Finanzierungslücke: Stiftung Warentest erwägt Gebühr für ihr Logo

Die Zinsen sind äußerst niedrig, das spürt auch die Stiftung Warentest. Um ihre Finanzen aufzubessern, könnten die Produkttester bald Geld für Prüfsiegel verlangen. Nur durch einen Bilanzkniff konnten sie rote Zahlen vermeiden.

Zentrale von Stiftung Warentest in Berlin: "Vorüberlegungen" für eine Gebühr Zur Großansicht
Stiftung Warentest / dapd

Zentrale von Stiftung Warentest in Berlin: "Vorüberlegungen" für eine Gebühr

Hamburg - Zwei Drittel der Deutschen vertrauen laut einer Umfrage der Stiftung Warentest und ihren Prüfsiegeln, mit denen sie regelmäßig Produkte aller Art auszeichnet. Dieses Vertrauen könnte die Stiftung demnächst verstärkt zu Geld machen. Sie erwägt, ein Lizenzsystem für ihr Logo einzuführen. Der Vorstand der Stiftung, Hubertus Primus, sagte am Donnerstag in Berlin, dazu gebe es "Vorüberlegungen".

Hintergrund ist die Finanzlage der Stiftung. Sie finanziert sich unter anderem aus einem vom Bundesverbraucherministerium zur Verfügung gestellten Kapitalstock von 50 Millionen Euro. Bei diesem Modell ging das Ministerium Primus zufolge von einer Verzinsung von fünf Prozent aus. Dies sei aber angesichts des niedrigen Zinsniveaus "derzeit nicht erreichbar", sagte Primus.

Nur durch eine Umstellung in der Bilanzierung habe die Stiftung im vergangenen Jahr ein Plus von 770.000 Euro bei etwa 40 Millionen Euro Umsatz erzielen können. Das "Test"-Januarheft wurde erstmals dem Ergebnis von 2011 zugeschlagen, so dass im vergangenen Jahr einmalig 13 Hefte bilanziert wurden. Anderenfalls wäre es laut Primus zu einem Minus gekommen. Für 2012 rechne er mit einem Verlust von 1,2 Millionen Euro. "Keinesfalls" solle jedoch beim Personal gekürzt werden.

Die Stiftung mit 292 Beschäftigten erhält das meiste Geld aus dem Verkauf der Zeitschriften "Test" und "Finanztest" sowie von Büchern und aus dem Verkauf von Testberichten im Internet. Der steigende Umsatz mit Downloads kann nach Angaben der Stiftung die sinkende Heftauflage aber nicht kompensieren.

Einnahmen durch Werbeanzeigen sind per Satzung untersagt. Deshalb erhielt die Stiftung 2011 einen staatlichen Ausgleich von vier Millionen Euro, in diesem Jahr 3,5 Millionen Euro. Zudem soll die Stiftung künftig 1,5 Millionen Euro vom Staat bekommen, damit sie Finanzprodukte testet.

dab/dpa/dapd

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insgesamt 7 Beiträge
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1. oder einfach
Nonvaio01 24.05.2012
bessere testergebnisse abliefern, ich denke daran hapert es in den letzten jahren. Vor allem wenn es um HIFI und PC technik geht.
2. Super Idee, Glaubwürdigkeit verkaufen...
TeaRex 24.05.2012
...nur schade, dass man die so schwer zurückkaufen kann.
3. endlich geschnallt!
stevie wonga 24.05.2012
haben sie es kapiert. Werbung mit dem SW Logo kostet, und bitte nicht kleinlich sein. Die Firmen verdienen Milionen mit dem Prüfsiegel in ihrer Werbung.
4. Vielleicht...
lemmy01 24.05.2012
...hat sich das Geschäftsmodell etwas überlebt. Heute gibt es spezielle Fachzeitschriften, die sich bei den Tests jeweils auf Foto-Equipment, Mobilfunkgeräte, Computer Software, Lebensmittel, Finanzprodukte, Autos usw. konzentrieren. Die Stiftung Warentest will das alles abdecken. Das erscheint mir ein bisschen verwegen, das know how für alle diese Produkte vorhalten zu wollen. Bei dem einen oder anderen Test haben sie sich inzwischen auch blamiert (z.B. Virenscanner).
5. Vorüberlegungen?!
charlyd05 25.05.2012
Eigentlich ist es doch seit Jahren schon so, dass Stiftung Warentest für die Übersendung von Testsiegeln pro Produkt eine sogenannte „Bearbeitungs- und Aufwandsentschädigung“ von derzeit stolzen 500 Euro (zzgl. MwSt.) veranschlagt: http://www.test.de/unternehmen/werbung/bestellformular/ Ich finde es dreist es jetzt so aussehen zu lassen, als hätte man bisher keine Gebühren für so ein Logo zahlen müssen.
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