Wirtschaft


Höhere Tarifgehälter: Arbeitnehmer profitieren von guter Konjunktur

Die relativ gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft schlägt sich in höheren Gehältern nieder. Laut Statistischem Bundesamt haben die Tarifparteien im ersten Halbjahr oft Steigerungen von mehr als 3,5 Prozent vereinbart. Selbst nach Abzug der Inflation bleibt den Beschäftigten ein Plus.

Mechaniker bei MAN-Turbo: Kräftiges Plus auch in der Metall- und ElektroindustrieZur Großansicht
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Mechaniker bei MAN-Turbo: Kräftiges Plus auch in der Metall- und Elektroindustrie

Wiesbaden - Zahlreiche deutsche Branchen haben von Januar bis Juni Lohnerhöhungen von 3,5 Prozent und mehr vereinbart. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben die Tarifparteien entsprechende Verträge nicht nur für den Öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden und für die Metall- und chemische Industrie abgeschlossen, sondern auch für kleinere Branchen. Regional seien für Gaststättengewerbe, Kraftfahrzeughandel und Elektrohandwerk vier Prozent Erhöhung vereinbart worden, teilten die Statistiker mit.

Auch in anderen Branchen haben sich die Einkommen der Beschäftigten erhöht: Bei ihnen traten Tariferhöhungen in Kraft, die bereits in den Vorjahren beschlossen worden waren. Allerdings fielen diese in der Regel niedriger aus, heißt es beim Statistischen Bundesamt.

Auch real haben die Tarifbeschäftigten mehr Geld in der Tasche. Grund ist die verhältnismäßig niedrige Inflation - im Juni hatte sie mit 1,7 Prozent den geringsten Stand seit Ende 2010 erreicht. Im August zogen die Verbraucherpreise aber wieder etwas an und lagen um 2,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Ausgewählte Tariferhöhungen im ersten Halbjahr 2012
Abschluss Tarifbereich Ergebnis
Mai/Juni 2012 Kraftfahrzeughandel, Baden-Württemberg 4,0 % ab 01.06.2012, (plus 0,6 % ab 01.01.2012 aus vorherigem Tarifvertrag),
Hessen 3,8 % ab 01.06.2012, (plus 0,6 % ab 01.02.2012 aus vorherigem Tarifvertrag)
Mai 2012 Hotel- und Gaststättengewerbe Bremen 4,1 % ab 01.04.2012
Mai 2012 Chemische Industrie 4,5 % ab 01.07.2012, Beginn des Tarifvertrags regional abweichend
Mai 2012 Metall- und Elektroindustrie 4,3 % ab 01.05.2012
März 2012 Öffentlicher Dienst Bund und Gemeinden TVöD 3,5 % ab 01.03.2012, 1,4 % ab 01.01.2013, 1,4 % ab 01.08.2013
März 2012 Medizinische Fachangestellte/ Arzthelferinnen 2,9 % ab 01.04.2012
Januar–März 2012 Elektrohandwerk, Baden-Württemberg, Schleswig Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Bremen 4,0 % ab 01.04.2012, 3,5 % ab 01.05.2012, 3,0 % ab 01.02.2012
Januar 2012 Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte) 2,9 % ab 01.01.2012
Januar 2012 Schuhindustrie 3,3 % ab 01.01.2012
April 2011 Transport- und Verkehrsgewerbe Rheinland-Pfalz 2,1 % ab 01.04.2012
Juni–August 2011 Einzelhandel 2,0 % ab 01.06.2012, Beginn des Tariferhöhung regional abweichend
Juni–August 2011 Groß- und Außenhandel 2,4 % ab 01.04.2012, Beginn des Tariferhöhung regional abweichend
April 2011 Baugewerbe, West 2,3 % ab 01.06.2012
März 2011 Öffentlicher Dienst der Länder TV-L 1,9 % plus 17 Euro ab 01.01.2012
März 2011 Textilindustrie, Ost 2,3 % ab 01.04.2012
2010 Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitende Industrie 1,3 % ab 01.03.2012
Quelle: Statistisches Bundesamt
Besonders umfangreich fiel das Lohnplus zu Jahresbeginn für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst bei Bund und Gemeinden aus. Der Tarifabschluss sieht Entgeltsteigerungen von 3,5 Prozent von März 2012 an sowie von jeweils 1,4 Prozent von Januar und August 2013 an vor. Die Laufzeit beträgt 24 Monate.

In der Metall- und Elektroindustrie einigten sich die Tarifvertragsparteien auf ein Plus von 4,3 Prozent von Mai 2012 an für 13 Monate. Der Abschluss in der chemischen Industrie bringt den Beschäftigten von Juli an für 18 Monate 4,5 Prozent mehr Lohn. Ähnlich kräftige Entgelterhöhungen haben kleinere Branchen abgeschlossen, etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe oder im Kraftfahrzeughandel.

Am geringsten fiel das Plus in Branchen aus, die ihre Abschlüsse schon deutlich früher beschlossen hatten. So mussten sich die Beschäftigten im Groß- und Außenhandel mit 2,4 Prozent mehr begnügen, im Einzelhandel wurden zwei Prozent wirksam.

nck/dpa/dapd

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insgesamt 130 Beiträge
elwu 31.08.2012
für die Arbeitnehmer in Betrieben, die (noch) einem Tarifverbund angehören. Der große Rest aber hat weitaus niedrigere Erhöhungen erhalten, wenn überhaupt welche.
für die Arbeitnehmer in Betrieben, die (noch) einem Tarifverbund angehören. Der große Rest aber hat weitaus niedrigere Erhöhungen erhalten, wenn überhaupt welche.
inhabitant001 31.08.2012
Problem dabei: viele Beschäftigte erhalten überhaupt keinen Tariflohn. Um die Wirtschaftsförderung Sachsen zu den Vorteilen des Wirtschaftsstandortes Sachsen zu zitieren: "Unmittelbare Tarifbindung < 10 Prozent, [...]
Problem dabei: viele Beschäftigte erhalten überhaupt keinen Tariflohn. Um die Wirtschaftsförderung Sachsen zu den Vorteilen des Wirtschaftsstandortes Sachsen zu zitieren: "Unmittelbare Tarifbindung < 10 Prozent, gewerkschaftlicher Organisationsgrad 15 - 20 Prozent, Betriebsratsquote circa 30 Prozent." Preisfrage: wie viele sächsische Arbeitnehmer profitieren von der guten Konjunktur?
Thaeve 31.08.2012
Tariflohn? Wie viele bekommen den heutzutage denn noch? Wenn überhaupt doch die 1stclass Stammbelegschaften.
Zitat von sysopHöhere Tarifgehälter: Arbeitnehmer profitieren von guter Konjunktur
Tariflohn? Wie viele bekommen den heutzutage denn noch? Wenn überhaupt doch die 1stclass Stammbelegschaften.
klausbrause 31.08.2012
Kein Wort dazu wie viele Beschäftigte von diesen exorbitanten Abschlüssen betroffen sind. Kein Wort über die Abschlüsse der vergangenen Jahre. Mogeleien bei Laufzeiten deutlich länger als ein jahr und dem Vergleich mit der [...]
Kein Wort dazu wie viele Beschäftigte von diesen exorbitanten Abschlüssen betroffen sind. Kein Wort über die Abschlüsse der vergangenen Jahre. Mogeleien bei Laufzeiten deutlich länger als ein jahr und dem Vergleich mit der jährlichen Inflationsrate. Es ist billig und erbärmlich wie hier Stimmung gemacht wird.
kulinux 31.08.2012
Und für wieviel % der Beschäftigten in Deutschland gilt dies? Wieviele sind im Rahmen eines Tarifvertrages angestellt? Anscheinend sind ja nicht einmal alle Berufsgruppen betroffen, für die es Tarifverträge gibt. … Vor allem [...]
Zitat von sysopDie relativ gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft schlägt sich in höheren Gehältern nieder. Laut Statistischem Bundesamt haben die Tarifparteien im ersten Halbjahr oft Steigerungen von mehr als 3,5 Prozent vereinbart. Selbst nach Abzug der Inflation bleibt den Beschäftigten ein Plus. Tarifgehälter in vielen Branchen um 3,5 Prozent und mehr gestiegen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,853168,00.html)
Und für wieviel % der Beschäftigten in Deutschland gilt dies? Wieviele sind im Rahmen eines Tarifvertrages angestellt? Anscheinend sind ja nicht einmal alle Berufsgruppen betroffen, für die es Tarifverträge gibt. … Vor allem aber: Wieviele der nicht nach Tarifen bezahlten Minijobber, Leiharbeiter etc. haben keine Lohnerhöhung bekommen. Ich wette, dass die Lohnsteigerungen im Tarifbereich durch die Lohndeckelungen und die Ausweitung des Niedriglohnsektors gesamtvolkswirtschaftlich mehr als aufgewogen werden … aber wo kämen wir denn hin, wenn solche Zusammenhänge ausgerechnet im SPIEGEL vielleicht objektiv berichtet werden würden …?
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  • Freitag, 31.08.2012 – 12:38 Uhr
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