München - Für Kunden, die ihr Geld verloren haben, muss es wie Hohn klingen: Die drohende Pleite des Stromanbieters Teldafax war den Behörden offenbar frühzeitig bekannt. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich auf einen internen Prüfbericht des Hauptzollamts Düsseldorf von September 2009. Die Firma schuldete dem Staat damals bereits 28,3 Millionen Euro, hatte so gut wie kein Vermögen und war "bilanziell überschuldet". Mehrere Maßnahmen, die Teldafax versprochen habe, seien "nicht realisiert" worden.
Laut der Zeitung finanzierte das Unternehmen seine Kosten mit Vorauszahlungen neuer Kunden. Ein Schneeballsystem, dessen Ende nur eine Frage der Zeit war. Brisante Erkenntnisse der Behörden, doch die Verbraucher bekamen davon nichts mit. Teldafax konnte also weiter fleißig neue Kunden werben.
Erst am 14. Juni dieses Jahres meldete der Stromanbieter Insolvenz an. Kurze Zeit später wurde die Belieferung der Kunden mit Strom und Gas ausgesetzt. 750.000 Kunden und weitere Gläubiger verloren vorerst eine halbe Milliarde Euro. Laut Gericht handelt es sich wahrscheinlich um das bundesweit größte Verfahren dieser Art. Die weitaus größte Zahl der Teldafax-Gläubiger dürften Stromkunden sein, die noch auf Rückzahlungen warten. Darüber hinaus sind Lieferanten und Mitarbeiter betroffen.
Warum erstatteten die Beamten nicht Anzeige?
Das Hauptzollamt Düsseldorf und das übergeordnete Finanzministerium wollten den Bericht auf Anfrage weder dementieren noch bestätigen. Aufgrund des Steuergeheimnisses und des laufenden Verfahrens könne man zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen.
In dem Bericht der "SZ" wird aber mit Recht die Frage gestellt, warum die Finanzbehörden nichts unternommen haben, um Verbraucher zu warnen. Möglichkeiten hätte es gegeben.
So hätten die Beamten bei Verdacht auf Insolvenzverschleppung oder Betrug Anzeige erstatten können. Die daraufhin mit Sicherheit einsetzende Berichterstattung hätte wohl viele Verbraucher davon abgehalten, einen Vertrag bei Teldafax zu unterzeichnen.
cte/dapd
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