Gas und Kohle teurer Energieverband sagt höheren Strompreis voraus

Der Branchenverband BDEW rechnet für die meisten Verbraucher für das kommende Jahr mit einem höheren Strompreis. Er verlangt von Finanzminister Olaf Scholz, den Satz bei der Stromsteuer zu senken.

Stromtrasse in Bayern
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Stromtrasse in Bayern


Verbraucher müssen sich 2019 auf höhere Kosten für Strom einstellen. Zu dieser Prognose kommt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Preistreiber beim Strompreis seien höhere Beschaffungskosten, sagte der Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Stefan Kapferer.

Demnach bezahlten die Unternehmen für das Lieferjahr 2017 im Durchschnitt rund 30 Euro für eine Megawattstunde Strom, 2018 seien es mehr als 50 Euro. Daneben seien fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas teurer geworden. Es gebe deutliche Preissteigerungen beim Emissionsrechtehandel. Der Preis für CO2-Zertifikate habe sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdreifacht, sagte Kapferer.

Zuletzt hatten sinkende Netzentgelte für den Betrieb der großen Stromtrassen Anlass gegeben, mit Entlastung bei den Strompreisen zu rechnen. Kapferer dagegen sagte, andere Effekte seien aber stärker.

Der BDEW forderte die Regierung auf, die Abgaben beim Strom zu senken. "Im EU-weiten Vergleich der Strompreise wird eines besonders deutlich: Der deutsche Staat bittet die Haushalte bei den Steuern, Abgaben und Umlagen über Maß zur Kasse", sagte Kapferer.

Beim Strompreis machten Steuern, Abgaben und Umlagen inzwischen 54 Prozent aus. Die Strompreise für private Haushalte seien in den vergangenen zehn Jahren vor allem dadurch deutlich gestiegen.

Verband sieht hohen Strompreis als Hindernis für E-Mobilität

Kapferer forderte, Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) solle prüfen, den Satz bei der Stromsteuer massiv zu senken - und zwar auf das europarechtlich mögliche Minimum von 0,1 Cent. Dies würde 5,5 Milliarden Euro kosten, sei aber angesichts der vollen staatlichen Kassen machbar und würde die Haushalte deutlich entlasten, sagte der Verbandsvertreter.

Der Regelsteuersatz beträgt bei der Stromsteuer bisher 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Allein die Stromsteuer macht sieben Prozent des Strompreises aus. Mit ihr nimmt der Bund pro Jahr rund 7 Milliarden Euro ein.

Der Strompreis setzt sich zusammen aus Steuern, Abgaben und Umlagen sowie den Netzentgelten der lokalen und regionalen Betreiber und Übertragungsnetzbetreiber. Dazu kommen Produktionskosten und die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien.

Kapferer kritisierte, die hohen Steuern und Abgaben ließen den Unternehmen immer weniger Spielraum. Nur noch gut 20 Prozent des Endkunden-Strompreises seien von den Lieferanten direkt beeinflussbar. Die Kosten aus Steuern, Abgaben und Umlagen hätten sich seit 2006 mehr als verdoppelt. Dies könne auch den Umstieg auf Elektromobilität bremsen.

mmq/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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liberaleroekonom 08.10.2018
1. Ich fürchte jetzt kommt die Strompreisbremse der SPD
Selbstverständlich ist der Staat mit seinen Steuern und Abgaben selbst einer der größten Peistreiber beim Strompreis. Aber das wird ihn noch lange nicht dazu bewegen, dabei jetzt irgendwo Abstriche zu machen und auf eigene Einnahmen zu verzichten. Das Thema hatten wir doch schon beim Wohnungsmarkt. Auch da ist der Staat mit der Grunderwerbsteuer einer der größten Preistreiber und denkt nicht im Traum daran, diese zu senken oder mittels eines Freibetrages (bei selbstgenutztes Wohneigentum) sozial gerechter zu erheben. Im Gegenteil, mit einer Mietpreisbremse, die als Wohnraumbremse fungiert, wird die Situation noch verschlimmert. Ich befürchte auf dem Strommarkt wird uns daher bald die SPD mit der Forderung nach einer Strompreisbremse überraschen. Bekämpft zwar nicht die Ursachen, aber darum geht es schließlich nicht. Die bösen Preisgestalter müssen doch in ihre Schranken gewiesen werden.
eulenspiegel2k17 08.10.2018
2. Preistreiberei
Merkwürdig. Bis vor kurzem kamen noch entgegen geätzte Signale: geringere Netzgebühren und steigender Anteil der Erneuerbaren. Woher der Preistreiber ‚Fossile Brennstoffe‘ kommen soll, erschließt sich mir nicht wirklich. Am kWh Preis haben die Rohstoffpreise doch den geringsten Anteil.
florencegrosse 08.10.2018
3. mit der eigenen Solaranlage auf dem Dach
kann ich mich bequem zurücklehnen und den steigenden Strompreisen ein Schnippchen schlagen. In Kombination mit der Sonnenbatterie habe ich (in der Eifel) eine Autarkie von 78%. Außerdem habe ich noch durch meine Mitgliedschaft in der Sonnencommunity (20€/Monat) 4700KWh/Jahr kostenlos zur Verfügung. Meine 5,4KW Anlage hat sich in 10 Jahren amortisiert.
sok1950 08.10.2018
4. Die Stromsteuer ist die niedrigste Abgabe - Problem sind EEG-Abgaben
, Netzgebühren und Mehrwertsteuer. Die machen 85% des Strompreises aus, welche der Endkunde bezahlen muss. Die Stromsteuer beträgt derzeit 2,05 ct/kWh und war eigentlich mal als "Öko-Abgabe" gedacht. So der Zoll: "Im Rahmen des Gesetzes zum Einstieg in die ökologische Steuerreform wurde die Stromsteuer am 1. April 1999 in Deutschland eingeführt." http://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Steuern/Verbrauchsteuern/Strom/strom_node.html
quark2@mailinator.com 08.10.2018
5.
Zitat von eulenspiegel2k17Merkwürdig. Bis vor kurzem kamen noch entgegen geätzte Signale: geringere Netzgebühren und steigender Anteil der Erneuerbaren. Woher der Preistreiber ‚Fossile Brennstoffe‘ kommen soll, erschließt sich mir nicht wirklich. Am kWh Preis haben die Rohstoffpreise doch den geringsten Anteil.
Die EU will die CO2-Zertifikate stark verknappen, so daß deren Preis steigt, was die Kosten für die Schwerindustrie erhöht, insb. eben auch die der Energieerzeugung aus nichtregenerativen Brennstoffen.
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