Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Stiftung Warentest: Wasser mit Geschmäckle

Wasser mit Geschmack: Fünfmal "mangelhaft", kein "gut" oder "sehr gut" Fotos
Stiftung Warentest

Gut sieben Liter Wasser mit Aroma trinkt jeder Deutsche im Jahr. Doch bei der Stiftung Warentest haben viele Marken nun verheerend abgeschnitten. Fünf Produkte erhielten die Note "mangelhaft", kein einziges Wasser enthielt ein vollständiges Fruchtaroma.

Berlin - Von den bunten Bildern frischer, reifer Früchte auf dem Etikett sollten Verbraucher sich nicht täuschen lassen: In aromatisierten Wassersorten finden sich keine echten Fruchtnoten, sondern oft lediglich Kunstaromen. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest, die 25 Getränke in acht Geschmacksrichtungen untersucht hat. Um fast 23 Prozent ist deren Absatz im vergangenen Jahr gestiegen, im Schnitt trinkt jeder Deutsche im Jahr 7,3 Liter des aromatisierten Wassers.

Das Ergebnis der Tester ist verheerend: Die Verpackung suggeriere Verbrauchern, dass das Aroma tatsächlich von Äpfeln, Zitronen und Beeren stamme, sagte die Chefredakteurin der Zeitschrift "test" Anita Stocker. "Das ist irreführend: Keines der Getränke enthält ein vollständiges Fruchtaroma, nennenswerten Fruchtsaft oder Fruchtmark."

Verbraucher müssten beim Kleingedruckten schon sehr genau hinsehen, um das zu durchschauen. "Meist ist nicht drin, was draufsteht. Dafür ist aber drin, was nicht draufsteht", kritisierte Stocker. Überwiegend sei bei den Inhaltsstoffen nur "natürliches Aroma" angegeben, ergänzte Birgit Rehlender, Projektleiterin für Lebensmitteluntersuchungen. In diesem Fall müsse der Geschmack aber gar nicht aus dem Apfel stammen, sondern könne aus anderen pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen hergestellt werden.

Anders sieht es aus, wenn als Zutat "Apfelaroma" vermerkt ist: In diesem Fall müsse das Aroma zu 100 Prozent aus dem Apfel stammen, bei "natürlichem Apfelaroma" zu mindestens 95 Prozent. Bis auf ein Produkt rochen und schmeckten die Wässer Rehlender zufolge auch nicht fruchttypisch und fehlerfrei, sondern überwiegend aromatisiert und nur fruchtähnlich.

Fünf Produkte enthalten Benzoesäure

Auf Schadstoffe prüften die Warentester speziell fünf Wässer, die Benzoesäure enthalten. Das Konservierungsmittel kann dazu führen, dass das Getränk mit dem krebserzeugenden und keimzellenschädigenden Benzol belastet ist. Der für Trinkwasser geltende Grenzwert liegt bei 1 Mikrogramm pro Liter.

Da alle vier Wässer mit Kirschgeschmack im Test in großen Mengen den ähnlich wie Benzoesäure aufgebauten Aromastoff Benzaldehyd enthalten, überprüften die Tester auch diese Produkte auf Benzol. In einem fanden sie die laut Rehlender eine "völlig inakzeptable Belastung" von drei Mikrogramm. Die Ergebnisse seien jedoch noch nicht endgültig geklärt und weitere Tests nötig. Die Stiftung wolle die endgültigen Daten so schnell wie möglich online veröffentlichen.

Die Gesamtnote "sehr gut" oder "gut" erhielt kein Produkt, nur sechs waren "befriedigend", fünf bekamen ein "mangelhaft". Fast allen war Zucker zugesetzt, am meisten den Getränken mit Erdbeeraroma. Dadurch können bis zu 200 Kalorien pro Liter enthalten sein. Die Preise pro Liter reichen von etwa 33 Cent beim Discounter bis zu circa 1,45 Euro für ein Markenprodukt.

Stocker empfiehlt, Wasser mit Fruchtnoten lieber selbst zuzubereiten. Verbraucher könnten zum Beispiel eine Tasse Früchtetee mit einem Liter kaltem Wasser mischen oder einen Schuss Fruchtsaft ins Wasser geben. Auch ein paar Gurkenstücke und Minzblätter oder einige Zitronenscheiben und etwas Ingwer, die zehn Minuten im Wasser durchziehen, geben Aroma.

Eines der als mangelhaft bewerteten Produkte ist Volvic Apfel. Laut Stiftung Warentest dürfte das Wasser so nicht verkauft werden, weil es entgegen der Auszeichnung "Apfelaroma" keine natürlichen Aromastoffe enthalte. Zudem sei das Produkt mit Benzoesäure konserviert.

Der Volvic-Hersteller Danone teilte auf Anfrage mit, das Unternehmen halte sich bei der Deklaration des Aromas an die rechtlichen Vorgaben. Alle Produkte seien "mit der für ihren Geschmack charakteristischen Frucht gekennzeichnet". Das verwendete Kaliumbenzoat sei ein sicherer und zugelassener Konservierungsstoff. Bonaqa-Abfüller Coca-Cola teilte mit, die Fruchtabbildungen entsprächen den Vorgaben für Erfrischungsgetränke der deutschen Lebensmittelbuch-Kommission. Das Produkt sei "in Übereinstimmung mit den geltenden rechtlichen Vorschriften gekennzeichnet". Die übrigen Hersteller der als mangelhaft bewerteten Wasser äußerten sich bislang nicht zu dem Test.

Wasser mit Geschmack mit der Note "mangelhaft"
Produkt Testkommentar
Volvic Apfel Enthält laut den Testern nur ein Fantasiearoma mit nicht natürlichen Aromastoffen, obwohl "Apfelaroma" im Zutatenverzeichnis steht. Dürfe so nicht verkauft werden. Schmecke auch nicht apfeltypisch. Konserviert mit Benzoesäure.
Lidl/Saskia Boneau Erdbeer Geschmack Die Tester wiesen nicht natürliche Aromastoffe im Fantasiearoma nach, obwohl "natürliches Aroma" im Zutatenverzeichnis steht. Dürfe so nicht verkauft werden. Schmecke nach gekochten Erdbeeren.
Netto Markendiscount/Viva Vital schwarze Johannisbeere Schwarze Johannisbeeren naturgetreu abgebildet, dürfe nicht als "schwarze Johannisbeere" verkauft werden: Enthalte Buccoblätterextrakt mit anderen natürlichen Aromen. Das müsste auch so im Zutatenverzeichnis stehen.
Vitrex schwarze Johannisbeere Laut Testern kein "natürlicher Fruchtgeschmack". Schwarze Johannisbeeren naturgetreu abgebildet, dürfe aber nicht als "schwarze Johannisbeere" verkauft werden: Enthalte Buccoblätterextrakt mit anderen natürlichen Aromen, müsste auch so im Zutatenverzeichnis stehen. Mit Sorbinsäure konserviert.
Bonaqa Pfirsich-Maracuja Pfirsichsaftaroma laut Testern nicht nachweisbar, Maracujaaroma nur in Spuren. Heißt aber "Pfirsich-Marajuca" und reife Früchte sind naturgetreu abgebildet. Maßgeblich Fantasiearoma (dürfte so nicht verkauft werden). Konserviert mit Sorbinsäure.
Quelle: Stiftung Warentest

cte/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 69 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Foodwatch - übernehmen sie !
clear_conscience 25.04.2013
es wird immer deutlicher, dass Foodwatch nicht einfach eine gute Idee ist. Die Verbraucher fühlen sich mehr und mehr von den Lebensmittelherstellern erpresst. und die Politik - allem voran die sogenannte Verbraucherschutzministerin - gibt keine Marktbedingungen vor sondern lässt sich Bedingungen von der Industrie diktieren. Vielleicht heißt "Verbraucherschutz" ja deswegen so, weil die Lebensmittelkonzerne vor den Verbrauchern geschützt werden müssen?
2. Nunja...
Sascha Franck 25.04.2013
kennt man ja bereits vom Joghurt. Also absolut nichts Neues. Und warum sollte man es denn auch besser machen wollen, wenn sich der Kram wie geschnitten Brot an ahnungslose Kunden verscheuern lässt?
3. Wer diesen Pansch trinkt, ist selber Schuld
MaxHeadram 25.04.2013
ansonsten würde es evtl. helfen die Zutatenliste im Kleingedruckten vom Koch und nicht vom Anwalt schreiben zu lassen.
4. bonaqua
johngoose 25.04.2013
Es muss BONAQA heißen. Aber das macht selbst die Werbung falsch.
5.
marctgfg 25.04.2013
Ich finde, dass Volvic Apfel sehr wohl nach Apfel-Aroma schmeckt. Habe einige ähnliche Produkte probiert, die weniger meinem Geschmack entsprachen. Ist so etwas nicht sehr subjektiv, wie etwas schmeckt? Die Zusatzstoffe stehen auf einem anderen Blatt....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: