Jahreswechsel Wann Sie das meiste Geld beim Finanzamt sparen

Manche Ausgaben bringen die größte Steuerersparnis, wenn sie noch im alten Jahr bezahlt werden - andere Überweisungen verschieben Sie besser in den Januar. Aber welche? Timing ist alles.

Eine Kolumne von


Unaufhaltsam nähert sich das Jahresende. Und damit auch der Stichtag, an dem so manche Chance zum Steuersparen unwiederbringlich dahin ist. Nutzen Sie die nächsten Wochen. Sonst wird die Zeit zu knapp, um Ihre Sparideen umzusetzen.

Im Steuerrecht wird viel mit Pauschalen, Schwellenwerten und Höchstsätzen gearbeitet. Je nach Kostenart lohnt es sich daher, Ausgaben vorzuziehen, oder bis ins kommende Jahr aufzuschieben. Außerdem gibt es für einige staatliche Zulagen und wichtige Anträge Fristen, die jeweils zum Jahresende ablaufen. Und manchmal kann es sich lohnen, an der Steuerklasse zu drehen.

Fangen wir mit den Fristen an:

  • Noch bis Silvester können Sie eine freiwillige Steuererklärung für 2014 abgeben, wenn Sie das nicht längst getan haben. Sie tun das natürlich nur, wenn Sie Geld vom Finanzamt zurückerwarten. In dem Fall aber gibt es auf die Rückzahlung sogar Zinsen vom Finanzamt. Satte 6 Prozent pro Jahr. So viel bringt keine sichere Geldanlage.
  • Auch die Arbeitnehmersparzulage für vermögenswirksame Leistungen (VL) kann noch rückwirkend für 2014 beantragt werden. Die Wohnungsbauprämie für Bausparverträge noch für 2016. Bei der Sparzulage gibt es maximal 80 Euro für Fondssparer und 43 Euro für Bausparer. Bei der Wohnungsbauprämie sind pro Person maximal 45 Euro für jedes Jahr drin.
  • Heiraten Sie noch vor Silvester, wenn es den passenden Menschen dazu gibt. Sollten Sie beide sehr unterschiedlich verdienen, sinkt die Steuerlast erheblich - dank des Ehegattensplittings. Und zwar rückwirkend für das ganze Jahr 2018.

Damit kommen wir zur Steuerklasse und zur vorzeitigen Erstattung von Lohnsteuern:

  • Hatten Sie in diesem Jahr bereits höhere Ausgaben, die sich steuerlich absetzen lassen, können Sie beim Finanzamt noch bis zum 30. November einen Freibetrag für 2018 beantragen. Dann wird der komplette Jahresfreibetrag auf das Dezember-Gehalt gerechnet und Sie haben netto deutlich mehr. Sonst bekämen Sie dieses Geld erst mit dem Steuerbescheid für 2018. Übrigens: Sie können im "Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung" mit einem Kreuz gleich den Freibetrag fürs Jahr 2019 mitbeantragen. Dann bekommen Sie im kommenden Jahr von Anfang an jeden Monat etwas mehr Geld ausgezahlt.
  • Falls Sie zu zweit Ihre Steuern erklären, dann sollten Sie überlegen, ob einer von Ihnen im kommenden Jahr in Elternzeit geht oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist. Falls ja, dann ändern Sie die Steuerklasse zum Vorteil des Partners, dem das passiert. Das erhöht zunächst dessen aktuelles Netto. Vor allem aber erhöht es in der Folge Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld oder Elterngeld. Sie müssen hierfür aber bestimmte Fristen einhalten.
Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Damit wären wir beim letzten Punkt, der cleveren Planung Ihrer Ausgaben um den Jahreswechsel herum. Fangen wir an mit Auftragsarbeiten im Haushalt:

  • Prüfen Sie mit einer Checkliste große anstehende Ausgaben. Handwerker- oder Zahnarztrechnungen zum Beispiel. Bei Handwerkerrechnungen gilt grundsätzlich: Bis 6000 Euro an Arbeits- und Fahrtkosten können Sie jedes Jahr steuerlich absetzen. Soll das Bad also neu gefliest werden und die Arbeitskosten liegen darunter, tun Sie's jetzt noch. Dann bekommen Sie 20 Prozent der Arbeits- und Fahrtkosten als Steuererstattung vom Finanzamt zurück. Liegen die Arbeitskosten höher, zahlen Sie in diesem Jahr 6000 Euro und den Rest erst im Januar.
  • Rechnungen für haushaltsnahe Dienstleistungen bis 20.000 Euro können Sie noch in diesem Jahr von der Steuer absetzen. Das gilt für die Rechnungen des Putzmanns oder des Kinderbetreuers. Und auch für die Kosten des nachbarschaftlichen Schneeschippens im Dezember oder des adventlichen Senioren-Kaffeekränzchens in Ihrem Haushalt, das die Teenager aus der Nachbarschaft für Sie organisieren. Wichtig ist: Die Arbeitenden müssen eine Rechnung schreiben und Sie als Steuerzahler müssen das Geld überweisen. Jeder Euro zählt.

Bei den außergewöhnlichen Belastungen funktioniert das Spiel genau andersherum: Denn Steuern sparen Sie nur, wenn Sie in diesem Jahr viel Geld ausgeben, eine bestimmte Schwelle überschreiten, die sogenannte zumutbare Belastung. Je nach Familienstand und Einkommen sind das 1 bis 7 Prozent Ihrer jährlichen Bruttoeinkünfte.

Folgende Ausgaben gehören dazu:

  • Kosten für Zahnersatz und andere teure Zahnarztleistungen,
  • aber auch Kosten für die Brille,
  • für Krankengymnastik
  • oder eine Kur.

Wenn Sie in diesem Jahr schon ein paar von solche Ausgaben hatten, kaufen Sie die Brille jetzt und bezahlen Sie den Zahnarzt noch bis zum Jahresende. Falls nicht, ist es klüger, die Rechnungen erst 2019 zu bezahlen und zu hoffen, dass Sie dann über die Grenze kommen. Mit einem Rechner des Finanzamts können Sie Ihre individuelle zumutbare Belastung selbst berechnen.

Auch bei Ihren Aufwendungen für Ihren Beruf, den sogenannten Werbungskosten, müssen Sie als Arbeitnehmer erst über eine Schwelle kommen: 1000 Euro pro Jahr werden vom Finanzamt ohnehin pauschal als Werbungskosten anerkannt. Wenn Sie einen längeren Weg zur Arbeit haben (ab 15 Kilometer), ist die Summe schon voll. Ansonsten lohnt es sich, Ausgaben zu schieben oder vorzuziehen.

  • Zu diesen Kosten gehören Ihre Arbeitsmittel: Seit diesem Jahr können Sie Geräte für den Beruf bis zu Gesamtkosten von 952 Euro brutto auf einen Schlag von der Steuer absetzen, das Finanzamt spricht von geringwertigen Wirtschaftsgütern. Damit können Sie je nach Steuersatz 15 bis über 40 Prozent der Ausgaben für Computer, Drucker, Smartphone oder einen höhenverstellbaren Schreibtisch zurückholen. Absetzbar ist auch die Neueinrichtung des häuslichen Arbeitszimmers.
  • Wenn Sie den Arbeitnehmer-Pauschalbetrag einmal überschreiten, dann zählt jeder weitere Euro an beruflichen Ausgaben: Egal ob Computer, Fortbildung, Fachbücher oder bloß eine Briefmarke.

Wie Sie übriggebliebenes Geld sinnvoll in die eigene Altersvorsorge oder Ihre Baufinanzierung stecken, erkläre ich Ihnen im Dezember.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Lemmingeforscher 24.11.2018
1. Wann Sie das meiste Geld beim Finanzamt sparen
Melden Sie sich einfach für mindestens 190 Tage in europäischen Ausland an oder noch besser in Montenegro. Dann bezahlen sie gar keine Steuern und das völlig egal. Jeder Euro der Anders Finanzamt geht ist ein schlechter Euro Weile auf 60-70 % entwertet wird durch Vollpfosten die beispielsweise versuchen in der Nähe von Berlin einen Flughafen zu bauen. Ich kenne einige Leute aus der IT-Branche die das mit großem Erfolg machen und sich stützen den Staat: Jeder Euro der in Deutschland direkt ausgegeben wird ist 100 % einen Euro wert. Nachdem Finanzamt Filter nur noch 0,30 €. Sie ist sinnlos ist verbrennen von Geld in schwarz Buch der Steuerzahler. Ja tatsächlich hat der Gesetzgeber auf viele kleine Bürger durch auf legale Möglichkeit geschaffen, sich von diesen ganzen Irrsinn zu verabschieden. Im übrigen kann man sich in Montenegro eine in Europa gültige Krankenversicherung erster Güte billig beschaffen und war nicht in Deutschland plötzlich der Kaste von privatversichernden zuzurechnen.
Andreas1979 24.11.2018
2. Das mache ich auch.
Dachbauarbeiten 6000 Euro Handwerkerkosten 2018 Innenausbau Handwerkosten 2019 4000 Euro. Denn jedes Jahr dürfen nur 6000 Euro Handwerkosten abgesetzt werden im Privatbereich.
Rossi-LSD 24.11.2018
3. Handwerker Ende November noch beauftragen?
Der Hinweis mit den Handwerkerleistungen ist theoretisch richtig, jedoch bei der aktuellen Bauphase vollkommen ungeeignet. Wer jetzt noch sein Bad sanieren will, kann sich glücklich schätzen, wenn dies bis Ostern 2019 fertig ist. Die außergewöhnlichen Belastungen sind mit den Schwellenwerten auch ein schlechter Scherz, die ich noch nie ansätzen konnte. Selbst im Bekanntenkreis konnte davon noch nie jemand profitieren. Da muss schon was sehr außergewöhnliches geschehen, damit da was angesetzt werden kann.
janfred 24.11.2018
4. #1 Lemmingforscher
Sie sind oberschlau und alle Steuerzahler sind dumm. Und die 190 Tage duerfen sie dann de facto nicht in Deutschland verbringen. Also sind sie entweder Rentner oder Selbstständig oder ein Betrùger. Alles in allem sind sie jedenfalls Egoist. Wenn alle so denken wùrden hätten wir nicht unser Bildungssystem und unser immer noch gutes Sozialsystem. Wem wollen sie also mit dem smarten statement imponieren?
thequickeningishappening 24.11.2018
5. Auswandern
Nich für 190 Tage nach Lux oder Monaco. Man schaue sich Das Netto in klassischen Migrationslaendern wie USA, Canada und Australien an !
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