Urteil von Stiftung Warentest Ritter Sport entsetzt über Note "mangelhaft"

Ein hartes Urteil der Stiftung Warentest vergrätzt Ritter Sport. Man habe die Note "mangelhaft" für seine Nuss-Schokolade "mit Entsetzen vernommen", teilte das Unternehmen mit. Ein anderer negativ getesteter Hersteller nimmt sein Produkt aus dem Verkauf.

Schokolade: Fast zehn Kilo isst jeder Bundesbürger pro Jahr
Corbis

Schokolade: Fast zehn Kilo isst jeder Bundesbürger pro Jahr


Hamburg - Fast zehn Kilo Schokolade isst jeder Deutsche im Jahr. Grund genug für die Stiftung Warentest, die Süßwaren zu überprüfen. 26 Nuss-Schokoladen wurden kontrolliert - mit einem überraschenden Ergebnis: Ritter Sport, Rapunzel und Kaufland schneiden mit einem "mangelhaft" ab. Ihre Kennzeichnung ist laut Stiftung Warentest irreführend, sie täusche die Verbraucher. Die Schokoladen hätten deshalb so nicht verkauft werden dürfen.

Was die Tester bei der Ritter-Sport-Nuss-Schokolade bemängeln: Im Zutatenverzeichnis wird nach Angaben der Warentester nur "natürliches Aroma" genannt. Aber die Schokolade enthält dem Testergebnis zufolge den chemisch hergestellten Aromastoff Piperonal.

Das Unternehmen reagierte am Nachmittag auf die Kritik. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte Ritter Sport mit, das Testergebnis "mit Entsetzen" vernommen zu haben. "Schokolade ist ein Naturprodukt, und für die Herstellung verwenden wir ausschließlich natürliche Aromen um das Geschmacksprofil zu unterstützen. So auch in der Ritter Sport Voll-Nuss."

Das natürliche Aroma beziehe Ritter Sport von der Firma SymRise. Das Unternehmen verweist auf eine Garantieerklärung von SymRise. Demnach sei das Aroma in der Ritter Sport Voll-Nuss "ausschließlich natürlichen Ursprungs". Die Produktkennzeichnung entspreche allen gesetzlichen Anforderungen. "Damit ist das Produkt in jeder Hinsicht verkehrs- wie auch genussfähig."

Die Schokolade K-Classic von Kaufland fällt aus einem ähnlichen Grund durch. Auch ihr Etikett führe mit einer unwahren Aromaangabe in die Irre, bemängeln die Tester. Sie enthielt nicht nur "Vanilleextrakt" sondern auch synthetisches Vanillin.

Kaufland teilte mit, den Vorwurf sehr ernst zu nehmen. Der Lieferant habe dem Unternehmen bestätigt, "dass ausschließlich Vanilleextrakt zum Einsatz kommt". Dennoch hat Kaufland prompt reagiert: "Wir haben unmittelbar mit dem Lieferanten Kontakt aufgenommen. Bis zur endgültigen Klärung wurde der Artikel aus dem Verkauf genommen."

Auch der Ökohersteller Rapunzel hat demnach keine korrekte Zutatenliste. Die Tester fanden 28 Prozent weniger Haselnüsse als angegeben. Und die Angabe von Vollrohrzucker und Rohrzucker als Hauptzutaten stimmte der Stiftung Warentest zufolge auch nicht. Sie passe nicht zum Gesamtzuckergehalt.

Besonders gut schneiden Edelmarken ab

Für Nuss-Schokolade ist der Nussanteil nicht vorgeschrieben. Während die eine zu 31 Prozent aus ganzen Haselnüssen besteht, gibt es bei einer anderen nur neun Prozent Nuss-Stückchen. Trotzdem sind falsche Angaben für die Tester tabu.

Doch es gibt auch Produkte, die gut bewertet wurden. Immerhin neun der Schokoladen mit gehackten oder ganzen Nüssen haben "gut" abgeschnitten. Davon glänzten vier Edelmarken sogar mit einem "sehr gut" in der sensorischen Beurteilung - darunter Lindt, Feodora, Hachez und Swiss + Confisa. Sie sind zwar eher teuer, dafür aber ein Genuss. Aber auch die Schokoladen der Discounter Lidl und Aldi sind "gut". Zehn sind "befriedigend" und vier "ausreichend".

Zum Test der Stiftung Warentest

yes/cte

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 431 Beiträge
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Seite 1
klfm01 21.11.2013
1.
Dann ist ja klar, was man von dieser Stiftung Warentest zu halten hat. Ich erwarte bei solchen Mängelbehauptungen schon etwas mehr stichhaltige Substanz.
PaulGaul 21.11.2013
2. Lieber zur Fachpresse gehen
Typisch Stiftung Warentest, sensationsgierig wird eine Schokolade "mangelhaft" erklärt ... weil eine Aufschrift falsch ist. Natürlich ist das nicht gut, aber sollten nicht die Dinge zählen, die den Verbraucher tatsächlich bewegen? Geschmack, vielleicht? Seriöser wird stets von der Fachpresse berichtet, im Fall von Schokolade ist Chclt.net zu empfehlen.
Kauzboi 21.11.2013
3. Mogelpackung
Chemische Aromen lassen sich ja zweifelsfrei nachweisen, somit kann Ritter Sport noch lange lamentieren - entweder wussten sie es oder sie wissen nicht was für Zeug sie in ihre Schoggi kippen. Aber selbst wenn es rein "natürliche" Aromen wären, würden die meisten Leute mit den Ohren schlackern wenn sie wüssten woraus die gemacht werden...
stefansaa 21.11.2013
4.
Zitat von PaulGaulTypisch Stiftung Warentest, sensationsgierig wird eine Schokolade "mangelhaft" erklärt ... weil eine Aufschrift falsch ist. Natürlich ist das nicht gut, aber sollten nicht die Dinge zählen, die den Verbraucher tatsächlich bewegen? Geschmack, vielleicht? Seriöser wird stets von der Fachpresse berichtet, im Fall von Schokolade ist Chclt.net zu empfehlen.
Wenn es im Zuge einer falschen Beschriftung zu erheblichen Problemen mit Allergien oder anderen Unverträglichkeiten kommt, schreit auch wieder jeder herum. Wenn die Stiftung es entsprechend nachweisen kann, dass die Stoffe so enthalten sind, ist die Beschriftung falsch und damit ist ein mangelhaft gerechtfertigt.
bitboy0 21.11.2013
5. Die Stiftung mal wieder
Wie gut die Schokolade schmeckt sagt das natürlich nicht, und ob die Vorwürfe so stimmen auch nicht. Der Schaden für die Hersteller ist aber groß und verantwortlich ist die Stiftung natürlich nicht. Ich bin - nach vielen Jahren wo ich der Stiftung feste vertraut habe - inzwischen nicht mehr überzeugt von der Unabhängigkeit und neutralen Tests. Da hab ich schon einige Überraschungen erlebt mit "Sehr gut" getesteten Geräten und und angeblich "mangelhaften". gruß
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