Steuerflucht Deutsche verschieben Schwarzgeld-Milliarden nach Asien

Ein Klick, schon ist das Konto aufgelöst: Deutsche Steuersünder verschieben nach SPIEGEL-Informationen im großen Stil Geld aus der Schweiz nach Asien - unter Umständen mit Hilfe alpenländischer Banken. Schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht.

Skyline von Hongkong (2009): Ein Knopfdruck - und das Geld ist auf der Reise
REUTERS

Skyline von Hongkong (2009): Ein Knopfdruck - und das Geld ist auf der Reise


Berlin - Eine neue Waffe gegen die Steuerflucht, darauf hatte die Bundesregierung zumindest gehofft: Mit einem neuen Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz wollte sich Berlin Zugriff auf die Daten von Steuerflüchtlingen sichern - und damit auch Milliardeneinnahmen. Doch die Steuerflüchtlinge ziehen offenbar aus dem Alpenland einfach weiter. Nach Informationen des SPIEGEL fliehen die Inhaber deutscher Schwarzgeldkonten in der Schweiz im größeren Stil in die asiatischen Steueroasen Singapur und Hongkong.

Spitzenbeamte des Bundesfinanzministeriums halten es für möglich, dass sie dabei die Hilfe Schweizer Banken bekommen. "Ein Knopfdruck - und das Geld ist aus der Schweiz in Singapur oder Hongkong", heißt es in Berlin. Insgesamt sollen Deutsche rund 200 Milliarden Euro Schwarzgeld in der Schweiz horten. Nach Ansicht des Bankenexperten der Schweizerischen Volkspartei Hans Kaufmann fließen gerade Milliardensummen ab: "Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres gingen 62 Milliarden Schweizer Franken verloren."

Die Fluchtrouten in die asiatischen Steueroasen Singapur und Hongkong sind für Deutsche weitgehend offen. Mit Hongkong hat die Bundesrepublik kein umfassendes Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen, der Vertrag mit Singapur lässt Lücken bei der Amtshilfe.

Schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht, weil sich Finanz- und Wirtschaftsressort über grundlegende Fragen der Besteuerung deutscher Unternehmen in Singapur streiten. Wegen dieser Grundsatzdebatte unterbleibe die Verfolgung Steuerflüchtiger, kritisiert die Opposition. "Bislang hat Herr Schäuble noch nicht einmal mit den Verhandlungen begonnen. Das ist umso irrwitziger, als Singapur selbst angeboten hat, bessere Informationspflichten zu akzeptieren", sagt die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Nicolette Kressl.

Das geplante Steuerabkommen zwischen Berlin und Bern soll sowohl die Besteuerung von Altvermögen als auch die Abgeltungsteuer für künftige Erträge regeln. Dafür will Deutschland versprechen, keine Datenträger mit Bankdaten aus Schweizer Instituten zu kaufen. Auch Liechtenstein hat signalisiert, in Zukunft mit den deutschen Behörden besser kooperieren zu wollen. Ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Liechtenstein solle "bis Ende des Jahres unter Dach und Fach sein", hatte Liechtensteins Regierungschef Klaus Tschütscher erklärt.

chs



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insgesamt 207 Beiträge
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weltbetrachter 13.11.2010
1. Schuß geht nach hinten los !!!
Ruck zuck und das Geld ist weg !! Nicht wirklich, sondern nur dem Zugriff der deutschen Finanzverwaltung entzogen. Haben die schweizer Banken vielleicht Niederlassungen in Asien ???
Seifen 13.11.2010
2. Haupsache die Politiker bekommen das Geld nicht
in die Finger. Dann ist es nämlich wirklich weg.
mailverwertung 13.11.2010
3. Wer hat´s erfunden ?
Es sind dich nicht vorrangig die Schweizer, auch unsere lieben deutschen Banken haben doch Filialen in Singapore und Hongkong. Das Konto und Depot Angebot als Nummernkonto ist hier doch ein alter Hut. Daneben gibt es auch immer noch die Variante Offshore Company mit Offshore Bank. Netter Anbieter ist dieser hier: http://www.offshore-professional.com/de/
Pinon_Fijo 13.11.2010
4. Wieso Asien ?
Asien, wieso verfrachten die ihr Geld nach Asien ? Wäre mir viel zu unsicher... In den Ländern weiß man doch nie, was als nächstes passiert. Ruckzuck, ist das Geld beschlagnahmt oder verstaatlicht. Dann doch eher Lateinamerika, wobei realistischerweise nur Uruguay und Chile infrage kommen. In allen anderen Ländern gilt das für Asien bereits geschriebene... BTW: Ist es eigentlich möglich, von Deutschland aus eine Art Girokonto oder Sparkonto in Uruguay zu eröffnen und online zu führen ? Oder muß man dafür extra hinfliegen ? Kann man dort grundsätzlich als Ausländer ein Konto eröffnen oder nur, wenn man dort seinen ständigen Wohnsitz hat ?
der.letzte.dodo 13.11.2010
5. Man kann nicht alle Steueroasen auf einmal dicht machen
Das geht nur nach und nach! Besser wäre es natürlich, das chaotische deutsche Steuersystem so zu sanieren, dass die Steuerkraft dem deutschen Fiskus erhalten bleibt. Ansätze dazu gab es ja mal 2005, leider ist das alles von inkompetenten Politikern im damaligen Wahlkampf zersülzt worden. Meiner Ansicht nach sollten unsere Geheimdienste in diesen Dingen Aufklärung betreiben, schließlich geht der Schaden in die Milliarden.
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