Unerlaubte Anrufe Verbraucher beschweren sich immer häufiger über Telefonwerbung

Sie ist oft lästig und nicht selten unerlaubt: Telefonwerbung. Verbraucher wehren sich immer häufiger - die Zahl der Beschwerden bei der Bundesnetzagentur ist in diesem Jahr stark gestiegen.

Callcenter-Mitarbeiterin
DPA

Callcenter-Mitarbeiterin


Es ist fast eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr: 2017 hat die Zahl der Beschwerden über lästige und unerlaubte Telefonwerbung stark zugenommen. Bei der Bundesnetzagentur gingen bis Ende November 52.342 schriftliche Beschwerden ein. Im Vorjahr waren es im gesamten Jahr nur rund 29.300 gewesen.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor, über die die "Saarbrücker Zeitung" berichtet. In den beiden Jahren vor 2016 lag die Zahl demnach noch niedriger: 2014 bei rund 26.200 und 2015 bei etwa 24.500 Beschwerden.

Telefonwerbung unterliegt in Deutschland strengen Regeln. Niemand darf zu Werbezwecken angerufen werden, ohne dass er vorher ausdrücklich zugestimmt hat.

SPIEGEL TV Magazin: Bei Anruf Betrug - Die Callcenter-Mafia

SPIEGEL TV

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die starke Zunahme 2017 verschiedene Gründe hat. So seien unter anderem Verbraucher für das Thema sensibilisiert, weil die Medien viel über unerlaubte Werbung am Telefon berichteten. Über eine erneuerte Online-Beschwerdeplattform der Bundesnetzagentur könnten Beschwerden zudem einfacher abgegeben werden. (Hier finden Sie die entsprechende Website.)

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer forderte schärfere Gesetze: Verträge aus unerlaubten Anrufen sollten von den Kunden immer zusätzlich schriftlich bestätigt werden müssen, sagte er der Zeitung. "Das dürfe die Zahl der Vertragsabschlüsse einbrechen lassen und damit auch das Abzockmodell unattraktiv machen." Zudem seien die Bußgelder zu niedrig.

Bislang liegt die Höchstgrenze bei 300.000 Euro. Im August hatte die Bundesnetzagentur mitgeteilt, dass sie ein Bußgeld in dieser Maximalhöhe gegen den Stromversorger Energy2day verhängt habe. Zuvor waren rund 2500 Beschwerden über Werbeanrufe der Firma eingegangen. Es war das erste Mal, dass die Bundesnetzagentur ihren Bußgeldrahmen voll ausschöpfte.

fdi/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 83 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
doitwithsed 28.12.2017
1.
Es scheint nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Aggressivität zu steigen. Manche scheinen mit purer Gewalt ihre Mission durchführen zu wollen und scheuen sich nicht in Form von Telefonterror alle fünf Minuten wiederholt anzurufen (nun gut, auch das ist ja eine Häufigkeitssteigerung). Oder tagelang immer wieder, auch wenn man den Anruf angenommen hat und eine Unterlassung klarstellt. Es gibt übrigens auch Bewertungsportale für Rufnummern. Einfach diese in eine Suchmaschine eingeben und schauen, was andere dazu sagen. Meist sind diese Firmen dort schon sattsam bekannt.
jhea 28.12.2017
2. Ich versteh das Problem nicht...
Wenn jemand am Telefon sagt: Hallo ich rufe im Namen der Firma xy an, haben sie kurz zeit... sagt mein Dad immer, nein danke nicht interessiert und legt auf. Das ist noch höflich, denn ich mache mir die Mühe zu antworten gar nicht und lege direkt auf. Oh Boy, wenn jetzt jeder nur einfach auflegen würde, wenn man anrufe erhält die man nicht will, und die einen belästigen... Es ist ja nicht so, als wäre derjenige direkt vor mir und könnte mir ins Gesicht schlagen wenn ich mich einfach wegdrehe. Was will er machen? erneut anrufen? HAHAHA leg ich nochmal auf. Vlt sag ich noch 'das nächste was du hörst ist wenn der Höhrer aufgelegt wird' oder 'ich fahre jetzt in einen Tu...' klick*
qoderrat 28.12.2017
3. Bußgelder
Die Bußgelder sind viel zu niedrig, darüber lachen doch die Marketingabteilungen der einschlägigen Unternehmen die diese Dienste in Anspruch nehmen. Ich wundere mich immer dass sich diese Drückermethoden für Firmen noch rentieren, wer schließt den eine Versicherung ab bei einem Unternehmen mit so einem Geschäftsgebaren? Ich habe jetzt schon 126 Einträge von Nummern im Telefonbuch des Mobiltelefons die direkt auf den AB weitergeleitet werden. Manche dieser Telefon-Terroristen versuchen einen 20 mal an einem Tag zu erreichen, andere schrecken auch vor einem Anrufversuch um 01:00 Uhr nachts oder 05:00 Uhr morgends nicht zurück. Ich habe das Formular der Bundesnetzagentur dieses Jahr schon mindestens 20 Mal ausgefüllt, aber ich fürchte viel mehr als eine statistische Auswertung kommt dabei nicht heraus. Wie im Artikel schon enthalten gibt es nur einen Weg dieses Unwesen aus der Welt zu schaffen. Ein gültiger Vertrag kommt erst zustande, wenn dieser schriftlich bestätigt ist, damit wäre dem Geschäftsmodell sofort die Luft abgelassen.
rauschgiftengel 28.12.2017
4. Einfach...
... den Vorschlag von Herrn Krischer umsetzen. Das würde den mindestens halbkriminellen, großen Teilen der Callcenter-Branche das Wasser abgraben. Es gibt da ja so einige Unternehmen, die sowohl in Richtung Kunden, Auftraggebern als auch Beschäftigten einfach und im gesetzlichen Sinne verbrecherisch handeln. Und das mit System. Und dabei reden wir nicht nur von irgendwelchen Unternehmen, die von mafiösen Strukturen aus dem Ausland gefördert werden, sondern auch so manch selbsternannte, deutsche “Top-Arbeitgeber“, die Auftragnehmer großer Konzerne sind.
torsten.keiser 28.12.2017
5. Selbsthilfe
Ich habe eine Fritzbox, die Telefonfunktion habe ich so konfiguriert, dass ich Rufnummern sperren kann. Ruft so jemand an, landet seine Nummer auf der Blacklist (muss nicht mal die direkte Durchwahl sein, mann kann auch Blöcke sperren). Anrufer, die ihre Rufnummer nicht übertragen, werden prinzipiell nicht durchgestellt. Wenn man nun noch die Zeitfunktion aktiviert ist (Während festgelegter Zeiten werden nur bestimmte Anrufe durchgestellt), dann ist wieder Ruhe.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.