Studie Bio-Boom überfordert deutsche Bauern

Die Deutschen kaufen immer mehr Bioprodukte, doch häufig stammen diese aus dem Ausland. Der Grund: Die hiesigen Bauern kommen mit der Produktion nicht hinterher - und der Dioxin-Skandal verschärft das Problem noch.

Prominenter Biobauer Prinz Charles: Das Ausland muss die deutsche Angebotslücke füllen
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Prominenter Biobauer Prinz Charles: Das Ausland muss die deutsche Angebotslücke füllen


Berlin - Die Ökobauern in Deutschland können die Nachfrage immer weniger decken. Das ergab eine Studie der Universität Bonn im Auftrag der Grünen, aus der die "Berliner Zeitung" zitiert. Während der Handel den Umsatz mit Bioprodukten von 2000 bis 2009 um rund 180 Prozent gesteigert habe, seien der Flächenanteil und die Zahl deutscher Biobetriebe nur um 75 Prozent gewachsen.

Obwohl Deutschland der größte europäische Absatzmarkt für Bioprodukte ist und der Skandal um dioxinverseuchte Tiernahrung die Nachfrage befeuert hat, verlieren deutsche Ökobauern laut der Studie immer mehr Anteile am heimischen Markt. Das gilt vor allem für Obst und Gemüse.

Aber auch ökologisch erzeugtes Getreide und Futtermittel müssten zunehmend importiert werden. Die Wertschöpfung bei Biolebensmitteln werde immer stärker ins Ausland verlagert - vor allem nach Osteuropa, wo es bei weitem nicht so viele Käufer für Bioprodukte gibt.

nib/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
jenzer 19.01.2011
1. das ist doch die logische Konsequenz!
Der Trend zu mehr Bio hält schon jahrelang an, wird ständig wieder von neuen Skandalen befeuert. Nur der deutsche Bauer versteckt sich hinter irgendwelchen veralteten Aussagen, um bloss nicht umstellen zu müssen, oder hat sich schon so weit industrialisieren lassen, dass es kaum noch rückgängig zu machen ist. Ich kann nur jedem Landwirt gratulieren, der diesem Trend gefolgt ist - denn er wird weiter anhalten. Das dreckige Geschäft der Landwirtschafts-Industrie - es wird Zeit, dass es den Verantwortlichen mit einem lauten Knall um die Ohren fliegt!
Albanodabango 19.01.2011
2. ...
Ich musste den Artikel dreimal lesen, bevor ich verstanden habe, warum der Autor die These aufstellt, der Dioxin-Skandal verschärfe das Problem: Konventionelle Lebensmittel sind vergiftet -> Die Menschen kaufen mehr Bio-Lebensmittel -> Die deutschen Bauern kommen mit der Produktion nicht hinterher. Wenn die Nachfrage grösser ist als das Angebot, ist das für den Erzeuger doch kein grosses Problem. Er muss nur die produzierte Menge erhöhen -- Wachstum also. Dass das nicht in ausreichendem Masse geschieht, kann ich mir nur so erklären, dass sich Bio-Anbau wirtschaftlich nicht rechnet. Wahrscheinlich kommt von den enormen Preisaufschlägen im Einzelhandel (bis zu mehreren 100%) bei den Bauern nicht viel an. Es wird Zeit, dass sich das ändert.
Oberleerer 19.01.2011
3. .
Wenn ich mich mit Landwirten unterhalte, erklären die mir, dass die keine Lebensmittel mehr produzieren. Wenn da eine Lieferung in den Handel geht kommt 1/3 wg. Schadstellen etc. zurück. Das ist denen zu blöd und nun schicken sie alles direkt zur Biogaserzeugung. Zur Biogaserzeugung kann man dann auch Pestizide etc. einsetzen (ist ja kein Ökogas). Der gemeine Bauer geht da halt pragmatisch vor.
uioikap 19.01.2011
4. Logische Kosequenz einer verfehlten Agrarpolitik
Zitat von jenzerDer Trend zu mehr Bio hält schon jahrelang an, wird ständig wieder von neuen Skandalen befeuert. Nur der deutsche Bauer versteckt sich hinter irgendwelchen veralteten Aussagen, um bloss nicht umstellen zu müssen, oder hat sich schon so weit industrialisieren lassen, dass es kaum noch rückgängig zu machen ist. Ich kann nur jedem Landwirt gratulieren, der diesem Trend gefolgt ist - denn er wird weiter anhalten. Das dreckige Geschäft der Landwirtschafts-Industrie - es wird Zeit, dass es den Verantwortlichen mit einem lauten Knall um die Ohren fliegt!
Richtige These aber Begründung ist doch wenig fundiert und stark emotional. Richtiger wäre, die sich aus dem Bericht ergebenden Tendenzen global und ökonomisch zu erklären, denn letztendlich lassen sich die Entwicklungen nur hieraus begründen. Fakt ist, dass die deutsche Landwirktschaft sich in einem stark industrialisierten Land befindet, in dem die klassischen Produktionsfaktoren ungleich teurer sind, als in anderen Ländern (z.B. in Osteuropa). Dies lässt sich anhand zahlreicher Beispiele Belegen: Sei es die Arbeitskraft, Boden oder auch viele mit Steuern belegte Verbrauchsgüter wie Kraftstoffe, elektrische Energie usw. Dem Gegenüber steht eine in Deutschland hohe (potenzielle) Verfügbarkeit fortschrittlicher Wettbewerbsfaktoren, wie beispielsweise Agrartechnik, Pestizide, Gentechnik usw. Es ist daher logsich, dass die Landwirtschaft in ökonomischer Hinsicht bestrebt ist, durch Einsatz fortschrittlicher Wettbewerbsfaktoren Einsparungen im Bereich klassischer Produktionsfaktoren zu erzielen. Dies kann nur anhand neuster Produktionsmethoden geschehen, die insbesondere auf Einsparungen eben dieser klassischen Produktionsfaktoren abzielt. Eine agrarische Produktion die auf einem intensiveren Einsatz dieser klassichen Produktionsfaktoren setzt ist folglich in diesem Wettbewerbsumfeld wenig dienlich bzw. kontraproduktiv. Leider ist es so, dass die ökologische Produktion vor allem durch Verbot neuer Produktionsmethoden wie Gentechnik, Pestizideinsatz, Düngung usw. eben genau die Nutzung dieser fortschrittlichen Produktionsfaktoren verbietet. Folglich ergibt sich hieraus ein stärkerer Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Ausland, wo diese günstiger erhältlich sind. Eine Produktion der ökologischne Produkte im Ausland ist aus den genannten Gründen logische Konsequenz der für die ökologische Produktion ungeeigneten Standortfaktoren innerhalb der BRD.
nachtigallfan@gmx.de 20.01.2011
5. Rückkehr zu früheren Verhältnissen nötig
Warum soll der bisherige Trend zur industrialisierten Landwirtschaft unumkehrbar sein? Wichtig wäre es doch, daß die Löhne steigen. Denn mit dem geringen Lohn mancher Leute können diese nur Billigprodukte kaufen, die dafür auch billig produziert werden müssen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Den Leuten müßte aber gleichzeitig auch gute Ernährung wichtig sein. D.h. sie müßten bereit sein, mehr als die bisherigen 11% ihres Lohns/Gehalts für Lebensmittel auszugeben und dafür eher auf umweltschädliche Verhaltensweisen zu verzichten. Als da wären: - die vielen Billigflugreisen im Jahr reduzieren (Urlaub mit der Bahn oder eine Fahrradreise sind doch auch toll), - kein Geld für PS-starke Autos ausgeben (Warum denn immer mehr PS? Will man vor Kollegen oder Nachbarn protzen? Dadurch wird kein Benzin gespart, was aber sehr wichtig wäre. Man steht aber immerhin 10 Minuten schneller im nächsten Stau als bislang. Welch ein Fortschritt!), - Kleidung/Schuhe nicht nur für eine Saison zu kaufen (Dann kann man sich auch ewas qualitativ besseres leisen, das man auch bis zu 10 Jahre lang tragen kann, bis sie wirklich abgeragen sind. Dadurch spar man eine Menge Geld UND Müll!), - nicht ständig die neuesten Elektroartikel kaufen (sondern nur, wenn etwas defekt ist und ersetzt werden muß). Alle reden zwar von co2-Einsparungen, man solle sich energiesparende Geräte kaufen. Das soll wohl die Umsatz steigern, es steigert aber leider vor allem die Elektroschrottberge. Da kaum etwas davon recycelt wird, wachsen diese unaufhörlich. In wenigen Jahrzehnten haben wir Elektroschrotthalden, so hoch wie früher die Abraumhalden im Ruhrgebiet. Das ist sinnvoll und ökologisch? Alle reden sie doch davon, ihre (Enkel-)KInder sollen es mal besser haben. Dabei hinterlassen sie ihnen eine vergiftete und vermüllte Umwelt, die das Leben nur noch grauenhaft macht. In Wirklichkeit leben sie nach dem Motto: NACH MIR DIE SINTFLUT! Eine schöne Gesellschaft ist das....
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