E.on, RWE und Co.: Für jeden zweiten Stromkunden wird es teurer

Zum 1. Januar steigen die Strompreise in Deutschland flächendeckend, manche Versorger schlagen bis zu 20 Prozent drauf. Betroffen sind Kunden von Konzernen wie E.on und RWE - aber auch von Ökostromanbietern. Für eine Durchschnittsfamilie bedeutet das eine Extra-Belastung von 125 Euro im Jahr.

Kohlekraftwerk in Niedersachsen: Preiserhöhungen für Millionen Menschen Zur Großansicht
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Kohlekraftwerk in Niedersachsen: Preiserhöhungen für Millionen Menschen

Köln - Zigmillionen Menschen in Deutschland müssen bald mehr für ihren Strom zahlen. Kurz vor dem Stichtag am 20. November haben die meisten Versorger ihre Kunden über geplante Preiserhöhungen zum Jahreswechsel informiert. Betroffen seien mehr als die Hälfte aller Haushalte in Deutschland, sagt Dagmar Ginzel vom Internetvergleichsportal Verivox.

Nach Berechnungen von Verivox, Toptarif und Check24 hatten bis Montag 414 Unternehmen Preisanpassungen angekündigt - darunter auch die Energieriesen E.on, Vattenfall, EnBW (zum 1. Februar) und RWE für einen Teil der Kunden, sowie EWE, Mainova oder auch der RWE-Discounter Eprimo. Spätestens bis Dienstag müssen die Versorger ihre Kunden über Preiserhöhungen informieren, damit die Anpassungen zum 1. Januar wirksam werden können. Daniel Dodt von Toptarif geht davon aus, dass es am Ende mehr als 500 Versorger sein werden.

Zwar steht seit Monaten fest, dass die Strompreise in Deutschland zum 1. Januar deutlich steigen werden, unter anderem wegen der Energiewende. Dass aber so viele der insgesamt rund 1000 Anbieter in Deutschland mitmachen, ist neu: Von Stadtwerken bis zu den Regionalversorgern und den Energieriesen, von Discountern bis hin zu den Ökostromanbietern wollen oder müssen viele die gestiegenen Kosten durch die höhere Ökostromumlage und Netzgebühren auf die Endkunden abwälzen, um ihre Renditen zu sichern. "Bei den Margen kommt praktisch keiner an einer Erhöhung vorbei", sagt Ralph Kampwirth vom Ökostromanbieter Lichtblick.

125 Euro Mehrkosten für den Durchschnittshaushalt

Im Schnitt liegen die Aufschläge bei rund 11,7 Prozent. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden errechnen sich daraus zusätzliche Belastungen in einer Größenordnung von rund 125 Euro. Dabei erreichen die Aufschläge in der Spitze bis zu 20 Prozent.

Auch die Stromriesen E.on und RWE ziehen - ganz oder teilweise - mit. E.on kündigte am Montag Preiserhöhungen im Schnitt von 8,7 Prozent an, liege damit aber deutlich unter dem Durchschnitt von knapp 12 Prozent, hieß es in einer Mitteilung. Der Energiekonzern hat rund sechs Millionen Kunden. RWE will die Preise für seine Kunden in der Grundversorgung "bis ins neue Jahr" stabil halten. Die rund 500.000 Festpreiskunden und Hunderttausende Nachtspeicher-Kunden müssen im neuen Jahr bis zu neun und bis zu 17 Prozent mehr zahlen.

Dauerhaft kann kaum ein Stromanbieter aus der Preisrunde ausscheren. Branchenkenner erwarten, dass im Februar, März oder April auch die Nachzügler ihre Strompreise heraufsetzen. Denn der Spielraum im Einkauf, mit günstigeren Konditionen die zusätzlichen Belastungen zu kompensieren, ist gering. Dass in der Branche wegen der Energiewende ohnehin mit einem Preisanstieg zu rechnen war, darauf weisen Experten schon länger hin.

Hauptverursacher des Anstiegs seien aber nicht erneuerbare Energien, schreibt Oliver Hummel vom Ökostromanbieter Naturstrom in einer Preisankündigung an die 220.000 Kunden des Unternehmens. Es seien vielmehr die Sonderregelungen für Industrie- und Netzbetreiber und die Steuer, die den Staat am Ausbau der Ökoenergien kräftig mitverdienen lässt. Allein die Mehrwertsteuer auf die EEG-Umlage soll 2013 eine Summe von 1,4 Milliarden Euro einspielen.

nck/dapd/dpa

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insgesamt 642 Beiträge
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1. Renditen
spon-facebook-10000051328 19.11.2012
´´ Von Stadtwerken bis zu den Regionalversorgern und den Energieriesen, von Discountern bis hin zu den Ökostromanbietern wollen oder müssen viele die gestiegenen Kosten durch die höhere Ökostromumlage und Netzgebühren auf die Endkunden abwälzen, um ihre Renditen zu sichern. ´´ Danke, keine weiteren Fragen.
2.
conando 19.11.2012
Naja, so langsam werden wenigstens die Zahlenbeispiele etwas realistischer, aber das ist immer noch zu niedrig gegriffen teilweise. Mein persönliches Beispiel: Altbauwohnung in Westdeutscher Großstadt, Nachtspeicherheizung - nächstes Jahr jeden Monat ca. 20 EUR (!) mehr, im Jahr 240 EUR (!) Yeah, ganz großes Kino ;(
3. Energieträger der Zukunft
ariovist1966 19.11.2012
Strom ist einer der wesentlichen Energieträger der Zukunft, künftig produziert durch Windkraftanlagen, Photovoltaik .... Macht es dann Sinn, Strom im Rahmen einer Energiewende zu verteuern oder wie manche "Ökos" zu verteufeln. Wohl kaum! Vergleichbar hätten dann die Subventionen für die Atomindustrie auch auf den Strompreis umgelegt werden müssen und am Besten gleich noch die Kosten für die Zwischenlagerung sowie Endlagerung. Die Energiewende scheint ein Beispiel fehlgeschlagener staatlicher Wirtschaftslenkung zu werden.
4. Man werden wir verar..
arioffz 19.11.2012
Zitat von sysopZum 1. Januar steigen die Strompreise in Deutschland flächendeckend, manche Versorger schlagen bis zu 20 Prozent drauf. Betroffen sind Kunden von Konzernen wie E.on und RWE - aber auch von Ökostromanbietern. Für eine Durchschnittsfamilie bedeutet das eine Extra-Belastung von 125 Euro im Jahr. Strompreis steigt bei E.on, RWE und vielen Ökostromanbietern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/strompreis-steigt-bei-e-on-rwe-und-vielen-oekostromanbietern-a-868138.html)
und abgezockt und keiner tut was. Es ist ein unglaublicher Zustand, das Grundelemente des Lebens wie hier der Strom genutzt wird um statt für das Grundbedürfnis zu sorgen nur abgezockt wird. Auch die Unkenrufer werden merken "Wettbewerb" und "Marktwirtschaft" hat die Grenze, wenn ich keine Geld mehr habe, kann ich keines ausgeben. Ausserdem hat, finde ich, Solidarität die Grenze, wenn alle für wenige GEWINNMACHENDE die Zeche zahlen MÜSSEN. Ich brauche kein Öko-Sch... die Umwelt hat keine Grenze, also auf welch Grundlage graben wir uns selbst das Wasser ab? Das Menschen wie eie eine sogenannte Kanzlerin ihr Versprechen wieder nicht halten kann vom ausstieg aus dem Ausstieg? Aber im Gegenzug muss ich sagen, solange sich nicht die Masse, sondern nur ein paar einzelne rebellieren trauen, ziehen "die da oben2 uns das Fell über die Ohren. Wir haben die Wahl! Die Bundestagswahl 2013, hoffentlich wird diese genutzt! Aber ich sehe bei meinen Mitbürgern schwarz(im wahrsten Sinne)
5. Selber schuld!
hxk 19.11.2012
Ihr habt die Energiewende gewillt, jetzt müsst ihr auch dafür bezahlen. Noch steigen nur die Preise, aber Stromausfälle könnte es auch noch geben. Vielleicht kommen ja dann einige zur Besinnung?
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DDP
Die Strompreise steigen, vielen Bürgern drohen saftige Mehrkosten. Da hilft nur eines: den Verbrauch senken - und zwar schnell. Überprüfen Sie im SPIEGEL-ONLINE-Test, ob Sie das Zeug zum Energiesparer haben!

EEG-Umlage
Was ist die EEG-Umlage?
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Warum steigt die EEG-Umlage?
Das hat zwei Gründe. Erstens, weil die absolute Menge des Ökostroms steigt. Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Zweitens steigt die EEG-Umlage auch relativ. Das hat paradoxerweise mit sinkenden Strompreisen zu tun. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot in Zeiten großer Nachfrage und senken dadurch den Strompreis an der Börse. Wenn aber der Strompreis sinkt, dann steigt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Strompreis und dem fixen Abnahmepreis, den Betreiber von Ökostromanlagen garantiert bekommen - und die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
Zahlen alle Verbraucher die EEG-Umlage?
Im Prinzip ja. Allerdings werden ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation entlastet. Sie genießen den Schutz der sogenannten besonderen Ausgleichsregel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Laut dieser zahlen Firmen die volle EEG-Umlage nur für die ersten eine Million Kilowattstunden Strom, die sie verbrauchen. Für jede weitere Kilowattstunde zahlen sie nur noch zehn Prozent der EEG-Umlage, ab einem Verbrauch von zehn Millionen Kilowattstunden ist es nur noch ein Prozent, ab einem Verbrauch von 100 Millionen Kilowattstunden sind es noch 0,05 Cent. Beispiel: Die Trimet Aluminium AG verbraucht bei voller Auslastung 4,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr*. Die Aluminiumhütte muss also nur für rund 0,02 Prozent ihres Gesamtverbrauchs die volle EEG-Umlage zahlen.
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