Bundesgerichtshof Gericht untersagt Tabakwerbung im Internet

Niederlage für die Tabakbranche: Die Firmen hatten auf eigenen Websites Werbung für Zigaretten gemacht und so das Werbeverbot umgangen. Das haben Richter nun verboten.

Tabakwerbung
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Tabakwerbung


Für Websites von Unternehmen gelten die gleichen strengen Regeln des Tabakwerbeverbots wie für Zeitungen und Nachrichtenportale im Internet. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Der BGH gab damit Verbraucherzentralen Recht, die sich an einem Foto auf der Homepage des Unternehmens störten, auf denen gut gelaunte Menschen mit Zigaretten, Schnupftabak und einer Pfeife zu sehen waren.

Das Landgericht Landshut und das Oberlandesgericht München hatten darin eine unzulässige Tabakwerbung gesehen. Die dagegen gerichtete Revision eines niederbayerischen Tabakherstellers wies der BGH zurück.

Wegen der Gefahren für die Gesundheit darf in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen nicht fürs Rauchen geworben werden. Das Verbot gilt auch "in Diensten der Informationsgesellschaft". Darunter fallen Nachrichtenportale im Internet - und auch Unternehmensseiten, die sich an die "breite Öffentlichkeit" wenden, stellte der BGH in seinem Urteil fest.

Deutschland ist aber immer noch der einzige EU-Staat, in dem Tabakkonzerne auf Plakaten werben dürfen (Lesen Sie hier dazu einen Bericht).

hej/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
ahloui 05.10.2017
1. Völlig überzogen,
aber eben typisch... ...und inkonsequent dazu. Verbietet lieber den Verkauf von Tabak, das wäre wenigstens glaubwürdig
TheBear 05.10.2017
2. Wäre es nicht besser
Wäre es nicht besser ganz allgemein die Bildung der "Verbraucher" zu fördern, mit einem ganz wesentlichen Ziel: Die Leute zu befähigen *nicht* mehr auf die Werbung reinzufallen. Dazu müsste sich der Staat dazu durchringen, gegen alle Lobbys, den Verbraucher ehrlich, verständlich und wirksam aufzuklären, welche Gefahren jeweils ein Nahrungs- und/oder Genussmittel in sich trägt. Es ist völlig unsinnig, und auch beleidigend immer nur auf Verbote (Webung und/oder Verkauf) zu setzen. Wenn ein Mensch - wirksam aufgeklärt wurde und - sich auf *einfache* Weise übder mögliche Schäden von Tabak, Alkohol, Zucker usw. informieren kann, dann muss man den Rest dem Individum überlassen.
colonel64 05.10.2017
3. Nun ja...
Wenn auch nur mit einem Bruchteil der Energie, die gegen Rauchen aufgewendet wird, gegen die Allzeitdroge Alkohol vorgegangen würde, wäre schon viel erreicht und manches Leid womöglich verhindert. Mir scheint es so zu sein, daß , ganz egal was Du treibst, die Hauptsache ist Du rauchst nicht. Mann o mann. PS: Ich bin seit ca. 15 J. Nichtraucher
Bibs1980 05.10.2017
4. Bitte Schilderwerbung auch weg
Wir haben immer noch immense Probleme mit den legalen Drogen Alkohol und Tabak. Und dennoch darf auf Schildern noch ungeniert für das Lifestyleprodukt Tabak (100.000-120.000 Tote im Jahr in Deutschland) geworben werden. Beim Alkohol (74.000 Tote im Jahr in Deutschland) gehen, ist die Bigotterie noch größer. Die Drogenproduzenten sind Sponsoren von Sportveranstaltungen und der Stoff ist in jedem Supermarkt zu bekommen. Wann beginnt die Politik endlich, eine vernünftige Drogenpolitik zu betreiben? Man muss das Zeug ja nicht verbieten. Aber zumindest die Werbung dafür kann man verbieten. Und man kann den Zugang etwas erschweren, indem man die Drogen halt nur in Fachgeschäften kaufen kann. Ein Tabak- oder Alkoholladen, dessen Existenz davon abhängt, dass er den Jugendschutz einhält, ist kein Hindernis für Erwachsene, wohl aber ist damit dem Jugendschutz gedient. Interessanterweise sind das genau meine Argumente, wenn es um einen legalen Zugang zu Cannabis geht. Aber trotz geringerer Gefährlichkeit wird dort noch mit dem Strafrecht hantiert, wohingegen Alkohol- und Tabakproduzenten noch nahezu uneingeschränkt für ihre Drogen werben dürfen. Naha, Jamaika wird das hoffentlich ändern.
uzsjgb 05.10.2017
5.
Zitat von ahlouiaber eben typisch... ...und inkonsequent dazu. Verbietet lieber den Verkauf von Tabak, das wäre wenigstens glaubwürdig
Inwiefern "völlig überzogen"? Sollen Ihrer Meinung nach für Firmenwebseiten andere Regeln gelten, als für das restliche Internet? Und wieso? Ich halte es für besser, wenn überall die gleichen Gesetze gelten und es eben keine Ausnahmen gibt. Schon gar nicht für multi-nationale Firmen.
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