Stiftung Warentest: Online-Banken beraten deutlich besser als Filialen

Wer einen Kredit beantragen möchte, wird bei vielen Finanzinstituten schlecht beraten. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest. Das Ergebnis bei Filialbanken sei eine Katastrophe. Fast durchgehend sehr gut schnitten dagegen Online-Angebote ab.

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Corbis

Kreditberatung bei Banken: Viele Angebote sind schlecht

Berlin - Viele Banken in Deutschland beraten ihre Kunden nach Einschätzung der Stiftung Warentest ausgesprochen schlecht. Besonders negativ schnitten in einer Untersuchung der Zeitschrift "Finanztest" Filialbanken ab. Zehn von zwölf erhielten für ihre Kreditangebote das Urteil "mangelhaft". Vier von fünf Internetbanken bekamen hingegen die Note "sehr gut".

Das Ergebnis ist nach Angaben der Tester "niederschmetternd". Keine der in der getesteten Filialbanken sei bei den Beratungsgesprächen den Anforderungen gerecht geworden. Zwei Institute wurden mit "ausreichend" bewertet: die Commerzbank und die Berliner Sparkasse.

Bei Kreditangeboten der Filialbanken fehlten demnach oft die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen, die dem Kunden einen Vergleich verschiedener Angebote ermöglichen sollen. Stattdessen seien Tester im Einzelfall mit dem Hinweis abgefertigt worden, die neue Software könne die Angebote leider nicht ausdrucken oder die Ausdrucke seien gar verboten.

Kreditangebote
Anbieter Qualitätsurteil (gesamt) Allgemeine Begleitumstände (5%) Erfassung der Kunden situation (35%) Kreditangebot (60%) Schufa-Anfragen mit falschem Merkmal (Anzahl) (0 %) Schufa-Anfragen ohne Kenntnis des Kunden (Anzahl) (0 %)
Direktbanken
netbank 0,9 1,5 0,5 1,1 0 0
SWK Bank 1,0 3,2 1,4 0,5 0 0
DKB 1,3 3,9 2,3 0,5 0 0
SKG Bank 1,4 4,5 2,3 0,5 0 0
ING-Biba 4,0 0,5 3,0 1,6 4* 0
Filialbanken
Commerzbank 3,6 2,9 2,9 4,0 0 0
Berliner Sparkasse 4,3 2,7 4,5 4,3 0 0
Postbank 4,6 2,3 3,4 5,5 0 0
Berliner Bank 4,8 3,0 4,4 5,3 0 0
BBBank 4,9 3,4 4,0 5,5 0 0
Santander Bank 4,9 1,6 3,6 3,5 3* 0
Hypovereinsbank 5,0 1,6 4,5 5,5 0 0
Targobank 5,0 3,1 4,2 5,5 0 0
Berliner Volksbank 5,3 2,1 3,9 5,5 1* 0
Deutsche Bank 5,5 0,5 4,4 5,5 0 2*
Santander Consumer Bank 5,5 2,9 4,7 5,5 2* 0
Sparda-Bank Berlin 5,5 2,8 3,4 5,5 2* 0
Bewertungen: Sehr gut (0,5–1,5). Gut (1,6–2,5). Befriedigend (2,6–3,5). Ausreichend (3,6–4,5). Mangelhaft (4,6–5,5).

1) Kreditbetrag 5.000 Euro statt 4.000 Euro wie im Modell.
2) Standardinformation ausgehändigt, aber nicht individuell ausgefüllt.
*) Führt zur Abwertung

In einigen Fällen beschädigten Bankberater laut Stiftung Warentest sogar die Kreditwürdigkeit der Kunden durch falsche Anfragen bei der Schufa. Dies sei geschehen, weil die Berater statt des korrekten Anfragemerkmals "Kreditkonditionen" die Anfrage unter dem Stichwort "Kredit" in den PC eingegeben hätten. In der Schufa-Datenbank lese sich dies später so, als sei dem Kunden ein Kredit wegen fehlender Bonität nicht gewährt worden. Als Folge davon wird es für den Betroffenen entweder deutlich teurer, Geld zu leihen oder er erhält gar kein Kreditangebot mehr.

Solche Mängel fanden die Tester unter anderem bei der Direktbank ING Diba, die deshalb als einzige Online-Bank im Test nur mit "ausreichend" abschnitt. "Wir sind von dem schlechten Ergebnis überrascht", sagte ein Sprecher des Instituts am Dienstag. "Unsere Prozesse sind klar strukturiert. Wir werden kurzfristig prüfen, wo es gehakt hat und den Fehler beseitigen."

"Die Banken nehmen die Kunden nicht ernst"

Einige Banken im Test beharrten darüber hinaus auf dem Abschluss einer Restschuldversicherung, die bei der geringen Kreditsumme laut "Finanztest" allerdings verzichtbar ist. Durch eine solche Versicherung habe sich zum Beispiel in einem Fall der Zins von 9,99 Prozent auf satte 19,33 Prozent erhöht.

Ein Lichtblick sind laut Stiftung Warentest dagegen die Direktbanken: Vier von fünf getesteten Instituten schnitten "sehr gut" ab. Eines war "ausreichend". Die Direktbanken ohne Filialen erzielten demnach so gute Resultate, weil ihre Kreditangebote standardisiert erstellt werden. Der Kunde bekommt nur dann eine Offerte, wenn er online die nötigen Fragen zur seiner Person und zu seinen Finanzen beantwortet.

Bei den zwölf Filialbanken führten 23 kreditwürdige Männer und Frauen jeweils fünf Gespräche. Sie zeigten Interesse an einem Kredit über 4000 Euro. Die Warentester prüften unter anderem, ob der Kunde ein individuelles Angebot erhielt. Wichtige Angaben wie der effektive Zinssatz, der Gesamtkreditbetrag und die Höhe der monatlichen Raten sollten enthalten sein.

Jede Bank ist verpflichtet, dem Kunden ein Formblatt - die Europäische Standardinformation für Verbraucherkredite - mit den exakten Kosten seines Kredits auszuhändigen. Die Banken hätten dieses Instrument aber nicht genutzt und damit gegen das Gesetz verstoßen, beklagte die Stiftung Warentest.

Weil sie die Untersuchung zunächst auf überregionale und Berliner Kreditinstitute beschränkt hatten, überprüften die Tester das schlechte Ergebnis nochmals bei 14 regionalen Banken und Sparkassen. Auch dort wurde die EU-Standardinformation meist nicht verwendet.

"Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen bezeichnete das Testergebnis als Katastrophe. So hätten Filialbanken in vielen Fällen nicht nur Gesetze missachtet, unnötig Zinsen hochgeschraubt und die Kreditwürdigkeit von Kunden geschädigt. Die Banken hätten auch dokumentiert, "dass sie die Information ihrer Kunden nicht ernst nehmen".

Dies aber sei ein wesentlicher Eckpfeiler des Verbraucherschutzes auf den Finanzmärkten, sagte Tenhagen. Er warf den Banken vor, die politischen Bemühungen, durch mehr und bessere Informationen das Vertrauen der Kunden in das Finanzsystem wieder herzustellen, zu untergraben.

stk/dpa/AFP

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insgesamt 9 Beiträge
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    Seite 1    
1. Vielleicht ist es eher so...
sappelkopp 15.05.2012
Zitat von sysopWer einen Kredit beantragen möchte, wird bei vielen Finanzinstituten schlecht beraten. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest. Das Ergebnis bei Filialbanken sei eine "Katastrophe". Fast durchgehend sehr gut schnitten dagegen Onlineangebote ab. Stiftung Warentest: Banken beraten bei Anfragen für Kredite schlecht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,833278,00.html)
...dass der Onlinekunde eher geneigt ist, sich selbständig zu informieren uns sich dann "besser beraten" fühlt, als der Filialkunde. Ich würde das Ergebnis der Stiftung Warentest mit Vorsicht genießen. Es liegt auch immer ein bisschen am Kunden, ob er informiert wird und wie.
2. Richtig
slimp86 15.05.2012
Absolut zutreffend. Online liest man halt eher die Bedingungen nach und weiss diese dann. In der Filiale erzählt der Mitarbeiter einem meistens nur Schrott, weil er selbst keine Ahnung hat.
3. ||||
sample-d 15.05.2012
Zitat von sappelkopp...dass der Onlinekunde eher geneigt ist, sich selbständig zu informieren uns sich dann "besser beraten" fühlt, als der Filialkunde. Ich würde das Ergebnis der Stiftung Warentest mit Vorsicht genießen. Es liegt auch immer ein bisschen am Kunden, ob er informiert wird und wie.
Es war im vorliegenden Test ja keine Umfrage, sondern ein expliziter Test mit Testkunden - zudem kann ich das Ergebnis nur unterstützen. Bei der ANforderung von Kreditangeboten hatte ich vor 3/4 Monaten auch umfangreichen Kontakt zu sowohl Online- als auch Filialbanken und Sparkassen. Ich fühlte mich bei den Online-Banken (in meinem Fall Targo, und Diba) auch neutraler und unaufdringlicher beraten als bei der Filialbank. Bei der Filialbank (Sparkasse) wurde dann auch noch versucht mir eine Kombination aus Riesterförderung, Bausparkasse etc. zu verkaufen obwohl ich eindeutig ein einfaches, durchsichtiges Angebot mit klar definierten Sonderzahlungen gewünscht habe. Ich habe dann trotzdem bei der Sparkasse (ein transparentes Angebot) abgeschlossen, und zwar weil mir ein Berater einer Online-Bank dazu geraten hat. Mein verhandeltes Angebot wäre sehr gut und er könne es aktuell nicht unterbieten. Seitdem habe ich umso mehr Vertrauen in Online-Banken.... gefühlsmässig hatte ich immer den Eindruck dass dort der Druck etwas verkaufen zu müssen einfach geringer ist...
4. Wer braucht noch eine Bankfiliale
jocheno.b. 15.05.2012
und einen blasierten Bankberater, der sich fuer was besseres haelt als seine Kunden? Zum Gueck ist diese arrogante Kaste von Pseudodienstleistern dem Untergang geweiht. Offensichtlich herrscht in den Banken ein Gefuehl ein eigenes Rechtssystem zu haben. Ich werde die Partei waehlen, die den Banken in den Arsch tritt. Hoechste Zeit.
5. Verrechnet!
scapa 15.05.2012
Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil. Wenn man das gewichtete Mittel der drei Einzelergebnisse bildet, ergibt sich für die ING Diba eine Gesamtnote von 2,0 und nicht von 4,0. Wenn selbst ein Sprecher des Instituts von dem Ergebnis überrascht ist, hat man wohl auch dort nicht nachgerechnet.
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Checkliste Beratungsgespräch
Worauf sollten Verbraucher bei einem Bankbesuch achten? Die Stiftung Warentest hat eine Checkliste zusammengestellt.
Vorbereitung
Bereiten Sie sich gut auf das Beratungsgespräch vor. Ihr Berater wird Sie fragen, wie viel Geld Sie anlegen wollen, wie lange, für welchen Zweck, und er will wissen, welches Risiko Sie dabei eingehen können. Zudem wird er Sie – das ist seine Pflicht – nach Ihren persönlichen und finanziellen Verhältnissen fragen.
Produkte
Der Berater sollte Ihnen die Produkte, die er Ihnen vorschlägt, genau erklären und die Vor- und Nachteile aufzeigen. Wenn Sie etwas nicht verstanden haben, fragen Sie nach. Scheuen Sie sich nicht vor „dummen“ Fragen. Er ist der Experte, nicht Sie, und es ist seine Aufgabe, Ihnen alles so zu erklären, dass Sie es verstehen.
Empfehlungen
Es liegt auf der Hand, dass der Berater Ihnen lieber Produkte aus dem eigenen Haus als die der Konkurrenz anbietet. Fragen Sie jedoch auf jeden Fall, wie hoch die Vertriebsprovisionen sind, die der Berater oder die Bank kassieren. Der Berater muss Ihnen das sagen. So können Sie Interessenkonflikte erkennen.
Auswahl
Lassen Sie sich mehrere Empfehlungen geben. Sie sehen dann, welches Produkt Ihnen besser gefällt. Ohnehin ist es klüger, sein Geld auf mehrere Geldanlagen aufzuteilen.
Kosten
Sie sollten wissen, was für Kosten auf Sie zukommen, wenn Sie eine Geldanlage abschließen. Ein billiges Produkt ist allerdings nicht unbedingt besser. Die Kosten sollten aber in einem vernünftigen Verhältnis zu den Ertragschancen stehen.
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Mischung. Legen Sie Ihr Vermögen breit an. Eine Kombination aus sicheren Zinsanlagen, guten Aktienfonds und maximal zehn Prozent Gold ist auf lange Sicht vielversprechend. Selbst als Anleger mit ausgeprägtem Sicherheitsbedürfnis können Sie sich bis zu 15 Prozent Aktienfonds leisten, wenn Sie das Geld für mehr als zehn Jahre entbehren können.

Verfügbarkeit. Achten Sie darauf, dass Sie flüssig bleiben. Sachwerte wie Kunstgegenstände lassen sich kaum kurzfristig zu Geld machen. Das kann Anleger in die Klemme bringen. Auch Haus- oder Wohnungskäufer tun gut daran, nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Laufzeit. Meiden Sie Zinsanlagen mit Laufzeiten von deutlich über drei Jahren. Das Risiko starker Zinserhöhungen ist zumindest mittelfristig erheblich. Nur wenn Sie schnell in besser verzinste Angebote wechseln können, setzen Sie der Inflation etwas entgegen.

Überblick. In der Titelgeschichte Der große Zinstest von Finanztest 01/2012 finden Sie die Konditionen von Zinsangeboten für Einmalanlagen von 94 Instituten: Tagesgeld und Festgeld, mit genaues Angaben über Einlagensicherung und Mindestanlage.

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