Rückschlag für Seehofer Netzagentur hält Stromtrassen nach Bayern für nötig

Horst Seehofer steht mit seinem Kampf gegen zwei Stromleitungen nach Bayern offenbar auf verlorenem Posten. Die Bundesnetzagentur bezeichnet deren Bau als notwendig.

Strommasten: Netzagentur hält Bedarf für "belegt"
DPA

Strommasten: Netzagentur hält Bedarf für "belegt"


Hamburg - Das Urteil der Bundesnetzagentur hat großes Gewicht im Stromtrassen-Streit - und es fällt eindeutig aus: Die Behörde sieht trotz der Bedenken des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) die geplanten Höchstspannungsleitungen in den Süden als notwendig an.

"Insbesondere die Nord-Süd-Gleichstromverbindungen von Emden nach Philippsburg, von Wilster nach Grafenrheinfeld und von Wolmirstedt nach Gundremmingen haben sich wiederum als notwendig erwiesen", sagte der Präsident der für den Netzausbau zuständigen Bundesbehörde, Jochen Homann, am Freitag mit Blick auf eine Überprüfung des Bedarfs.

Seehofer hat den SuedLink nach Grafenrheinfeld und die Ost-Süd-Trasse von Sachsen-Anhalt nach Bayern offen infrage gestellt - obwohl er beide Milliardenprojekte 2013 gebilligt hatte.

Merkel kündigt Lösung bis Juni an

"Der Bedarf wird durch die Prüfungsergebnisse der Bundesnetzagentur zum wiederholten Mal klar belegt", betonte Homann. Die vier Übertragungsnetzbetreiber hatten ihre Pläne noch einmal überarbeitet - nun startete die Behörde die Beteiligung der Öffentlichkeit zu den neuen Ausbau-Entwürfen.

Derzeit hält die Bundesnetzagentur von den vorgeschlagenen 92 Maßnahmen zum Neu- und Ausbau im deutschen Höchstspannungsnetz 63 für erforderlich. In den nächsten zehn Jahren sollen 2800 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen gebaut und 2900 Kilometer im bestehenden Netz optimiert werden. Als Kosten werden mindestens 22 Milliarden Euro veranschlagt - ohne Erdkabel.

Die Einschätzung der Bundesnetzagentur gilt als gewichtiges Argument für den Bau. Die Bundesregierung könnte zwar am Ende entscheiden, dass bestimmte Projekte trotz Empfehlung der Bundesnetzagentur politisch nicht gewünscht sind. Sie müsste dann aber einen Weg finden, wie der Übertragungsbedarf von A nach B auf andere Weise gedeckt werden kann.

Ein Koalitionsgipfel hatte am Dienstag eine Lösung erneut vertagt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte im unionsinternen Streit bis Juni eine Lösung an.

Grafik: Mögliche Stromtrassen
DER SPIEGEL

Grafik: Mögliche Stromtrassen

bos/ssu/dpa

insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
rst2010 27.02.2015
1. stellen sie sich das horroszenario vor,
schönes wetter, windstille, bayern produziert wesentlich mehr. als es zu diesem zeitpunkt verbrauchen kann, speichern ist auch nur eingeschränkt möglich. ohne leitungen in den norden müssen wir, wenns blöd läuft, die österreicher bezahlen, damit sie unseren überfluss abnehmen, statt ihn gewinnbringend nach norddeutschland zu erkaufen. und schon ist österreich - nach der hypo alpe adria - wieder im genuss eines ertragreichen geschäftsmodells auf kosten bayerns;-))
FerrisBueller 27.02.2015
2. Danke liebe Bayern aus Norddeutschland
erst kippt ihr uns ohne mit der Wimper zu zucken euren ganzen Atommüll vor die Haustür, dann verschandeln wir unsere schönen Landschaften mit Unmengen von Windrädern und Stromtrassen nur nur damit ihr im Süden auch bezahlbaren Strom bekommt und am Ende kotzt ihr uns dafür auch noch vor die Füße? Was kommt als nächstes? Maut für norddeutschen Strom auf bayrischen Stromtrassen? Vielen Dank liebe Bayern.
hansulrich47 27.02.2015
3. Das läuft in der Realität aber anders ....?
Zitat von rst2010schönes wetter, windstille, bayern produziert wesentlich mehr. als es zu diesem zeitpunkt verbrauchen kann, speichern ist auch nur eingeschränkt möglich. ohne leitungen in den norden müssen wir, wenns blöd läuft, die österreicher bezahlen, damit sie unseren überfluss abnehmen, statt ihn gewinnbringend nach norddeutschland zu erkaufen. und schon ist österreich - nach der hypo alpe adria - wieder im genuss eines ertragreichen geschäftsmodells auf kosten bayerns;-))
Die Trasse wird doch wohl benötigt, um Strom NACH Bayern zu liefern, wenn die AKWs erst mal alle tot sind!? Ohne Trasse bleibt es nämlich dunkel in Bayern. Deshalb will sich Seehofer ja vom Rest Deutschlands neue Gaskraftwerke bezahlen lassen. (Das Gas käme übrigens aus dem befreundeten Russland. Ganz sicher immer! Und immer ganz billig!)
ludwighuber1 27.02.2015
4. Horst überlegt und Angela überlegt
und in 10 Jahren wird ein anderer Horst und eine andere Angela auch überlegen und überlegen. Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann überlegen sie noch immer. Ich nenne das keine Verantwortung übernehmen und dumm rumplappern, anstatt endlich für Windstrom und Energiewende zu sorgen. Armes Deutschland
fliegender-robert 27.02.2015
5. Das Problem ist ein anderes!
Das Problem ist ein anderes - nämlich wer die Kosten trägt! Seehofer möchte ja lieber ein paar Gaskraftwerke: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gaskraftwerke-vierzehn-bundeslaender-gegen-seehofers-forderung-a-1018938.html "... Allerdings lassen sich Gaskraftwerke wegen der Milliarden(!!!)subventionen für Ökostrom derzeit nicht kostendeckend betreiben. Deswegen will Seehofer durchsetzen, dass der Bund den Betrieb bezuschusst. ..." Die Kraftwerke (oder die Stromtrassen) sind notwendig, um die Schwankungen bei den Erneuerbaren auszugleichen. Also müssten eigentlich die ganzen EEG-Energieerzeuger diese Kosten tragen. Also alle Photovoltaik-, Windkraft- und sonstigen Anlagenbetreiber haben dies verursacht. Es sind DEREN Kosten und sollten von diesen auch bezahlt werden. DAS ist der eigentliche Skandal!!
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