Steuererklärung Hier winkt die richtig dicke Kohle

Sie brauchen noch Taschengeld für den Urlaub? Dann machen Sie doch Ihre Steuererklärung. Handwerkerbelege, Arztrechnungen, Fahrtkosten - Sie können sich mehr zurückholen, als Sie denken.

Steuererklärung: Reißen Sie sich am Riemen, tun Sie's
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Steuererklärung: Reißen Sie sich am Riemen, tun Sie's


Eine Sonderzahlung oder etwas Taschengeld für den Urlaub gefällig? Der größte Geldtopf für Arbeitnehmer wartet dieser Tage beim Finanzamt. Bürger, die dort ihre Einkommensteuererklärung abgeben, bekommen nach Angaben der Steuerbehörden und des Bundes der Steuerzahler im Schnitt zwischen 800 und 1000 Euro vom Fiskus zurück. Mancher Lohnsteuerhilfeverein spricht gar von 1100 Euro.

Aber bei Weitem nicht alle Steuerzahler tun es - etwa ein Drittel macht keine Steuererklärung und verzichtet damit auf die Chance zur Rückzahlung. Andere wiederum tun es nicht direkt in den ersten zehn, zwölf Wochen des Jahres, sondern gewähren dem Finanzminister über lange Monate ein zinsloses Darlehen. Das ist unnötig. Und es wird zum wirtschaftlichen Unfug, wenn der Steuerzahler gleichzeitig womöglich knietief im Dispo steckt und dafür zehn Prozent Zinsen zahlt.

Immerhin 90 Prozent der Steuererklärungen führen dazu, dass der Staat Geld zurückzahlt. Also reißen Sie sich am Riemen und tun Sie's. Es ist gar nicht so schwer. Wer seine Steuererklärung schon ein- oder zweimal selbst gemacht hat, kann heute mit der vom Finanzamt zur Verfügung gestellten Elster-Software seine Steuererklärung mit wenig Aufwand selbst erstellen und das Geld zurückholen.

Wo winkt die Kohle?

Steuertipps gibt es bei Elster nicht, das wäre vom Finanzamt auch etwas viel verlangt. Die gibt es in der Kurzform etwa bei "Finanztip". Wer sich nicht gut auskennt, aber mit Computern umgehen kann, für den bieten sich ein halbes Dutzend unterschiedlicher Steuerprogramme an. Die kosten zwischen 10 und 30 Euro.

Und wer es nicht selbst machen will, teilt sich den Reibach eben mit seinem Lohnsteuerhilfeverein oder dem Steuerberater. Die machen die Arbeit gern und leben recht gut davon.

Aber wo winkt bei der Steuererklärung die richtig dicke Kohle? Im Kern da, wo man im vergangenen Jahr viel Geld ausgegeben hat: Bei den Kosten rund um die Arbeit, rund um die Wohnung, rund um die Familie und rund um die Gesundheit.

Kosten, die mit der Arbeit zu tun haben und die man steuerlich geltend machen kann, nennt das Finanzamt Werbungskosten. 1000 Euro Arbeitnehmer-Pauschbetrag gesteht der Fiskus von sich aus jedem Arbeitnehmer zu. Dafür muss man keine Belege sammeln.

Belege sammeln lohnt sich!

Aber viele Arbeitnehmer haben weit höhere Kosten für die Arbeit. Dreimal so hoch wie die Pauschalen sind die Werbungskosten, die Steuerzahler noch zusätzlich angegeben haben, sagt das Statistische Bundesamt für die vergangenen Jahre. Das waren pro Jahr jeweils mehr als 30 Milliarden Euro.

Werbungskosten beginnen schon auf dem Weg zur Arbeit. Wer 15 Kilometer von der Arbeitsstelle entfernt wohnt, kann für jeden der 220 Arbeitstage im Jahr für jeden Entfernungskilometer 30 Cent von der Steuer absetzen: Das macht 990 Euro. Wer weiter als 15 Kilometer fährt, hat quasi automatisch mehr Werbungskosten, als die Pauschale vorsieht.

Auch das Belegesammeln lohnt sich: ein Schreibtisch, Arbeitsschuhe, ein Computer, eine Fortbildung auf eigene Kosten und natürlich Kosten für Dienstreisen und doppelte Haushaltsführung. An jedem weiteren Euro Arbeitskosten beteiligt sich der Staat nachträglich, dieses Geld darf man einfach nicht liegen lassen.

Auch Kosten rund um die Wohnung können zu Steuerrückzahlungen führen. Bei praktisch jeder Handwerkerrechnung im eigenen Haushalt können Steuerzahler sich heute Lohn- und Fahrtkosten gesondert ausrechnen lassen und bei der Steuer angeben. Das gilt auch für Mieter. Ein Fünftel dieser Kosten bekommen sie zurück, bis zu 1200 Euro.

Das mit dem Fünftel ist kein Zufall. Es entspricht ziemlich genau der Mehrwertsteuer. Handwerker sollten gegen Rechnung arbeiten und den Betrag dieser Rechnung auch überwiesen bekommen, damit alles seinen ordentlichen Gang geht.

Ein warmer Geldregen binnen wenigen Wochen

Das gleiche Prinzip gilt auch für Haushaltshilfen. Hier kann man für selbstständige oder angestellte Haushaltshilfen bis zu 20.000 Euro ausgeben und dafür dann die eigene Steuer um bis zu 5000 Euro mindern. Wer außerdem bis zu 6000 Euro Kinderbetreuungskosten zum Beispiel für Kita oder Tagesmutter aufwendet, kann 4000 davon bei der Steuer angeben und absetzen.

Ein bisschen mehr Arbeit sollten Sie sich bei Ihren Gesundheitskosten machen. Bislang müssen Sie relativ viel Geld zum Beispiel für den Zahnarzt ausgeben, damit Sie beim Finanzamt profitieren. Der Staat argumentiert, von Ihren außergewöhnlichen Belastungen dürfe er erst mal einen zumutbaren Betrag abziehen, bevor Sie den Rest bei der Steuer einreichen können.

Dieser Abzug steht vor dem Bundesfinanzhof, dem höchsten deutschen Steuergericht, jetzt auf der Kippe. Deshalb mein Tipp: In der Steuererklärung 2014 alle außergewöhnlichen Belastungen angeben und auf eine Entscheidung des Finanzhofs im Sinne der Steuerzahler hoffen.

Wenn Sie die Steuererklärung am Wochenende fertigstellen, winkt im Normalfall binnen weniger Wochen ein warmer Geldregen. Nutzen Sie das letzte Winterwochenende dafür.

P.S.: Wenn Sie im vergangenen Jahr geheiratet haben und unterschiedlich verdienen, ist eine Steuererklärung ein praktisches Muss. Der Staat belohnt Ihren Mut zur Gemeinsamkeit besonders.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



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Seite 1
barmec 28.02.2015
1. Wer hat dem wird gegeben
Hat alles einen Hacken: Wer kaum Steuern zahlt, weil sie/er zu wenig verdient, bekommt auch nicht viel wieder. Da hilf das ganze Belege sammeln auch nicht.
Mars82 28.02.2015
2.
Für den 0815 Arbeitnehmer im Innendienst mit Arbeit in der Heimatstadt und der normalen Tarifwoche gibt es nix zu holen. Über die 1000 EUR Pauschale kommt er erst garnicht. Verstehe diesen überschwenglichen Artikel nicht. Für Aussendienstler, Selbsständige und Spesenritter klar, aber für Otto-Normal-Arbeitnehmer? Illusorisch den Leuten da Hoffnungen zu machen.
marthaimschnee 28.02.2015
3.
Bei all der Euphorie sollte man aber nicht vergessen, daß man die abzusetzende Summe eben nicht zurück bekommt, sondern nur das zu versteuernde Einkommen um diesen Betrag reduziert. Zahlt man wenig bis keine Steuern, ist das wurscht, denn wo nix gezahlt ist, gibt's auch nix zurück. Der Durchschnittsverdiener zahlt so ca 20% Steuern, alleine ohne Kinder, da kann man den warmen Regen also nochmal durch 5 teilen - sicher, auch das ist kein Pappenstiel, aber von den 1000 Euro, die man im Beispiel für den Arbeitsweg absetzen kann, kommen dann eben "nur" 200 zurück.
iasi 28.02.2015
4. statt nur das Spiel mitzuspielen, sollte man beginnen ...
... das Spiel zu bestimmen ... unsere Steuergesetzgebung ist doch genauso reformbedürftig, wie z.B. das der so gescholtenen Griechen. Man sollte das Bürger Druck auf unsere Volksvertreter ausüben, damit endlich dieses ungerechte, unübersichtliche und undemokratische Steuersystem ausgemistet wird.
jasuly 28.02.2015
5. Vereinfachung!
Ich würde ganz radikal jegliche zusätzliche Absetzmöglichkeit streichen und stattdessen die Steuern senken. Dadurch würden viele Menschen viel zusätzliche Lebenszeit gewinnen, die sie jetzt noch durch die Beschäftigung mit der aufgeblähten Steuererklärung, dem Sammeln von Belegen etc. verschwenden (müssen). Durch den wegfallenden bürokratischen Aufwand würde insgesamt Geld gespart, das allen zu Gute käme. Außerdem würde der größer werdenden Schere zwischen "Arm" und "Reich" entgegengewirkt, da Reiche mehr absetzen können als Arme. Aber was wäre mit der Gerechtigkeit? Meiner Meinung nach verkompliziert der Versuch, maximale Gerechtigkeit zu schaffen alles nur, ohne das Ziel (mehr Gerechtigkeit) tatsächlich zu erreichen. Wenn z.B. jemand auf dem Lande für seinen langen Weg zur Arbeit steuerlich "entschädigt" wird, könnte der Stadtbewohner wiederum auf seinen höhere Mieten verweisen... so kommt man vom Hundertsten ins Tausendste, alles wird für alle immer komplizierter und aufwändiger... aber keineswegs gerechter. Deshalb müsste dringend vereinfacht werden.
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