Straßenschäden und Unfälle: So teuer wird der Winter

Eispanzer in Norddeutschland, Räumdienste im Dauereinsatz - dieser Winter wird teuer, teurer als frühere. Die Reparaturkosten für Straßenschäden liegen in Milliardenhöhe. Auch Haftpflicht- und Krankenversicherungen ächzen ob der vielen Unfälle und Glatteis-Verletzten.

Räumfahrzeuge auf der Autobahn 45: Straßensanierung wird Milliarden kosten Zur Großansicht
ddp

Räumfahrzeuge auf der Autobahn 45: Straßensanierung wird Milliarden kosten

Dieser Winter hatte seinen Preis: Erst jetzt, mit einsetzendem Tauwetter, wird das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar, die wochenlanger Frost und Kälte auf Deutschlands Straßen hinterlassen haben.

So rechnet der Städte- und Gemeindebund mit drei- bis viermal so hohen Reparaturkosten als in früheren Jahren. "Die Sanierung der Straßen wird nach dem Winter Milliarden kosten", heißt es in einer vorläufigen Bilanz. Allein in Berlin brauche man 100 Millionen Euro für die komplette Sanierung des 5343 Kilometer langen Straßennetzes - die Stadt hat aber nur 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Auch im Norden gibt es viele Straßenschäden: Allein im 700 Kilometer langen Straßennetz von Lübeck wurden 14.000 Schlaglöcher gezählt. Geschätzte Reparaturkosten: Rund 1,4 Millionen Euro.

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, betont, die Bewältigung der Frostschäden auf den Straßen sei die zentrale Herausforderung für Städte und Gemeinden. Er erwarte möglichst rasch auch konkrete Hilfe vom Bund.

Deutscher Wetterdienst: 2009/2010 war kein Rekordwinter

Teuer waren auch die Streudienste, die pro Tag zuletzt rund 10.000 Tonnen Streusalz verteilen mussten. In Nordrhein-Westfalen wurden angesichts der Engpässe einzelne Städte und Gemeinden gar nicht mehr mit Streusalz beliefert. Nun müssen die Kämmerer in Städten und Gemeinden darüber nachdenken, wie sie die überzogenen Budgets für den Streudienst finanzieren können.

Auch für die Versicherungen wird der Winter teuer. Bundesweit wurden im Straßenverkehr bisher 55.000 Haftpflichtschäden mit einer Gesamtsumme von 230 Millionen Euro gemeldet, berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Das Glatteis führte auch zu vielen Unfällen auf den Gehwegen: Die Krankenhäuser mussten dreimal so viele Glatteisunfälle versorgen als üblicherweise. Die KKH Allianz schätzt die winterbedingten Unfallkosten auf 100 Millionen Euro für die gesetzlichen Kassen.

Mehrere Krankenkassen wollen sich die Behandlungskosten für Glätteverletzte von den Grundstückseigentümern oder den beauftragten Winterdiensten zurückholen, berichtet die "Berliner Zeitung". Laut Zeitungsbericht planen mehrere Kassen eine Überprüfung, ob bei Glatteisunfällen die Verkehrssicherungspflichten verletzt worden seien.

Tatsächlich war der Winter 2009/2010 nach den Messungen des Deutschen Wetterdienstes sehr kalt, aber dennoch kein Rekordwinter.

Der Dezember 2009 blieb mit durchschnittlich 0,4 Grad Celsius nur knapp unter dem langjährigen Mittel von 0,8°C. Der anfangs recht warmen Witterung folgte ab dem 11. Dezember ein drastischer Temperaturrückgang. Der Höhepunkt des Kälteeinbruchs war am 19. Dezember erreicht, als eine Wetterstation nahe Dresden minus 24,3°C meldete.

Es blieb auch im neuen Jahr sehr kalt: Mit durchschnittlich minus 3,7 Grad Celsius lag die Temperatur im Januar 2010 bundesweit 3,2 Grad unter dem vieljährigen Klimawert von minus 0,5°C. Die offiziell tiefste Temperatur meldete am 27.1. Bad Muskau in der Oberlausitz mit minus 24,3°C.

lub/dpa/ddp

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