Verbraucherschutz: Infoblätter zu riskanten Anlagen taugen nichts

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Finanzberatung: Verbraucherschützer kritisieren Informationsblätter

Seit einem Jahr müssen Anbieter von riskanten Finanzprodukten ihre Kunden schriftlich über die Risiken informieren. Doch Stiftung Warentest und die Verbraucherzentralen kritisieren: Die meisten Informationsblätter sind mangelhaft.

Hamburg - Sie sollten den Verbraucherschutz bei Finanzanlagen verbessern: Seit Juni 2012 müssen Anbieter von geschlossenen Fonds und anderen riskanten Kapitalanlagen die wichtigsten Informationen in einem Informationsblatt (VIB) zusammenstellen. Doch die Stiftung Warentest und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (Vzbv) haben nun ein verheerendes Fazit aus ihrer Untersuchung der Blätter gezogen. Diese erfüllten die gesetzlichen Anforderungen nicht und seien für Anleger wenig nützlich.

Die Zeitschrift "Finanztest" prüfte alle 87 existierenden VIBs daraufhin, ob sie in aktueller Fassung auf der Internetseite des Anbieters stehen. Bei einem Viertel der Informationsblätter war das nicht der Fall. Das schreibt das Gesetz aber vor. Inhaltlich prüften die Tester 24 VIBs. Die meisten hätten demnach deutliche Mängel aufgewiesen. Vor allem bei geschlossenen Immobilienfonds seien die Texte oft ähnlich gewesen. Das Fazit der Tester: Aus der Qualität der Informationsblätter lasse sich nicht schließen, ob eine Anlage etwas tauge. Immerhin nach dem Ausschlussprinzip könne der Kunde aber vorgehen: Wenn er einen Text nicht verstehe, könne er sicher sein, dass die Anlage für ihn nicht in Frage kommt.

Der Vzbv bezeichnete das Ergebnis als alarmierend. Die Anbieter nähmen die gesetzlichen Vorgaben nicht ernst. "Wenn bereits die Kurzinformation mangelhaft ist, wird es um die Qualität der angebotenen Produkte kaum besser stehen", sagte Dorothea Mohn, Finanzexpertin des Vzbv.

Die Verbraucherzentralen fordern strengere Vorschriften. So müsse der aktive Vertrieb riskanter Vermögensanlagen an Privatanleger verboten werden. Die Komplexität und mangelhafte Regulierung machen es Verbrauchern nahezu unmöglich, den Wert und die Risiken der Produkte realistisch einzuschätzen. Ein adäquater und unabhängiger Kaufpreis, der an der Börse gebildet wird, fehle. Hinzu komme das Risiko eines Totalverlusts.

Konkret sollen die Informationsblätter künftig die Verlustrisiken deutlich machen und eine Aussage darüber enthalten, wer unter welchen Voraussetzungen für die jeweilige Vermögensanlage geeignet ist. Darüber hinaus müsse ein sogenannter Finanzmarktwächter eingesetzt werden. Dieser solle auf Basis der Beschwerden in den Verbraucherzentralen neue Entwicklungen ermitteln und die Erfolge von Regulierungen prüfen. "Der Finanzmarktwächter wirkt präventiv. So lässt sich eingreifen, bevor Verbrauchern Verluste entstehen", sagte Vzbv-Expertin Mohn.

cte

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Hände weg von Fonds für Privatanleger
carolane 21.05.2013
Warum kauft überhaupt ein Privatanleger noch irgendwelche Fonds, vor allem auch geschlossene. Man kann heute überall Aktien und andere Wertpapiere auch aus dem Ausland direkt kaufen. Da weiß man wenigsten was man hat und zahlt keine Gebühren für jemand der sowieso nichts tut. Bei Fonds kauft man dazu immer die Katze im Sack. Selbst Indexfonds kosten Gebühren, für was? Man kann sich locker selber ohne Gebühren einen Index nachbilden wenn man denn will. Lediglich bei hochspekulativen exotischen Auslandsmärkten und höchstspekulativen Finanzprodukten macht es Sinn Fonds zu kaufen, und davon sollten unbedarfte Privtanleger sowieso die Hände lassen. Wer daher als Privatanleger Fonds kauft und aus Unkenntniss Verluste erleidet ist selber Schuld und sollte für seine Naivität nicht andere anklagen.
2. Widersprüche der Verbraucherschützer
Zaphod 21.05.2013
Einerseits heisst es: Fazit der Tester: Aus der Qualität der Informationsblätter lasse sich nicht schließen, ob eine Anlage etwas tauge Und andererseits wird gesagt: "Wenn bereits die Kurzinformation mangelhaft ist, wird es um die Qualität der angebotenen Produkte kaum besser stehen", sagte Dorothea Mohn, Finanzexpertin des Vzbv Ja was denn nun? Das Vermögensanlageninformationsblatt soll dem Anleger nur einen ersten Überblick geben, die wesentlichen Informationen findet der Anleger im Verkaufsprospekt. In diesem Verkaufsprospekt werden in großer Transparenz sämtliche Merkmale des Fonds und seiner Investitionsobjekte beschrieben. Leider wenden viele Menschen noch mehr Zeit dafür auf, den richtigen Handy-Tarif zu finden anstatt die richtige Anlageform für EUR 20.000 oder mehr. Wer heutzutage über einen Fonds informiert werden will, kann diese Informationen also auch finden. Das Klagen der Verbraucherschützer ist nur bedingt berechtigt!
3. Quatsch
vaikl 21.05.2013
Die Verbraucherverbände, die wie immer fest davon ausgehen, dass der Kunde in allen Fällen vollkommen debil ist und handelt, sollten sich die lieber die Berater und Marketing-Strategen der Anbieter zur Brust nehmen. Manche Entscheidung eines normal-gebildeten und erfahrenen Anlegers sind ohne diese Blättchen und ohne das Geschwalle der Provisions-Berater deutlich logischer und ungefährlicher getroffen worden, da muss man mit diesen Gebrauchtwagenverkäufer-artigen Sprüche nicht auch noch Papier bedrucken.
4. Jeder kann das Risiko einschätzen der auch will
Bernhard65 21.05.2013
Jeder kann sich selbst relativ einfach über die Risiken informieren. Unter rating-index.com werden beispielsweise die Risiken relativ aktuell ermittelt, auch unter Morningstar.de finden sich Risikoeinschätzungen, wenn ich das mit den Sternen ziemlich unpräzise finde.
5. Wie auch
sitcom 21.05.2013
das aktuelle Geschäftsmodell der Finanzindustrie basiert auf Kundenbetrug... solang das nicht verändert wurden wird sich auch nichts an der "Kundeninformation" ändern...
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