Tarife in der EU Handy-Gespräche im Ausland werden billiger

Nach dem Urlaub soll es keine bösen Überraschungen mehr geben: Wer mit seinem deutschen Mobiltelefon im europäischen Ausland unterwegs ist, zahlt auf Druck aus Brüssel nun weniger. Die EU-Kommission plant, auch die Preise für mobiles Internet zu senken.

Telefonieren im Urlaub: Handykosten im europäischen Ausland sinken
DPA

Telefonieren im Urlaub: Handykosten im europäischen Ausland sinken


Brüssel - Das freut die Reisekasse: Telefonieren mit dem Handy wird im europäischen Ausland billiger. Ab dem 1. Juli dürfen abgehende Anrufe statt 39 Cent pro Minute nur noch 35 Cent plus Mehrwertsteuer kosten, eingehende Anrufe dürfen maximal 11 Cent kosten. Der Empfang von Mailbox-Nachrichten im EU-Ausland muss umsonst sein.

Und die EU-Kommission fordert noch mehr: Ein neuer Vorschlag soll das "zugrundeliegende Problem" für teure Telefonate im Ausland angehen und den Wettbewerb auf den Roaming-Märkten fördern. Trotz Vorgaben aus Brüssel sei dieser bisher nicht in Gang gekommen: "Die Preise bleiben hartnäckig in der Nähe der für Endkunden erlaubten Preisobergrenzen", schreibt die Kommission.

Die sogenannten Roaming-Gebühren fallen für Gespräche an, die ein Handy-Besitzer außerhalb des eigenen Netzes im Ausland führt. Mobilfunkanbieter sind seit 2007 verpflichtet, die Obergrenze für die Gebühren zu senken. Diese Regelung läuft 2012 aus und soll nun bis 2016 verlängert werden. Brüssel will, dass Roaming-Kosten langfristig entfallen.

Die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes kündigte an, sie wolle das Problem "mit einem dauerhaften strukturellen Lösungsansatz an der Wurzel packen". Die Niederländerin will nun Vorschläge machen, wie der Wettbewerb auf dem Markt für das Telefonieren mit dem Handy im Ausland gestärkt werden kann. Nach Angaben ihres Sprechers soll der Plan der Kommissarin in der kommenden Woche vorliegen.

Preis pro Megabyte soll von 2,50 Euro auf 50 Cent sinken

Brüssel will auch der Kostenfalle Internet einen Riegel vorschieben: Ein neuer Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, erstmals auch beim mobilen Internet Obergrenzen für Verbraucherpreise zu setzen. Urlauber, die im EU-Ausland über das Handy im Netz surfen, sollen pro Megabyte maximal 90 Cent plus Mehrwertsteuer zahlen. Bis 2014 soll der Höchstpreis dann auf 50 Cent pro Megabyte fallen. Heute zahlen Verbraucher im Schnitt 2,50 Euro. In der nächsten Woche will die Kommission ihren Vorschlag offiziell vorlegen. Gelten würden die neuen Verbraucherpreise für das mobile Surfen dann von Juni 2012 an.

Bislang regelt die EU-Kommission nur die entsprechenden Großhandelspreise, die sich Betreiber gegenseitig in Rechnung stellen. Sie sinken von diesem Freitag an von 80 Cent pro Megabyte auf 50 Cent.

Vorgaben aus Brüssel sollen Verbraucher auch heute schon vor dem Rechnungs-Schock am Monatsende schützen: Die automatische gesetzliche Kostenobergrenze von 50 Euro pro Monat plus Mehrwertsteuer bleibt erhalten und kommt zum Beispiel Urlaubern zugute, die im EU-Ausland gerne ihre Emails über das Handy lesen. Betreiber müssen Verbraucher per SMS oder E-Mail warnen, wenn diese sich dem 50-Euro-Limit nähern. Bestätigt der Nutzer nicht ausdrücklich, dass er online bleiben will, wird die Verbindung gekappt.

Mobilfunkbetreiber tricksen

Wer glaubt, dass er ab 1. Juli im Urlaub automatisch zum günstigen EU-Tarif spricht, der irrt, wie Rafaela Möhl vom Online-Ratgeber Teltarif sagt. Mobilfunkbetreiber versuchten trickreich, die Obergrenzen zu umgehen. Vertragskunden würden häufig stärker zur Kasse gebeten als eigentlich nötig. Bei neueren Handyverträgen seien teurere Verbindungen meist voreingestellt, hat Teltarif herausgefunden. Das betreffe Kunden von Telekom, Vodafone, E-Plus und O2. Nur mit Prepaid-Guthaben-Karte lasse sich tatsächlich zum günstigsten Preis telefonieren.

Nur wer noch vor der Abreise aktiv bei seinem Anbieter die günstigsten Gebühren verlangt und einstellen lässt, kann sicher sein, dass er wirklich vom gedeckelten EU-Tarif profitiert, raten die Experten von Teltarif. Sonst kann es passieren, dass bei abgehenden Gesprächen beispielsweise Kosten von 29 bis 30 Cent pro Minute anfallen plus einmalig 75 Cent pro Verbindung. "Kurze Anrufe daheim werden damit immer tendenziell teurer als mit dem EU-Tarif", so Möhl.

kra/AFP/dpa/dapd

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Seite 1
faxfax 30.06.2011
1. Weiter so
Zitat von sysopNach dem Urlaub soll es keine bösen Überraschungen mehr geben: Wer mit seinem deutschen Mobiltelefon im europäischen Ausland unterwegs ist, zahlt auf Druck aus Brüssel nun*weniger. Die EU-Kommission plant, auch die Preise für mobiles Internet zu senken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,771629,00.html
Toll, dass sich die EU um so die lebenswichtigen Dinge kümmert. Als nächstes sollten die Parkgebühren in europäischen Städten auf z.B. einheitlich 40 cent pro Stunde gesenkt werden.
Mocs, 30.06.2011
2. Toll
ich habe vor Freude geweint. Meine Partnerin auch. Der Hund weint immer noch. Und das Stubenkänguruh unseres Nachbarn ist voller Freudenekstase weggehüpft. Kann die EU auch was anderes als dumpfe Quersubventionierungen ? Wer sich a) einen Auslandsurlaub leisten kann und b) gern mit dem Mobiltelefon angibt der c) muß protegiert werden. Aber eine Gleichbehandlung von Cannabis in D und NL überfordert die Specknacken.....
UnitedEurope 30.06.2011
3. Titellos
Zitat von faxfaxToll, dass sich die EU um so die lebenswichtigen Dinge kümmert. Als nächstes sollten die Parkgebühren in europäischen Städten auf z.B. einheitlich 40 cent pro Stunde gesenkt werden.
Und wenn sich die EU nicht drum kümmert, wird gemeckert es ist doch immer das gleiche... Es gibt 27 Komissare, da kann ja wohl wenigstens einer seinem Job nachgehen. Ich persönlich finde das sehr praktisch, mann kann so billiger im Ausland telefonieren bzw. dort anrufen und muss weniger Angst vor Abzocke haben.
meimei, 01.07.2011
4. Titel entzogen von der Uni Bayreuth (c.p gianpaolo77)
Zitat von faxfaxToll, dass sich die EU um so die lebenswichtigen Dinge kümmert. Als nächstes sollten die Parkgebühren in europäischen Städten auf z.B. einheitlich 40 cent pro Stunde gesenkt werden.
nun seien Sie nicht so. Das ist eines der wenigen Dinge, die mal was gutes haben. Immerhin kann man in Roaming-Gebieten auch mal Rechnungen in fünfstelliger Höhe haben. Nun nur noch 50€+MwSt. Falls Sie eher zur elteren Generation zählen (Spiegel und so), das bezieht sich auf die Preise für den Datenverkehr ihres Mobilfunktelefones. Oder Neudeutsch, Smartphone. Ich persönlich finde es Schade, dass es erst 2014 weiter gesenkt werden sollen. Auch die Datenpreise sind leider nicht mehr so deutlich gesenkt worden wie in der Vergangenheit. Und natürlich schmerzt das den Mobilfunkbetreibern. Sie verdienten sich ja eine extrem große goldene Nase mit den Roaminggebühren, und ja immer noch. Nur in Europa gibt es jetzt doch Einschränkungen. Und natürlich gibt es wesentlich wichtigeres. Aber auch viele kleinere Dinge sind am Ende was. Gurken war ein Gag. Klühbirnen ein weiterer. Wasserspülungen und Brausen werden glaube ich noch diskutiert. (Schrecklich, ich mag eine Dusche mit ordentlich Dampf)
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