Steuern sparen: So können Sie Ihr Arbeitszimmer absetzen

Wer daheim ein Arbeitszimmer hat, darf neuerdings auf eine Steuererstattung hoffen. Bisher durfte man die Kosten für den Raum nicht geltend machen - doch diese Regelung hat das Verfassungsgericht teilweise verworfen. Die Zeitschrift "Finanztest" verrät, was Sie jetzt tun müssen.

Heimarbeitsplatz: Bis 1250 Euro für jeden absetzbar, sofern er zu Hause arbeiten muss Zur Großansicht
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Heimarbeitsplatz: Bis 1250 Euro für jeden absetzbar, sofern er zu Hause arbeiten muss

Viele Steuerzahler haben es als ungerecht empfunden: Vor allem Lehrer, Außendienstmitarbeiter und Meisterschüler blieben seit 2007 auf den Kosten ihres heimischen Arbeitszimmers sitzen. Begründung: Wenn das Arbeitszimmer nicht Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ist, kann man seine Kosten auch nicht einkommensmindernd verrechnen.

Diese Regelung hat das Bundesverfassungsgericht nun teilweise verworfen. Es verlangt eine Neuregelung vom Bundesfinanzminister (BVerfG, Az. 2 BvL 13/09).

Für den Sieg sorgte ein Hauptschullehrer aus Westfalen. Er klagte gegen seinen Steuerbescheid beim Finanzgericht Münster, weil das Finanzamt in seiner Steuererklärung knapp 900 Euro für sein Arbeitszimmer nicht berücksichtigt hatte. Der Englisch-, Mathe- und Techniklehrer braucht das Arbeitszimmer, um täglich seinen Unterricht vorzubereiten - auch um Experimente auszuprobieren. Außerdem stehen dort seine rund 120 Fachbücher. Dass der Mann auf den Ausgaben allein sitzen bleiben soll, obwohl er für seine Unterrichtsvorbereitungen keinen anderen Arbeitsplatz hat, leuchtete den Finanzrichtern nicht ein. Sie legten den Fall den Verfassungsrichtern vor (Az. 1 K 2872/08 E).

Der Lehrer konnte sogar nachweisen, dass er gezwungen ist, daheim zu arbeiten. Alle seine Anträge auf einen Arbeitsplatz in der Schule hatte die Schulbehörde abgelehnt. Er habe darauf kein Anrecht, antwortete die Behörde. Dieses Schreiben überzeugte die Verfassungsrichter, dass der Lehrer auf das Arbeitszimmer zu Hause angewiesen ist.

Schon jetzt gelten Übergangsregeln

Nach der positiven Entscheidung der Verfassungsrichter muss eine Neuregelung erst noch Bundestag und Bundesrat passieren. Bis es so weit ist, gelten aber schon Übergangsregelungen. Diese gehen aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums hervor (IV A 3 - S 0338/07/10010-03):

  • Bis 1250 Euro nachgewiesene Kosten im Jahr kann jeder in seiner Steuererklärung abrechnen, sofern er tatsächlich zu Hause arbeiten muss und für diese Tätigkeit keinen anderen Arbeitsplatz hat.
  • Der Steuerbescheid bleibt in dem Punkt vorläufig. Das Finanzamt zahlt die Steuererstattung für das Arbeitszimmer aus.
  • Eine vorläufige Steuererstattung kann der Steuerzahler auch für seine offenen Steuerbescheide aus den vergangenen Jahren seit 2007 beim Finanzamt beantragen.
  • Sieht die Neuregelung einen geringeren Höchstbetrag vor, verlangt das Amt den zu viel erstatteten Betrag zurück und fordert auch 0,5 Prozent pro Monat Zinsen, wenn die Änderung lange auf sich warten lässt.

Die Zeitschrift "Finanztest" gibt Steuerzahlern einen einfachen Tipp: Man sollte mit einer Bestätigung von seinem Chef belegen, dass man bei ihm keinen Arbeitsplatz für die Tätigkeiten hat, die man zu Hause erledigt.

Keine Chancen hat hingegen, wer trotz eines Arbeitsplatzes beim Chef zu Hause arbeitet. Auch die Verfassungsrichter bestätigten, dass das Arbeitszimmer dann nichts in der Steuererklärung zu suchen hat.

Für viele Steuerzahler gibt es dennoch weiter Ärger. Dies gilt dann, wenn man seine Kosten fürs Arbeitszimmer unbegrenzt absetzen will. Sobald zur Heimarbeit auch noch Außendienst hinzukommt, spielt das Finanzamt nicht mit. Dagegen klagt eine Arbeitsmedizinerin, die daheim betriebsärztliche Empfehlungen erstellt. Ob dies der Mittelpunkt ihrer Tätigkeit ist, muss der Bundesfinanzhof beurteilen (Az. VIII R 8/10). Entscheidend ist, wo der inhaltliche Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt - im Arbeitszimmer oder im Außendienst. Verliert die Arbeitsmedizinerin den Prozess, kann sie nun zumindest wie die Lehrer bis zu 1250 Euro absetzen.

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dapd
Seit 2007 durften viele die Kosten für ihr Arbeitszimmer nicht mehr abrechnen. Jetzt verlangt das Bundesverfassungsgericht, dass der Gesetzgeber das wieder ändert.

Machtwort aus Karlsruhe: Der komplette Artikel als Download (PDF, 0,2 MB)
Tipps
Steuererklärung. Rechnen Sie die Kosten für das Arbeitszimmer daheim beim Finanzamt ab, wenn Sie für die Arbeit, die Sie dort erledigen, keinen anderen Arbeitsplatz haben. Bis der Gesetzgeber rückwirkend ab Januar 2007 eine Lösung gefunden hat, bleibt Ihr Steuerbescheid in dieser Frage offen. Das gilt auch für vorläufig ergangene Steuerbescheide aus vergangenen Jahren. Sobald es so weit ist, ändert das Finanzamt von sich aus Ihre Steuerbescheide.

Bedingungen. Sie dürfen Ihr Arbeitszimmer fast nur zum Arbeiten nutzen und müssen es dafür einrichten. Es muss separat sein, und die übrigen Zimmer müssen zum Wohnen ausreichen. Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer ist nicht anerkannt, erlaubt ist allerhöchstens ein Durchgang zum Schlafzimmer oder Balkon.

Kontrolle. Sie sollten damit rechnen, dass sich ein Prüfer vom Finanzamt zur Kontrolle anmeldet. Er begutachtet auch die Einrichtung. Gästebett, Fernseher oder Kühlschrank gefährden die Anerkennung.
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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Irreführung.
emma, 24.09.2010
"Wer daheim ein Arbeitszimmer hat, darf neuerdings auf eine Steuererstattung hoffen." Vielleicht hätte man dazu schreiben sollen, dass der Artikel nur für Lehrer und wenige andere interessant ist. Dann hätte man sich das Lesen dieses aufgeblähten Artikels sparen können.
2. Eindeutig
hepra 24.09.2010
Zitat von emma"Wer daheim ein Arbeitszimmer hat, darf neuerdings auf eine Steuererstattung hoffen." Vielleicht hätte man dazu schreiben sollen, dass der Artikel nur für Lehrer und wenige andere interessant ist. Dann hätte man sich das Lesen dieses aufgeblähten Artikels sparen können.
Wenn sie kein Arbeitszimmer zu Hause nutzen, hätten Sie sich das Lesen des Artikels ja von vornherein sparen können, denn dessen Titel war doch wohl eindeutig und klar verständlich. Im Übrigen sind es gar nicht so Wenige (und nicht nur Lehrer!!!), die ausschließlich zu Hause arbeiten. Ich lasse mich z. B. höchstens einmal in der Woche auf meiner Arbeitsstelle sehen. Die Kommunikation läuft über E-Mail und Skype, an Arbeitsbesprechungen nehme ich über eine Skype-Konferenzschaltung teil. Der Trend zu dieser Arbeitsweise ist, sofern dies möglich ist, ist stark zunehmend, denn sie spart dem Arbeitgeber Raum und dem Arbeitnehmer Zeit und Fahrgeld.
3. xxx
udo46, 24.09.2010
Zitat von hepraWenn sie kein Arbeitszimmer zu Hause nutzen, hätten Sie sich das Lesen des Artikels ja von vornherein sparen können, denn dessen Titel war doch wohl eindeutig und klar verständlich. Im Übrigen sind es gar nicht so Wenige (und nicht nur Lehrer!!!), die ausschließlich zu Hause arbeiten. Ich lasse mich z. B. höchstens einmal in der Woche auf meiner Arbeitsstelle sehen. Die Kommunikation läuft über E-Mail und Skype, an Arbeitsbesprechungen nehme ich über eine Skype-Konferenzschaltung teil. Der Trend zu dieser Arbeitsweise ist, sofern dies möglich ist, ist stark zunehmend, denn sie spart dem Arbeitgeber Raum und dem Arbeitnehmer Zeit und Fahrgeld.
Die Artikelüberschrift ist irreführend. Der Streit vor dem BVG ging einzig und allein um ein häusliches Arbeitszimmer bei denjenigen, denen kein Arbeitsplatz an ihrem Tätigkeitsort zur Verfügung steht, die also gezwungen sind, einen Teil ihrer Arbeit zu hause zu erledigen. Arbeitnehmer oder Selbständige, deren Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit das Arbeitszimmer ist, konnten auch schon vor dem BVG-Urteil die Kosten absetzen.
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