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Energiekosten: Strompreis ist seit 2000 um 92 Prozent gestiegen

Strommasten: Stadtwerke und Versorger zahlen deutlich weniger im Einkauf Zur Großansicht
DPA

Strommasten: Stadtwerke und Versorger zahlen deutlich weniger im Einkauf

Verbraucher müssen für Strom fast doppelt so viel ausgeben wie vor 14 Jahren. Dabei müssen die Konzerne im Großhandel seit Jahren weniger zahlen.

Wiesbaden - Private Haushalte haben seit dem Jahr 2000 nahezu eine Verdopplung des Strompreises verkraften müssen. Der Preis sei seitdem um 92 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Die Verbraucher profitieren demnach überhaupt nicht von den seit knapp sechs Jahren sinkenden Großhandelspreisen für Strom. Die Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen mussten im August 2014 rund vier Prozent weniger für Strom bezahlen als im Januar 2000, wie die Statistiker erklärten. Sie können Strom also billig einkaufen und verkaufen ihn teuer. Zu einem ähnlichen Ergebnis war zuletzt auch die Verbraucherzentrale NRW gekommen.

Der Strompreis erreichte seinen höchsten Stand im Juli 2008, wie das Statistikamt erklärte. Er lag damals - für Verbraucher, Industrieunternehmen, Gewerbebetriebe und auch für die Versorger - um 61 Prozent über dem Wert vom Januar 2000. Gründe seien die starke Nachfrage von Finanzinvestoren auf den Rohstoffmärkten und Konflikte in Nahost gewesen, erklärten die Statistiker. Die Verbraucher spürten das damals aber nicht so stark: Sie mussten wegen langfristiger Verträge nur 41 Prozent mehr für Strom zahlen als Anfang 2000.

Mit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise Ende 2008 fielen die Preise für Strom deutlich, wie die Statistiker erläuterten. Zugleich nahm in Deutschland die Menge an Strom aus erneuerbaren Energien zu; das sorgte für niedrige Preise an den Strombörsen. Für Haushalte und kleine Gewerbebetriebe wurde der Strom aber dennoch teurer: nach Juli 2008 um 36 Prozent für Privathaushalte und um 38 Prozent für die Betriebe. Zusätzlich stiegen für sie Stromsteuer und die Umlage für die Förderung des Ökostroms.

Für große Industrieunternehmen stiegen die Preise seit Juli 2008 hingegen nur um fünf Prozent. Und die Stadtwerke und Versorger können sich über einen Einkaufspreis freuen, der für sie seitdem um 46 Prozent gesunken ist.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Die Stiftung Warentest zeigt, welche Einstellungen bei der Tarifsuche wichtig sind
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
Lange ging das gar nicht. Inzwischen bestehen in einigen Fällen auch hier alternative Angebote.

yes/AFP/dpa

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insgesamt 174 Beiträge
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    Seite 1    
1. Na denn
European 09.10.2014
auf die nächsten 92% !
2. Staat ist der größte Preistreiber beim Strom
cap_cgn 09.10.2014
Was man im Artikel außer acht lässt: Seit Beginn der Liberalisierung im Strommarkt Ende 1998 sind die den Energieversorgern zurechenbaren Preisbestandteile für Erzeugung, Transport und Vertrieb bis Ende 2013 um rund sieben Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum sind Steuern, Abgaben und Umlagen um sage und schreibe 263 Prozent gestiegen. Wer ist also der Preistreiber? Die Unternehmen, die an einem Privatkunden mit etwas Glück 20 Euro im Jahr verdienen oder der Staat, der völlig sachfremde Kosten wie die Renten über Aufschläge auf den Strompreis mitfinanzieren lässt?
3.
BSC 09.10.2014
Das haben wir nun von der "Energiewende". Und ich dachte, die Sonne, der Wind und das Wasser stellen keine Rechnung.
4. Vielen Dank, liebe Grüne und frau Merkel,
David67 09.10.2014
wir bezhalen doch gern, wie ihr unser Land ins abseits manövriert- die anderen länder lachen über uns.
5. Die große Mehrheit wollte das so!
thunderstorm305 09.10.2014
Erstens wollte die große Mehrheit der Deutschen die Energiewende auch wenn man etwas mehr dafür bezahlen muss. Zweitens ist es wohl klar dass man sich nicht selbst den Ast absägt auf dem man sitzt. Wenn es um Arbeitsplätze in der energie-intensiven Industrie geht, muss man eben damit leben dass diese weniger für Strom bezahlen. um die Arbeitsplätze zu erhalten. Also darf sich nun niemand über den Stromanstieg ärgern. Denn das wollten wir ja so.
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