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Stiftung Warentest: Nur wenige Banken beraten Anleger gut

Bankentürme in Frankfurt am Main: Oft keine gute Beratung Zur Großansicht
DPA

Bankentürme in Frankfurt am Main: Oft keine gute Beratung

Riskante Anlagen, ignorante Berater, fehlende Protokolle: Um die Anlageberatung bei Banken steht es laut Stiftung Warentest nicht gut - wenn auch besser als vor fünf Jahren. Eine große Privatbank schnitt besonders schlecht ab.

Es war ein verheerendes Fazit, das die Stiftung Warentest im Sommer 2010 zog: Die Qualität der Anlageberatung von Banken sei "jämmerlich", urteilten die Verbraucherschützer damals. Keines der 21 getesteten Institute erhielt die Note "gut", gleich sechs dafür die Bewertung "mangelhaft".

Nun hat Stiftung Warentest erneut geprüft, wie es um die Qualität der Anlageberatung von Banken und Sparkassen in Deutschland steht. Ihr Fazit diesmal: So desolat wie vor fünfeinhalb Jahren beraten die Institute ihre Kunden im Schnitt nicht mehr - aber dennoch sei "noch viel Luft nach oben". Konkret erhielten drei von 23 Geldhäusern die Schulnote "gut", 13 "befriedigend", fünf ein "ausreichend". Zwei Banken - die Hypovereinsbank und die Hannoversche Volksbank - wurden gar mit "mangelhaft" bewertet. (Hier finden Sie den vollständigen Test.)

Die Hypovereinsbank empfahl öfter hauseigene und teure Produkte, die obendrein nicht zum Kundenwunsch passten. Mehrere Berater empfahlen für einen Teil des Geldes den hauseigenen geschlossenen Dachfonds. Der Fonds hat Einmalkosten von knapp 15 Prozent, jährliche Kosten von einem Prozent und kann bestenfalls Ende 2026 gekündigt werden.

Keine große Bank war "gut"

Die Verbraucherschützer hatten die Berater stets mit dem gleichen Modellfall konfrontiert: 45.000 Euro sollten für zehn Jahre angelegt werden, bei Bedarf sollte das Geld aber auch rasch für sie verfügbar sein. Ein Teil der Summe könne mit etwas Risiko angelegt werden. Insgesamt absolvierten die Testkunden im vergangenen Sommer 160 Beratungsgespräche, bis auf eine Ausnahme also sieben Gespräche pro Institut.

Am besten schnitten mit einem "gut" die Frankfurter Volksbank, die Sparda-Bank Berlin sowie die Nassauische Sparkasse ab - für Letztere ein besonders erfreuliches Ergebnis, da ihre Anlageberatung vor fünfeinhalb Jahren noch mit "mangelhaft" bewertet wurde. Die großen Privatbanken Deutsche Bank, Commerzbank und Targobank erhielten ein "befriedigend". Unter den fünf mit "ausreichend" bewerteten Banken ist die Postbank, die in drei von sieben Beratungsgesprächen viel zu riskante Anlagevorschläge machte.

Vier Sparkassen hätten gemessen an der Beratung an sich eigentlich auch eine "gute" Bewertung erhalten können, wurden jedoch abgewertet, weil sie in einem oder mehreren Fällen kein Beratungsprotokoll aushändigten - ein Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz. Auf diese Weise brachten sich die Stadtsparkasse München, die Kölner Kreissparkasse und die Hamburger Sparkasse um eine gute Bewertung, ebenso die Frankfurter Sparkasse, obwohl deren Berater das Anlageproblem am besten von allen Instituten lösen konnten.

Viele Anlagen zu riskant

Allgemein boten viele Berater Geldanlagen an, die nicht zum Kunden passten, kritisiert die Stiftung Warentest. Und das, obwohl die meisten Banken die Voraussetzung für eine gute Bankberatung erfüllten, indem sie die Kunden nach dem Ziel, der gewünschten Laufzeit der Anlage und nach ihrer Risikobereitschaft fragten.

Dennoch seien viele angebotene Produkte zu riskant gewesen, in mehreren Fällen war das Geld nicht rechtzeitig verfügbar. Häufig wurden auch unpassende Produkte wie Bausparverträge, undurchschaubare Anlagezertifikate und Rentenversicherungen empfohlen.

Ein Grund für grobe Beratungsfehler im Test ist nach Ansicht der Tester nur selten auf das Unvermögen der Berater zurückzuführen - sondern eher auf die Anreizsysteme der Institute: Sie empfehlen demnach tendenziell gern hauseigene Fonds oder Versicherungen oder Anlageformen, für die die Bank hohe Provisionen erhält.

fdi

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insgesamt 54 Beiträge
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1. Wen wundert´s
aschu0959 19.01.2016
auch die wollen nur unser Geld.
2. Fonds & TER
G-Punkt 19.01.2016
Am schlimmsten sind Empfehlungen Fonds, oder sonstige Produkte mit hohen Einstiegs-, Ausstiegs- und Verwaltungskosten, die man kaufen soll. Wenn man den Kurschart anschaut, sieht es gut aus, und dann das Gehirn ein 2. Mal einschaltet, sieht man, dass kein Produkt längerfristig seine Kosten reinholt! Sicher kein Fond. Nach 10 Jahren sind Kassenobligationen noch immer die Gesamtsieger! Nein Danke, liebe Banken.
3.
schlumpfine12 19.01.2016
Wenn man zu einer Bank geht, sollte man sich zuerst von dem Gedanken verabschieden, dass man beraten wird. Bankangestellte sind nur Verkäufer, die gerade das, was von der Zentrale vorgegeben wird, verkaufen müssen.
4. Hypovereinsbank
Andraax 19.01.2016
Ich habe schon vor etwa 15 Jahren die Hypovereinsbank verlassen, weil ich schon damals den Eindruck hatte, dass es dort nur um die Investitions-Zockerei geht und der Privatkunde der Depp vom Dienst ist.
5. Autoberater
Karl10 19.01.2016
Die Banken sind Verkäufer Ihrer eigenen oder fremder Produkte/Leistungen. Sie sind Verkäufer, sie sind keine Berater! Kein Mensch würde doch auf die Idee kommen zum "Autoberater" zu gehen, oder?
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