Geldanlage und Kredite Was Sie tun sollten, wenn die Zinsen steigen

Steigen demnächst die Zinsen? Sowohl für Sparer als auch für Immobilienkäufer macht es einen großen Unterschied, ob es bald wieder ein oder zwei Prozent mehr sind. Deshalb sollten Sie sich schon jetzt vorbereiten.

Europäische Zentralbank
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Eine Kolumne von


Juchhu, die Zinsen steigen! Das denken vielleicht Leute, die gerade noch einen günstigen Kredit für die neue Wohnung oder das neue Auto abgeschlossen haben. Sie denken das, wenn nun berichtet wird, dass die langfristigen Zinsen zum Beispiel für die Baufinanzierung um 0,3 Prozentpunkte gestiegen seien. Sind sie ja auch tatsächlich vom 12. Dezember 2017 bis zum 26. Februar 2018. Und die Jubler sind der Zinssteigerung bei ihrer Kreditaufnahme entkommen.

Das aber ist nicht einmal ein Viertel der Wahrheit. Denn eigentlich sind die Zinsen weiter niedrig. Tatsächlich liegen zum Beispiel die durchschnittlichen Zinsen für Ratenkredite (nach den Daten der Bundesbank) heute deutlich unter 6 Prozent, vor fünf Jahren lagen sie um die 7 Prozent.

Und tatsächlich ist eine Baufinanzierung heute immer noch fast so günstig wie zu den Zinstiefstständen im Herbst 2016.

Der Jubel ist also mindestens verfrüht.

Eigentlich aber gibt es für die meisten Deutschen gar keinen Grund zum Jubeln. Vor allem diejenigen, die demnächst etwas Geld zur Verfügung haben, das sie kurzfristig, also für einige Monate oder vielleicht mal für zwei Jahre anlegen wollen, werden von der Zinserhöhung wenig spüren. Erfahrungsgemäß merken viele Bankkunden bei den Sparzinsen den Zinsanstieg zuletzt. Die Sparzinsen selbst für die besten Angebote fallen eher noch. Consorsbank und ING-Diba haben gerade die Zinsen gesenkt.

Fallende Zinsen, steigende Inflationsrate: Die Kurzfristanleger stecken aktuell in der Falle. Ihre Zinsen tendieren gegen null und die Inflation frisst aktuell gut 1,5 Prozent im Jahr vom Wert ihres Geldes.

Für viele andere sind steigende Zinsen auch kein Grund für Begeisterungsstürme. Wer noch vor hat, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, muss wohl mit höheren Zinsen rechnen. Wenn die Rate, die der Käufer monatlich erübrigen kann, aber nicht steigt und der Zinsanteil schon, wird der Tilgungsanteil kleiner. Oder platt gesagt, der Käufer, die Käuferin, kann sich weniger Haus leisten.

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Ein Beispiel: Aktuell liegen die Hypothekenzinsen für zehnjährige Kredite bei rund 1,5 Prozent. Eine Immobilienfinanzierung über 500.000 Euro kostet über den Daumen gepeilt 7.500 Euro Zinsen (1,5 Prozent) und 17.500 Euro Tilgung (3,5 Prozent) pro Jahr, macht zusammen 25.000 Euro oder knapp 2.100 Euro Rate im Monat.

Bei 5 Prozent Zinsen (so hoch waren die Zinsen zuletzt im Jahr 2008) würden allein die Zinsen schon 25.000 Euro pro Jahr ausmachen, 500.000 Euro finanzieren geht dann nicht mehr. Mit den gleichen Monatsraten von knapp 2.100 Euro im Monat und der gleichen Kreditlaufzeit könnte sich der Käufer eine Finanzierung über etwa 350.000 Euro leisten.

Tipps für Kreditnehmer und Anleger

Steigende Zinsen würden sich auch anderswo bemerkbar machen. Wenn etwa die Zinsen für Ratenkredite steigen, wird auch das nächste Auto oder der Kredit für den Umzug teurer. Und wenn die Zinsen für Staatsanleihen steigen, muss der neue Bundesfinanzminister Olaf Scholz künftig mehr für unsere Staatsschulden zahlen und hat weniger Geld für Bildung, Soziales oder auch für Steuererleichterungen zur Verfügung. Aktuell profitiert der Bund von den niedrigen Zinsen. 2017 zahlt er rund 23 Milliarden Euro weniger an Zinsen für seine Kredite als 2008.

Steigende Zinsen sind also keine gute Botschaft für alle. Was können Anleger und Kreditnehmer nun tun?

Zuerst die Kreditnehmer: Wenn Sie an die Zinswende glauben, sollten Sie versuchen, die nötigen Kredite jetzt aufzunehmen und die Zinsen dafür für möglichst lange Zeiträume festzuschreiben.

  • Für Ratenkredite heißt das, jetzt den Ratenkredit aufnehmen, wenn er zwingend erforderlich ist.
  • Alte Ratenkredite umschulden, sich die aktuell günstigen Zinsen für neue Kredite sichern und dadurch wie der Bundesfinanzminister viel Zinsen sparen.
  • Anstehende Baufinanzierungen jetzt noch für lange Jahre sichern, also eine Zinsbindung für mindestens 15 Jahre verabreden und den Kredit so gestalten, dass danach der größte Teil der Schulden getilgt ist. Also mit einer Tilgung von mindestens 3 Prozent im Jahr beginnen.
  • Baufinanzierungen, die in den kommenden zwei Jahren auslaufen, jetzt mit einem Forward-Darlehen absichern und so für den Rest der Kreditlaufzeit die niedrigen Zinsen sichern.

Dann für Anleger: Sie sollten natürlich immer versuchen, das Maximum herauszuholen.

  • Das heißt für das Tagesgeld, mit einem gut gefüllten Tagesgeldkonto nie wieder in den Dispo zu müssen und die auf dem Tagesgeldkonto angelegten 10.000 Euro als eiserne Reserve möglichst stabil für mehr als 0,5 Prozent anzulegen.
  • Für das Festgeld bedeutet das, Zinsen von deutlich mehr als 1 Prozent für zwei bis drei Jahre anzustreben und das Geld nicht länger festzulegen.
  • Für den Wertpapiermarkt heißt das: keine Euro-Rentenfonds kaufen, denn die bringen zurzeit keine Zinsen und können wegen der niedrigen Zinsen auch keine Kursgewinne bringen. Wohl aber wären bei steigenden Zinsen deutlich Kursverluste zu erwarten.
  • Langfristiges Geld an den Aktienmarkt tragen und es dort langfristig lassen, wenn Sie es denn nicht zum Beispiel in eine Immobilie investieren wollen. Breitgestreute internationale Aktienfonds haben ihren Anlegern über 15 Jahre noch nie Verluste, wohl aber sehr schöne Gewinne beschert. Bleiben die Gewinne am Aktienmarkt wie in der Vergangenheit bei im Schnitt rund 7 Prozent (vor Inflation), werden aus 50.000 Euro bei 0,3 Prozent Kosten für den Indexfonds gut 132.000 Euro. Bei 2 Prozent Kosten für einen gemanagten Fonds erzielen Sie leider nur knapp 104.000 Euro, also rund 28.000 Euro weniger. Ihre individuelle Steuerbelastung habe ich dabei allerdings noch nicht berücksichtigt.

Zinswende hin oder her, legen Sie los!

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.


insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
spmc-12355639674612 07.04.2018
1. Bei steigenden Zinsen
sind jedoch mittelfristig auch stärker steigende Löhne und stagnierende oder vielleicht sogar leicht sinkende Immobilienpreise zu erwarten. Gerade im Immobilienbereich herrscht ein ganz gutes Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage, d. h. die Immobilien werden immer genauso viel kosten, wie sich die Käufer gerade so leisten können. Daher sind die Immobilienpreise im Niedrigstzinsumfeld ja auch teilweise extrem gestiegen.
dipl.inge83 07.04.2018
2. Schnäppchen
Steigende Zinsen bringen wieder eine Normalisierung auf dem Immobilienmarkt. Die Wartezeit auf Handwerker dürfte kürzer werden, die Preise nicht weiter steigen, auch für Material. Und mit genügend Zeit und Eigenkapital lässt sich auch das ein oder andere Schnäppchen machen. Während der Niedrigzinsphase haben sich ja ausreichend viele Mitmenschen finanziell sehr weit aus dem Fenster gelehnt.
thequickeningishappening 07.04.2018
3. Die Preise für Immobilien richten sich immer
nach Der Kreditbedienungsfaehigkeit Der Nachfrage! Wenn Der Bauzins nun von 1% auf 2% hochgeht dann kann man mit dem gleichen Einkommen (Tilgung und teilweise Nebenkosten ausgeklammert) nur noch Ein halbes Haus abzahlen. Entsprechend müssen sich Die Immobilienpreise nach unten korrigieren! So Einen Hebel gab's in Der Form noch nie !
freidenker49 07.04.2018
4. Zu viel Pessimismus
Herr Tenhagen rechnet mit 5 % Zinsen. Das ist aber ziemlich unrealistisch. Auch vor der Niedrigzinsphase hatten wir nur einen Zinssatz von circa 3 %. Wenn man dann die Tilgung auf 2 % senkt, dann bleibt es bei 5 % Gesamtbelastung. Und man hat in 15 Jahren rund 50% getilgt durch ersparte Zinseszinsen. insofern ist auch bei einer Verdoppelung des Zinses immer noch tragbar und gegenüber einem Mieter hat man 50 % der Wohnung bezahlt.
willibaldus 07.04.2018
5.
Zitat von freidenker49Herr Tenhagen rechnet mit 5 % Zinsen. Das ist aber ziemlich unrealistisch. Auch vor der Niedrigzinsphase hatten wir nur einen Zinssatz von circa 3 %. Wenn man dann die Tilgung auf 2 % senkt, dann bleibt es bei 5 % Gesamtbelastung. Und man hat in 15 Jahren rund 50% getilgt durch ersparte Zinseszinsen. insofern ist auch bei einer Verdoppelung des Zinses immer noch tragbar und gegenüber einem Mieter hat man 50 % der Wohnung bezahlt.
Das ist kein Pessimismus, das ist das worst case scenario. Also die Rechnung, wenn nach Ablauf des Kredits, gewöhnlich 10 JAhre, umgeschuldet werden muss und man das Pech hat, gerade in die Hochzinsphase zu kommen. Das könnten 5% sein, ist nicht unrealistisch. Die Frage muss sich jeder Betongold Fan vorher stellen. Kann ich das noch stemmen, wenn in 10 JAhren...
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