Steuererklärung für 2016 So holen Sie sich Geld vom Fiskus zurück

Wonnemonat Mai: Frühling, Sonne - und die Steuererklärung. Mit diesen einfachen Tipps lässt sich viel Geld rausholen.

DPA

Eine Kolumne von


Es ist Mai. Und da schiebt so mancher schlechter Laune vor sich her, denn bis Ende Mai muss die Steuererklärung fertig sein, nicht wahr? Und deswegen heute ein paar Tipps, mit denen man zumindest seinen Stundenlohn für diese Mühe erheblich in die Höhe treibt.

Auch wer gesetzlich keine Steuererklärung abgeben muss, sollte weiterlesen - und das ist immerhin die Hälfte der Arbeitnehmer. Denn die Steuern, die vom Gehalt automatisch abgezogen werden, sind in den allermeisten Fällen zu hoch angesetzt. Im Schnitt bekommen die Deutschen mit ihrer Steuererklärung 900 Euro im Jahr zurück.

Doch viele Steuerzahler scheuen den Aufwand, sich mit Steuern zu beschäftigen und schenken dem Fiskus Milliarden an bereits gezahlten Geldern. Wer es dennoch freiwillig macht, kann das für bis zu vier Jahre rückwirkend tun.

Viele andere müssen so oder so: Weil sie selbstständig sind, oder verheiratet und die Partner unterschiedliche Steuerklassen haben. Weil sie 2016 mehrere Arbeitslöhne parallel hatten oder weil sie mehr als 410 Euro Arbeitslosen- oder Elterngeld erhalten haben. Oder - und diese Gruppe wird immer größer - weil sie zu den derzeit 4,4 Millionen Rentnern gehören, die Steuern zahlen müssen, weil die Rente hoch genug ist.

Wer trödelt, zahlt Strafe

Und wer verpflichtet ist, kann für Verspätung oder Nichtabgabe mit einem Zuschlag bestraft werden. Allerdings lässt sich die Frist herauszögern, indem man sich einen Lohnsteuerhilfeverein sucht oder einen Steuerberater. Dann bleibt Zeit bis Ende 2017.

Und wer in Baden-Württemberg, Bayern oder in Nordrhein-Westfalen seine Steuererklärung elektronisch per Elster abgibt, hat damit Zeit bis Ende Juli.

Aber solche Geschenke und zinslose Kredite an Herrn Schäuble und seine Finanzverwaltung sind aus Steuerzahlersicht völlig unnötig. Vor allem wenn man womöglich gleichzeitig Zinsen bezahlt für Kredite, die man bei den Banken aufgenommen hat.

Software macht die Steuererklärung leichter

Also frisch ans Werk: Im Prinzip kann man die Steuererklärung mit dem kostenlosen Elster-Programm der Finanzverwaltung selbst machen. Deutlich komfortabler ist aber andere Steuersoftware, die man kaufen kann - und außerdem helfen die Programme mit ordentlichen Steuertipps. Die Kosten von 15 bis 35 Euro kann man hinterher komplett als Steuerberatungskosten absetzen. Entscheiden Sie sich einmal für eine Software, mit der Sie gut zurechtkommen, dann spricht auch nichts dagegen, diese zu abonnieren und so ein paar Euro beim Kauf der Updates zu sparen. Zudem sparen Sie sich im Folgejahr einen Haufen Arbeit, weil Sie die Vorjahresdaten einfach übernehmen und aktualisieren können.

In diesem Jahr ist besonders viel zu holen: Dafür haben wieder einmal die Finanzgerichte gesorgt. Kommen wir aber zunächst zu den Klassikern, mit denen in der Regel das meiste Geld herauszuholen ist. Das sind:

  • "Werbungskosten", also alle Kosten, die für die Arbeit anfallen - von der Anfahrt bis zu Fortbildung und den Schutzschuhen,
  • Handwerkerkosten, nicht nur für die Renovierung der Wohnung,
  • Kosten für "haushaltsnahe Dienstleistungen" wie Putzen und Rasenmähen auf Rechnung - auch für Mieter -,
  • Vorsorgeaufwendungen wie die Sozialversicherungsbeiträge,
  • außerdem Spenden und Kirchensteuer, die man mit der Steuererklärung wieder geltend machen kann.

Neben diesen Klassikern fallen vor allem zwei Posten aufgrund neuer Urteile ins Gewicht:

  • Wer 2016 als Leiharbeiter von Arbeitsort zu Arbeitsort gezogen ist, kann deutlich mehr Kosten für die Wege zum Arbeitsort geltend machen als normale Arbeitnehmer und so einen Haufen Steuern sparen. Ein Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts vom 30. November 2016 eröffnet diese neuen Steuersparmöglichkeiten für Leiharbeiter (Az. 9 K 130/16; Revision beim Bundesfinanzhof unter Az. VI R 6/17). Dies gilt sogar für den Fall, dass der Leiharbeitnehmer das ganze Jahr über beim selben Entleiher tätig war. Zusätzlich kann er für die ersten drei Monate eines neuen Einsatzes Mehraufwendungen für die Verpflegung geltend machen.
  • Wer 2016 große Reparaturen an den Zähnen hatte oder andere hohe Krankheitskosten, wem wegen eines Hochwassers die Küche weggeschwommen ist oder wer andere "außergewöhnliche Belastungen" hatte, darf dafür viel mehr Geld als früher von der Steuer absetzen. Der Bundesfinanzhof hat geurteilt, dass die zumutbare Belastung des Steuerzahlers, die er selbst tragen muss, anders berechnet werden muss. Sie fällt jetzt deutlich geringer aus. Als Folge bekommt ein Single mit Jahreseinkünften von 75.000 Euro, der beispielsweise 30.000 Euro an Pflegeheimkosten für seine Eltern und selbst getragene Zahnarztkosten hatte, aufgrund des Urteil fast 300 Euro mehr an Steuern zurück. Allerdings ist derzeit unklar, ob und wann die Finanzämter diese steuerzahlerfreundliche Rechtsprechung umsetzen werden. Falls dies in Ihrem Bescheid noch nicht berücksichtigt wird, legen Sie innerhalb eines Monats Einspruch ein.
Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Und noch ein letzter Tipp zum Schluss: Wer nicht verpflichtet ist, eine Steuererklärung abzugeben und die Rückzahlung aktuell nicht braucht, kann sich natürlich auch Zeit lassen und tatsächlich bis Ende 2020 warten. Dann bekommt er für die Zeit und die Rückzahlung, die das Finanzamt errechnet, vom Staat glatte sechs Prozent pro Jahr an Zinsen. Das ist selbst mit Aktien nur schwer zu realisieren.

Wohl dem, dessen Finanzen so schön in Ordnung sind.



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kewlo 06.05.2017
1.
"Als Folge bekommt ein Single mit Jahreseinkünften von 75.000 Euro, der beispielsweise 30.000 Euro an Pflegeheimkosten für seine Eltern und selbst getragene Zahnarztkosten hatte, aufgrund des Urteil fast 300 Euro mehr an Steuern zurück." Was für einen Witz!! Man muss "nur" EUR 30.000 ausgeben, um ganze EUR 300!! von der Steuer zu "sparen". Soll das ein Aprilscherz von spiegel.de sein - allerdings verspätet - oder etwa ernst gemeint? Nennt man sowas heutzutage "Geschenk"??
awoth 06.05.2017
2. @kewlo #1
Kein Witz! Wenn Sie das mal in Prozent umrechnen und das dann zB mit Zinsen bei einer guten Bank vergleichen, so ist das immerhin hundertmal mehr! Kein Witz, sondern Schland und Schäublerepublik!!
mori1982 06.05.2017
3. Meine Erfahrung
Aus- und Fortbildung machen und selber zahlen. Die Qualifizierung steigert das Gehalt und lässt sich von der Steuer absetzen. Dann kommt weit mehr als die postulierten 900€ Steuern zurück.
trader_07 06.05.2017
4.
Zitat von kewlo"Als Folge bekommt ein Single mit Jahreseinkünften von 75.000 Euro, der beispielsweise 30.000 Euro an Pflegeheimkosten für seine Eltern und selbst getragene Zahnarztkosten hatte, aufgrund des Urteil fast 300 Euro mehr an Steuern zurück." Was für einen Witz!! Man muss "nur" EUR 30.000 ausgeben, um ganze EUR 300!! von der Steuer zu "sparen". Soll das ein Aprilscherz von spiegel.de sein - allerdings verspätet - oder etwa ernst gemeint? Nennt man sowas heutzutage "Geschenk"??
Nein, 30.000 Euro außergewöhnliche Belastungen ersparen einem nicht "ganze" 300 Euro, sondern 300 Euro MEHR als zuvor. Das ist doch ein einfach formulierter Satz im Artikel, grammatikalisch korrekt. Was verstehen Sie daran nicht?
wdiwdi 06.05.2017
5. Softwareabos lohnen nicht
Ich habe in den letzten 10 Jahren immer per Amazon-Preisaktion oder einige Monate nach Jahreswechsel im regulärem Online-Verkauf weniger als den Abopreis bezahlt. Wer ohnehin auf Depot- und Krankenkassenbescheinigungen etc. warten muss und nicht sofort am ersten Januar einreichen möchte, sollte die Software ein paar Monate nach Jahreswechsel kaufen - spart bis zu 50%.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.