Datenlese

Datenanalyse zum Bahnstreik Preissprung bei Fernbussen

Von und Achim Tack

Am Streik-Wochenende nicht mehr ganz so günstig: Fernbus im Schwarzwald
Verena Brandt / MeinFernbus

Am Streik-Wochenende nicht mehr ganz so günstig: Fernbus im Schwarzwald


Vom Rekordstreik der Bahn profitieren die Fernbus-Anbieter. Am Dienstag war live zu beobachten, wie die Preise in die Höhe schnellten. Das Minutenprotokoll in der Datenanalyse.

Am Dienstagnachmittag musste plötzlich alles sehr schnell gehen. Um kurz nach 15 Uhr wurden die Streikpläne der GDL bekannt, nur wenig später reagierten die Kunden. Viele versuchten, auf einen Fernbus umzubuchen. Im Online-Buchungssystem von MeinFernbus.de sorgte das schlagartig für eine Bewegung der Preise - und zwar nach oben.

Wir haben diese Entwicklung im Minutentakt nachvollzogen und knapp 380.000 Datenpunkte ausgewertet. Die Analyse zeigt eindrucksvoll, wie sich die Preise für ausgewählte Buslinien teilweise verdreifachten - innerhalb einer halben Stunde.

Hinter dem sprunghaften Anstieg steckt nach Angaben von MeinFernbus.de ein automatischer Mechanismus: "Für jede Strecke sind bei uns ein Sparpreis und ein Normalpreis festgelegt", sagt eine Sprecherin. "Je mehr Buchungen wir verzeichnen, desto höher klettert dann der Preis."

Ausgelöst werde ein Preisanstieg schon dadurch, dass viele Kunden eine Fahrt auswählen und in ihren Warenkorb legen. Erstaunlich bleibt dennoch, wie schnell offenbar Tausende verprellte Bahnkunden auf die Ankündigung reagierten. Auch wenn nicht alle von ihnen tatsächlich auf den Bus umgestiegen sind.

Überblick: Der Tarifkonflikt bei der Bahn
Was will die GDL?
Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn bei kürzeren Arbeitszeiten. Zusammengerechnet ergibt sich eine Steigerung von 15 Prozent. Weselsky will zudem künftig nicht nur Tarife für die rund 19.000 Lokführer aushandeln, sondern auch für die Zugbegleiter und Rangierführer unter den GDL-Mitgliedern. Bislang wurden diese von der Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten.
Was bietet die Bahn?
Die Bahn bietet eine dreistufige Einkommenserhöhung um fünf Prozent, verteilt auf 30 Monate. Dazu eine Einmalzahlung von rund 325 Euro. Konkurrierende Tarifverträge innerhalb einer Berufsgruppe will der Konzern aber in jedem Fall vermeiden. Die Bahn hatte angeboten, bei Tarifgesprächen künftig parallel mit GDL und EVG zu verhandeln. Sollte dann nur eine Gewerkschaft einem Kompromiss zustimmen, soll dieser auch nur für ihre Mitglieder gelten. Die andere Gewerkschaft soll nach Willen der Bahn dann aber nicht mehr streiken dürfen.
Was kosten Bahnstreiks die Wirtschaft?
Streiks bei der Deutschen Bahn kosten die Wirtschaft nach Prognose von Forschern schnell einen dreistelligen Millionenbetrag, abhängig von Länge und Intensität. "Bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen sind in der Industrie Produktionsunterbrechungen zu erwarten", schreibt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). "Die Schäden können dann schnell auf mehr als 100 Millionen Euro pro Tag steigen."



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20 Leserkommentare
user_tha 05.11.2014
imperatom 05.11.2014
napu 05.11.2014
dschou 05.11.2014
joey55 05.11.2014
Außengeländer 05.11.2014
joey55 05.11.2014
Guccihat ein Bahnkunde 05.11.2014
Schnellleser 05.11.2014
criticalsitizen 05.11.2014
nykrob 05.11.2014
charlesdickensons 05.11.2014
manny190 06.11.2014
avlberntorf 06.11.2014
paul-48 06.11.2014
dschou 06.11.2014
fettiz 06.11.2014
Toby1874 06.11.2014
Süddeutscher 06.11.2014
herkurius 06.11.2014

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