Steuern und Ausgaben Was Sie 2017 noch alles sparen können

Von dem Geld, das Sie 2017 verdient haben, ist nichts übrig? Doch. Es liegt beim Finanzamt - Sie müssen es nur dort abholen. Außerdem lässt sich mit wenigen Tricks noch eine Menge sparen.

Brautpaar vorm Standesamt
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Brautpaar vorm Standesamt

Eine Kolumne von


Meinungsforscher wollen herausgefunden haben, dass fast ein Fünftel der Menschen hierzulande die Ausgaben für ihre Weihnachtseinkäufe aus dem Dispo bestreitet, noch einmal ein Sechstel schließt das nicht aus. Das ist - mit Verlaub - eine Schnapsidee.

Und damit es gar nicht erst so weit kommt oder mindestens im kommenden Jahr nicht mehr so weit kommt, hier das

Last-minute-Update 2017 für Ihre Haushaltskasse.

1. Strom und Gas: Wechseln Sie teure Verträge sofort, das geht auch zwischen den Jahren. Für Ihren Stromvertrag oder Gasvertrag brauchen Sie nicht einmal eine halbe Stunde. Und der neue hat verbraucherfreundliche Bedingungen. 400 Euro sind pro Vertrag im Jahr drin. Und die Ersparnis im ersten Monat bezahlt schon den Weihnachtsbraten.

2. Telefon: Ein neuer Telefonvertrag kann weitere Einsparungen bringen. Seit Dezember muss auf Ihrer Telefonrechnung explizit stehen, wie lange Ihr Vertrag noch läuft und ab wann Sie ihn kündigen können. Ist er zu teuer, muss er weg!

3. Kindergeld: Sie sind neu in Deutschland und haben Kinder? Egal ob aus den USA zurückgekehrt oder aus Rumänien eingewandert, wenn Sie das Kindergeld noch bis zum Jahresende beantragen, gibt es rückwirkend für bis zu 48 Monate Kindergeld, ab Januar nur noch für höchstens sechs.

4. Steuerklasse: Sie freuen sich auf ein Kind im kommenden Jahr? Die werdende Mutter sollte mindestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes (oder der Vater sieben Monate vor der Geburt) die Steuerklasse ändern. Denn dann gibt es nicht nur ein höheres monatliches Nettogehalt, sondern - weil das die Grundlage zur Berechnung ist - auch mehr Elterngeld.

5. Arbeitslosengeld: Wenn Ihr Arbeitsplatz womöglich auf der Kippe steht, gilt dieselbe Empfehlung: Das Arbeitslosengeld hängt vom vorherigen monatlichen Netto ab. Also optimieren Sie Ihr Netto, solange Sie mit Ihrem Ehepartner die Wahl haben.

6. Steuererstattung: Sie haben in den vergangenen Jahren gar keine Steuererklärung abgegeben, weil Sie nicht mussten: Dann überschlagen Sie noch mal grob Ihre Einnahmen und Ausgaben. Rechnen Sie mit einer Erstattung, dann sollten Sie handeln. Bis zum 31. Dezember können Sie theoretisch sogar noch die Steuererklärung für 2013 abgeben. Sie bekommen dann nicht nur Ihre Steuern zurückerstattet, die Sie zu viel gezahlt hatten. Der Staat zahlt korrekterweise auch noch sechs Prozent Zinsen auf das Geld, das er Ihnen schon so lange schuldet.

7. Sparzulage: Sie bekommen nicht das grandiose Gehalt in Ihrem Job? Dann holen Sie sich wenigstens ein wenig Zulage vom Staat. Sie sollten unbedingt bis Silvester noch die Arbeitnehmersparzulage für Ihre vermögenswirksamen Leistungen stellen. Auch das geht in diesem Jahr noch rückwirkend bis 2013.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Jetzt kommen die Tipps, die für die Haushaltskasse vor allem dann schnell Geld bringen, wenn Sie recht zügig im neuen Jahr Ihre Steuererklärung für 2017 machen. In jedem Fall bekommen Sie das Geld mit schnellem Handeln aber ein Jahr früher und nicht erst mit der Steuererklärung im Jahr 2019.

Tipps, die 2018 schnell Geld bringen:

1. Rechnungen noch 2017 begleichen: Zahlen Sie Rechnungen noch, die Ihnen für 2017 deutliche Steuerersparnisse bringen. Also zum Beispiel Handwerkerrechnungen bis zu 6000 Euro für Lohn- und Fahrtkosten oder Rechnungen für haushaltsnahe Dienstleistungen bis zu 20.000 Euro für die Arbeitskosten.

2. Außergewöhnliche Belastungen: Das Gleiche gilt für Zahnarztrechnungen oder andere Krankheitskosten, wenn sie schon so hoch sind, dass sie Ihre individuelle Belastungsgrenze bei den außergewöhnlichen Belastungen übersteigen. Die liegt je nach Einkommen und Familienstand bei ein bis sieben Prozent Ihrer Gesamteinkünfte. Je weniger Einkommen und je mehr Kinder, desto niedriger die Belastungsgrenze. Einen Rechner der Finanzverwaltung für die eigene Grenze finden Sie hier.

3. Ruhestand: Falls Sie 2018 in den Ruhestand gehen, dann zahlen Sie in diesem Jahr noch möglichst viele Rechnungen, die Sie bei der Steuer noch für 2017 geltend machen können. Als Rentner oder Pensionär wird Ihr Einkommen wahrscheinlich geringer sein, Ihr Steuersatz niedriger, falls Sie überhaupt Steuern zahlen müssen. Kurz: Sie bekommen für Zahlungen in diesem Jahr mehr Geld vom Finanzamt zurück.

4. Spenden: Zu guter Letzt können Sie bis zum Jahresende noch Spenden-Euro ausgeben, um Ihr Geld und das von Vater Staat dorthin zu lenken, wo es besonders gebraucht wird. Das Finanzamt beteiligt sich sehr ordentlich an dieser Krötenwanderung. Für Spenden bis zu 200 Euro brauchen Sie nur einen Einzahlungsbeleg. Für höhere Spenden zwar eine Spendenbescheinigung, aber auch die müssen Sie nur aufheben und nicht einmal beim Finanzamt einreichen. Sogar Sachleistungen wie Fahrten für die Kinder im Fußballverein oder für Flüchtlinge können Sie bei der Steuer angeben. Und der Staat beteiligt sich in der Höhe Ihres jeweiligen Grenzsteuersatzes.

Ein romantischer Steuerspartipp sei hier nur noch am Rande erwähnt, für den ist es wirklich schon etwas spät geworden. Denn standesamtlich zu heiraten, schaffen Sie vermutlich bis zum Jahresende nicht mehr. Sie brauchen zwar heutzutage kein Aufgebot mehr und können an jedem Standesamt der Republik heiraten. Die Heirat ist trotzdem nur bedingt etwas für Schnellentschlossene, die das Ehegattensplitting für das ganze Jahr 2017 noch mitnehmen wollen. Sie müssen sich nämlich am Heimatstandesamt mitsamt aller notwendigen Papiere im Original anmelden. Und Termine gibt es bei den meisten Standesämtern keine mehr. Und wenn es um den Bund fürs Leben geht, zählen schließlich noch andere Aspekte als nur Möglichkeiten zur Optimierung der Steuerlast.

Frohe Weihnachten!



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
der_holzhäuser, 23.12.2017
1. Tolle Tips
Da kann ich auch Werbung von Dreck24 gucken und hab genauso viel gespart. Nein, ich bin nicht neu in Deutschland, wir erwarten kein Kind mehr, haben bereits alle Anbieter gewechselt, machen jedes Jahr die Steuererklärung und stehen sicher in Lohn und Brot, Krankenkasse ist ebenfalls gewechselt. Wo kann ich bitte Geld sparen?
Spiegelleserin57 23.12.2017
2. naja...
wer die nächste zeit viel Ärger haben möchte wechsele den Telefonanbieter. Ich habe viele Turbulenzen beim Wechsel erleben dürfen und hatte eine Zeit lang weder Telefon noch Internet. Die Bundesnetzagentur musste ich anrufen um wenigsten den Wechsel beschleunigen zu können. Nicht unbedingt empfehlenswert. Spenden...dafür muss man erst mal Geld übrig haben. Wer sich etwas in Sachen Steuern auskennt braucht diese Vorschläge gar nicht. Außerdem kommen diese Vorschläge auch leider zu spät im Jahr.
monolithos 23.12.2017
3.
Zitat von der_holzhäuserDa kann ich auch Werbung von Dreck24 gucken und hab genauso viel gespart. Nein, ich bin nicht neu in Deutschland, wir erwarten kein Kind mehr, haben bereits alle Anbieter gewechselt, machen jedes Jahr die Steuererklärung und stehen sicher in Lohn und Brot, Krankenkasse ist ebenfalls gewechselt. Wo kann ich bitte Geld sparen?
Wasser beim Zähneputzen nicht laufen lassen! Das ist bestimmt der nächste ultimative Tenhagen-Tip, wie man Hunderte von Euro sparen kann. Außerdem könnte ich Ihnen noch empfehlen: auf Restaurantbesuche verzichten und zu Hause FDH, die Raumtemperatur um 10°C absenken und das Auto, sofern vorhanden, öfter mal schieben.
spmc-12355639674612 23.12.2017
4. Was für ein Glück,
dass sogar Herr Tenhagen gesehen hat, dass es zum Heiraten beim Erscheinen dieser Kolumne schon etwas spät ist - oder etwa nicht? Geht es vielleicht noch in Las Vegas oder Dänemark? Ach so, ich bin ja schon verheiratet ... Wie wäre es, die Steuerspartipps im nächsten Jahr 2-3 Wochen früher zu bringen?
kuestenvogel 23.12.2017
5. Das sollte bekannt sein
Zitat von Spiegelleserin57wer die nächste zeit viel Ärger haben möchte wechsele den Telefonanbieter. Ich habe viele Turbulenzen beim Wechsel erleben dürfen und hatte eine Zeit lang weder Telefon noch Internet. Die Bundesnetzagentur musste ich anrufen um wenigsten den Wechsel beschleunigen zu können. Nicht unbedingt empfehlenswert. Spenden...dafür muss man erst mal Geld übrig haben. Wer sich etwas in Sachen Steuern auskennt braucht diese Vorschläge gar nicht. Außerdem kommen diese Vorschläge auch leider zu spät im Jahr.
Vielleicht mag das bei Mobilfunk Sinn machen. Bei Festnetz + Lanverbindung kann ich auch nicht verstehen, dass zu einem Wechsel geraten wird. Wenn man einen zuverlässigen Anbieter hat, der leistet, was man bezahlt, kann ich niemanden raten zu wechseln.
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