halten, sollten bei der Wiedervermietung von bereits bestehenden Wohnungen in Ballungsgebieten nur noch Mieterhöhungen von maximal zehn Prozent erlaubt werden, sagte Städtetagspräsident Christian Ude am Dienstag in Frankfurt.

Die Deckelung solle zunächst für fünf Jahre gelten und mit Rechtsverordnungen der Länder möglich werden. "Hier sind punktgenau wirkende gesetzliche Regelungen nötig, damit Spekulanten an solchen überhitzten Wohnungsmärkten keine Chance haben."

Bislang können Eigentümer immer dann, wenn die von ihnen vermietete Wohnung frei wird, so viel auf die Miete aufschlagen, wie sie wollen. "Mieter brauchen mehr Schutz vor überzogenen, wirtschaftlich nicht begründbaren Steigerungen", sagte Ude, der zugleich Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt München ist.

Betroffen von steigenden Mieten sind vor allem wirtschaftlich attraktive Standorte wie München, Stuttgart oder Frankfurt am Main. Auch in Köln und Düsseldorf sowie in einigen Stadtteilen von Hamburg und Berlin ziehen die Mieten massiv an.

Es gehe darum, die Verhältnismäßigkeit zu wahren, betonte Ude. Die Städte wollten mit ihrem Vorstoß keine Investoren abschrecken. Wohnungen, die zum ersten Mal vermietet würden, sollten daher von einer Neuregelung verschont bleiben.

Von Bund und Ländern forderte Ude mehr Anstrengungen beim Wohnungsbau. "Die Mittel müssen wieder aufgebaut werden", sagte er. Vor allem der Bund habe sich in den vergangenen Jahren praktisch vollständig zurückgezogen.

ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Von der DDR lernen.....
rockefeller4 23.04.2013
Das klappt bestimmt, hat ja in der DDR auch geklappt.
2. Noch eion EIngriff in ...
servius 23.04.2013
... die vertragsfreiheit, noch ein Stück mehr Sozioalismus. Wer will denn da noch in Wohnungen investieren? Wir brauchen attraktive Mieten, und ein Mietrecht, welches die Investition in Mietwohnungen fördert. Der beste mieterschutz sind so viele Wohnungen , daß man als vermieter keinen Mieter verlieren möchte.Klaro >Herr ude will daß die Städte mehr Wohnungen bauen! Und mit was? Die haben doch auch keine Kohle? Ah klar Steuererhöhungen. Nur weiter so. Wieviele gemeinwesden müssen eigentlich an sozialistischen Ideen noch verrecken bis der Wähler den roten Heulern nicht mehr glaubt?
3. Ude-Fan?
deragnostiker 23.04.2013
Christian Ude als Überbürgermeister Münchens zu bezeichnen ist allerdings auch eine nette, wenngleich sicherlich ungewollte Formulierung. Was da wohl die Konkurrenz der CSU dazu sagt? Wie weit wohl der Weg vom Überbürgermeister zum Ministerpräsidenten ist?
4.
mmueller60 23.04.2013
Was sind denn "wirtschaftlich nicht begründbare Steigerungen"? Markt ist Markt, oder? Wenn sich für den gesteigerten Preis ein Mieter findet, dann ist das eben der aktuelle Wert der Wohnung und der Lage.
5.
exterminate 23.04.2013
Zitat von rockefeller4Das klappt bestimmt, hat ja in der DDR auch geklappt.
Dort musste niemand 50% oder mehr seines Einkommens einem Miethai in den gierigen Rachen werfen.
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Kleine Typologie der Makler
Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.