Stiftung Warentest: Bausparkassen beraten Kunden oft schlecht

Die Stiftung Warentest kritisiert gravierende Beratungsmängel bei Bausparkassen. Deren Vorschläge seien oft zu teuer und gingen am Wunsch des Kunden vorbei, erklärten die Verbraucherschützer. Bei Testgesprächen fiel jeder vierte Berater durch.

Baustellenschild steht vor einem Rohbau: Vorsicht bei der Bausparberatung Zur Großansicht
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Baustellenschild steht vor einem Rohbau: Vorsicht bei der Bausparberatung

Berlin - Kunden werden bei Bausparkassen oft schlecht beraten. Zu diesem Urteil kommt die Stiftung Warentest nach einer Analyse von 154 Beratungsgesprächen. Fast jede vierte Beratung fiel bei der Untersuchung für die Zeitschrift "Finanztest" mit mangelhaft durch. Nur vier von 22 Bausparkassen erhielten die Note "gut". Acht schnitten wegen einer Häufung von Beratungsfehlern mit "ausreichend" ab, vier weitere kamen nicht über das Testurteil "mangelhaft" hinaus.

"Die Zahl der Fehlberatungen ist erschreckend", sagte der Teamleiter Finanzdienstleistungen bei der Stiftung, Stephan Kühnlenz, am Dienstag in Berlin. Von Januar bis April dieses Jahres waren den Angaben zufolge Tester in jeweils sieben Filialen von 22 Bausparkassen unterwegs. 18 Institute hätten sich dabei mindestens eine Fehlberatung geleistet, erklärten die Verbraucherschützer. Knapp die Hälfte der 154 Beratungen von Testkunden bewerteten die Verbraucherschützer allerdings mit gut oder sehr gut.

Die Anforderungen an die Bausparkassen seien in dem Test bewusst einfach gehalten worden, erklärte die Stiftung Warentest. Das Modell sah so aus: Ein Sparer benötigt 50.000 Euro für eine Modernisierung, 10.000 Euro an Eigenkapital seien vorhanden, die monatliche Belastung sollte 400 Euro nicht übertreffen.

"Wer zu defensiv ist, wird über den Tisch gezogen"

Doch viele Berater hätten die Wünsche der Testkunden schlicht ignoriert, erklärten die Verbraucherschützer. Zudem sei die Spar- oder Darlehensrate häufig zu hoch gewesen. In einem Fall sollte der Kunde den Angaben zufolge sogar 750 Euro im Monat sparen. Laut "Finanztest" hätte jede fünfte Finanzierung die Kunden deutlich zu viel Geld gekostet.

Verträge mit Bausparkassen sicherten niedrige Zinsen auch über einen längeren Zeitraum, erklärten die Verbraucherschützer. Allerdings seien einige Angebote der Bausparkassen so schlecht gewesen, dass eine Bankfinanzierung selbst bei einem rasanten Zinsanstieg auf zehn Prozent noch immer besser gewesen wäre. Zudem verschwiegen einige Bausparkassen die Abschlussgebühr. Oft seien die Angebotsunterlagen außerdem unübersichtlich gewesen.

Stiftung Warentest empfiehlt Kunden, sich gut vorzubereiten und Nachfragen stellen. "Wer zu defensiv in die Beratung reingeht, der wird über den Tisch gezogen", hieß es.

Vier Bausparkassen bekommen "mangelhaft"

Die Note "gut" erhielten lediglich die Bausparkassen Wüstenrot und die Landesbausparkassen (LBS) Baden-Württemberg, Bremen und Nord.

Mit "mangelhaft" schnitten folgende Bausparkassen ab: HUK Coburg, LBS Rheinland-Pfalz, Deutsche Bank Bauspar AG und LBS Ost. Bei ihnen fielen jeweils drei von sieben Beratungen in den Augen der Tester durch.

Die HUK-Coburg erklärte, das Ergebnis sei "ebenso überraschend wie enttäuschend". Ein Sprecher kündigte eine gründliche Analyse an. Die LBS Rheinland-Pfalz monierte, die Zahl der Testberatungen sei gering gewesen. Das Unternehmen werde aber versuchen, "den Dingen auf den Grund zu gehen". Die LBS Ost erklärte, sie nehme die schlechte Beurteilung "sehr ernst" und wolle in der Aus- und Weiterbildung auf die Testergebnisse eingehen.

Auch der Verband der Privaten Bausparkassen kündigte an, die Hinweise genau analysieren zu wollen. "Selbstverständlich können wir nicht mit allen Ergebnissen des Tests zufrieden sein", hieß es. Allerdings sei es nicht nachvollziehbar, dass "schon eine einzige von zehn Einzelnoten einer ansonsten guten bis befriedigenden Beratung zu einer schlechten Gesamtbewertung führen konnte".

mmq/dpa/dapd

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Stimmt
Unterthan 17.07.2012
Zitat von sysopDPADie Stiftung Warentest kritisiert gravierende Beratungsmängel bei Bausparkassen. Deren Vorschläge seien oft zu teuer und gingen am Wunsch des Kunden vorbei, erklärten die Verbraucherschützer. Bei Testgesprächen fiel jeder vierte Berater durch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,844997,00.html
Dank meiner (Bau)Sparkasse habe ich ein kleines Vermögen gemacht. Vorher hatte ich allerdings ein großes ;-)
2. Bei Banken gibt es keine Beratung!
JürgenAmm-Borgetto 18.07.2012
Wer im Zusammenhang mit dem Verkauf von Finanzdienstleistungen von Beratung spricht, hat nicht verstanden worum es geht! Beratung bekommen sie nur in einem ergebnisoffenen Setting. In der Bank soll ein Produkt verkauft werden, das der Bank Vorteile bringt. Der Nutzen des Kunden steht frühestens an zweiter Stelle. Insofern wird auch niemand über den Tisch gezogen! Es gilt wer sich informiert und lesen kann, ist im Vorteil.
3. Nur ein schlechter Verkaeufer offeriert die Nachteile !
papayu 18.07.2012
Wuerde er es nicht tun, wuerde er sein Job los sein!! Wenn, wie die Commerzbank alten Leuten 15jaehrige Laufzeiten verkauft ist das doch viel schlimmer, aber das ist ja in Deutschland straffrei. Meistens oder immer sind die Verkaeufer dazu gezwungen worden!! Und den meisten Kunden fehlt der Ueberblick. Ein guter Freund gab mir vor ueber 50 Jahren den Rat: Verleihe oder leihe Dir nur so viel Geld wie Du verschenken kannst !! Er hatte und hat vollkommen recht. Frueher gab es LEBENSSTELLUNGEN, da konnte man langfristig Schulden machen!! Machen Sie doch eine Umfrage nach den "Laufzeiten" heute in den Betrieben. Einen einzigen habe ich gekannt, der 50 Jahre als Arbeiter in derselben Firma gearbeitet hatte. (KODAK). 10 bis 15jaehrige Laufzeiten sind nur in leitender Position moeglich und da werden es auch immer weniger!!
4. Provision als einziges Beratungsziel
inecht 18.07.2012
die "Bearbeitungsgebühr" ist die Provision für den "Berater". Gier frißt Hirn. Und genauso erschreckend ist die Beratung bei Maklern und Versicherungsvertretern konsequent an der Höhe der Provisionen orientiert: Lebensversicherung: 7% des gezahlten Gesamtbeitrages über die gesamte Laufzeit (50%o plus 2%B). Krankenversicherung: ca. 1 gesamter Jahresbeitrag. Deshalb gibt es in Deutschland so extrem viele Versicherungsvertreter und Versicherungsmakler, 10mal mehr als in England oder Frankreich.
5.
nebenjobber 18.07.2012
Zitat von inechtdie "Bearbeitungsgebühr" ist die Provision für den "Berater". Gier frißt Hirn. Und genauso erschreckend ist die Beratung bei Maklern und Versicherungsvertretern konsequent an der Höhe der Provisionen orientiert: Lebensversicherung: 7% des gezahlten Gesamtbeitrages über die gesamte Laufzeit (50%o plus 2%B). Krankenversicherung: ca. 1 gesamter Jahresbeitrag. Deshalb gibt es in Deutschland so extrem viele Versicherungsvertreter und Versicherungsmakler, 10mal mehr als in England oder Frankreich.
na wenn Sie das sagen. gings nicht noch höher? Die Provisionsvereinbarung will ich sehen....in der Krankenversicherung gab es zwar vereinzelte Versicherer die tatsächlich bis zu 12/14MB Prov. zahlten, das waren aber die absoluten Ausnahmen. Je nach Vertriebsform und Vermittlerstatus sind 4-8MB üblich. Angesichts der Haftungszeit sowie der Komplexität ist das auch durchaus angemessen. zu den Engländern habe ich keine Zahlen, allerdings halte ich dieses Verhältnis für mehr als unwahrscheinlich
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