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Schattenfinanzindex: Aktivisten erklären USA zur Steueroase

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Weltweit kämpfen die USA für mehr Steuertransparenz - doch zu Hause nehmen es die Amerikaner offensichtlich selbst nicht so genau. In einem neuen Ranking der wichtigsten Schattenfinanzplätze kommt das Land auf Platz drei.

US-Präsident Obama: Schädliche und unverantwortliche Geheimhaltung? Zur Großansicht
REUTERS

US-Präsident Obama: Schädliche und unverantwortliche Geheimhaltung?

Die Vereinigten Staaten haben sich zuletzt als Kämpfer gegen Steuerflucht geriert. Mit unerbittlicher Härte gingen sie gegen Schweizer Banken vor, die mutmaßliche US-Steuersünder in ihrem Kundenkreis hatten. Doch nun zeigt sich, dass die USA bei ihrem Kampf gegen Geldwäscher, Steuersünder und Finanzverbrecher offensichtlich mit zweierlei Maß messen.

Laut einer Analyse des Tax Justice Network (TJN) gehen die Vereinigten Staaten zwar gegen Steueroasen im Ausland vor, fungieren aber ihrerseits als Steueroase für Ausländer. Diese "Doppelmoral muss angegangen werden", fordert die Nichtregierungsorganisation, die sich für mehr Transparenz auf den internationalen Finanzmärkten einsetzt.

Die sehr umfassende TJN-Analyse hat einen bedeutungsschwangeren Titel: Schattenfinanzindex. Die Organisation untersucht bereits zum vierten Mal die Finanzsektoren von gut hundert Ländern. Anhand von 15 Kriterien bewerten die Experten die Transparenz eines Standorts. Zusätzlich vermessen sie sein globales Gewicht. Aus diesen beiden Faktoren ergibt sich dann das Ranking.

Schattenfinanzindex 2015: Das sind die zehn schlimmsten Steueroasen
Rang 2015 (Rang 2013) Land
1 (1) Schweiz
2 (3) Hong Kong
3 (6) USA
4 (5) Singapur
5 (4) Kaimaninseln
6 (2) Luxemburg
7 (7) Libanon
8 (8) Deutschland
9 (13) Bahrain
10 (16) Dubai
Quelle: Tax Justice Network
Die USA sind in dieser Negativ-Rangliste deutlich aufgestiegen. Bei der vergangenen Auswertung belegten sie noch Platz sechs, nun schon Platz drei. Die Autoren der Studie führen dafür eine ganze Reihe von Gründen an:

  • Die US-Regierung gewähre Ausländern noch immer eine Reihe von Steuererleichterungen und Geheimhaltungsgarantien, heißt es in der Analyse. Manche davon stammten noch aus der Zeit des Vietnamkriegs, in der sich die US-Regierung besonders mühte, das Kapital reicher Ausländer ins Land zu locken, um die steigenden Kriegskosten zu finanzieren.
  • Während immer mehr Länder einen gegenseitigen Austausch von Finanz- und Steuerdaten vereinbarten, seien die USA nicht in der Lage, solche Informationen vollständig zu liefern - schon allein deshalb, weil US-Banken manche der international üblichen Angaben laut Gesetz gar nicht erheben müssen.
  • Auf der Ebene der US-Bundesstaaten geht es laut TJN teils noch klandestiner zu: In Delaware oder Nevada etwa gebe es eine große Toleranz für anonyme Tarnfirmen.

"Die Vereinigten Staaten haben der globalen Schattenfinanzindustrie durch die erzwungene Öffnung solcher Festungen wie der Schweiz einen verheerenden Schlag zugefügt", sagt TJN-Chef John Christensen. "Aber nach den Bemühungen, sich selbst zu schützen, scheitern die USA daran, Informationen in die andere Richtung zu liefern."

Aus Christensens Sicht ist das umso verheerender, da sich die Lage in vielen anderen Ländern gerade bessert:

  • So hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein System eingeführt, mit dem Länder automatisch Daten austauschen können, die dem Kampf gegen Steuerhinterziehung dienen.
  • Die EU hat begonnen, das System Briefkastenfirmen aufzubrechen, indem Zentralregister über deren wirtschaftlich Berechtigte eingeführt werden.
  • Auch verlangt Brüssel nun von einigen multinationalen Konzernen länderspezifische Finanzdaten.

Das alles bietet Chancen für mehr Steuergerechtigkeit. An anderer Stelle indes lauern laut Schattenfinanzindex noch immer Gefahren: Steuertrickser haben demnach weiter viele Möglichkeiten, sich hinter Treuhändern zu verstecken. Außerhalb der EU sind zudem Briefkastenfirmen alles andere als tot: Ein beliebter Standort sei Dubai, schreiben die Experten. Ein weiterer: Nevada, USA.

Auch Deutschland kommt im Schattenfinanzindex alles andere als gut weg. Die Bundesrepublik belegt in dem Negativ-Ranking Platz acht. Sie sei ein "sicherer Hafen für die gestohlenen Reichtümer von Diktatoren, Steuerfluchtgelder und Mafiavermögen aus aller Welt", heißt es in der Analyse.

So zeige sich die Bundesrepublik etwa äußert nachlässig bei der Durchsetzung von Regeln zur Geldwäschebekämpfung und beteilige sich nicht ausreichend am Austausch von steuerrelevanten Daten mit anderen Ländern. Ausländische Vermögenswerte würden in Deutschland teils über komplizierte Strukturen geheim gehalten, die sich über Schattenfinanzzentren wie die Kaimaninseln und die Schweiz erstrecken.

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1. hey, westliche Werte....
conny1969 02.11.2015
so sehen sie aus. Verlogener geht es kaum. Sind ja alles keine Geheimnisse oder Neuendeckungen. Aber es immer leichter mit dem Finger auf andere zu zeigen.
2. Doppelmoral
behemoth1 02.11.2015
Bevor wir uns nun wieder über die USA herfallen, sollten wir daran denken, dass doch alle nur eine Doppelmoral haben und alles nutzten was ihnen und ihren Freunden zum Vorteil sein könnte. Immer diejenigen, die am meisten mit der Moral vorne weglaufen, haben Leichen im Keller zu liegen. Wir erinnern und noch an die Spitzelaffären, unter Freunden macht man das nicht, aber auch wir spitzeln alle aus und auch unsere Geheimdienste sind nicht nur zur Verbrechensbekämpfung aktiv,also sollten wir mal in unseren eigenen Mist umherwühlen.
3. nicht umsonst sind die meisten
auf_dem_Holzweg? 02.11.2015
Wie sieht es in einem Großunternehmen in den USA aus? + keine Steuern oder besser riesengrosse Schlupflöcher + keine Abgaben für Gesundheitssystem oder Renten der Arbeiter + keine oder sehr geringe Sozialabgaben - immense Summen werden für die Rechtsabteilung ausgegeben um Schadensersatzforderungen in Grenzen zu halten
4. Zeitgeist fuehren: So. oder so: Versorgungsamt
hadykhalil@web.de 02.11.2015
Hab ich eigentlich eine Stasiakte? Koennte ja sein. Ich habe in Marburg Politikwissenschaften, Soziologie und Paedagogik studiert. Eigentlich wollte ich nach Berlin. Meine Eltern wollten das nicht. Steht das auch in der Akte? Hat mich nie interessiert. Was koennten die von mir wollen? Vielleicht war mein Interesse bisher von einem anderem, wichtigerem Interesse verdeckt. Das koennte sein. Meine Stasiakte beim Versorgungsamt wuerde mich viel mehr interessieren. Gibt es keine Rechtsmittel meine Akte einzusehen? Im Moment als obdachloser Hartz 4 Empfaenger sowieso nicht. Wenn ich.Schluesselmacher waere.....Pilot waere?, oder....Journalist waere. Duerfte ich darueber schreiben, wie... das Versorgungsamt mich mit Gesundheit und Wohnung versorgt...
5. Platz 8
lionffm 02.11.2015
komm da geht noch was... Mindestens top Drei sollte doch drin sein! Los los ihr tollen Politiker anstrengen dann wird das bald was. Vor allem müssen wir den Ländern die vor uns sind mit politischem Druck helfen, uns vorbei zu lassen. Wenn das nicht hilft: Sanktionen helfen bestimmt! Also mal ein wenig kreativ sein... Zur Not einfach bei unseren Nachbarn oder unseren besten Freunden mal ein paar Tipps holen. Es ist beschämend!!!
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