Banken-Abzocke Warum Sie mit dieser Blondine besser nicht anbandeln

Die Branche nennt es "Skalp-Geld": Über hundert Euro Prämie versprechen manche Banken für den Wechsel des Girokontos. Das klingt verlockend. Doch tatsächlich haben solche Angebote meist teure Haken.


Die junge Frau lächelt verheißungsvoll vom Plakat. Sie verspricht 108 Euro Prämie, naja, genaugenommen "bis zu" 108 Euro - aber dafür jedes Jahr. Und Guthabenverzinsung soll es auf dem 1-2-3 Girokonto der Santander Bank noch obendrauf geben.

Lohnt es sich, wegen dieses Prämien-Angebots das Girokonto zu wechseln?

Vermutlich nein.

Theoretisch mag es möglich sein, alle Bedingungen im Kleingedruckten zu erfüllen, die erforderlich sind, um die komplette Prämie mitzunehmen. Wahrscheinlicher ist: Sie haben gar kein Wertpapier-Depot, das sie zur Santander Bank verlegen wollen oder können (36 Euro weniger Prämie). Und sie wollen auch keine Baufinanzierung bei Santander abschließen (noch mal 36 Euro weniger Prämie). Zumal das Wertpapier-Depot zwar 36 Euro Prämie im Jahr einbringt, gleichzeitig aber mindestens 47,88 Euro kostet. Vermutlich also ist Santander nichts für Sie.

Interessanter ist Santanders trickreiche Offerte da schon für Verbraucherschützer - denn sie ist kein Einzelfall. Auch die Commerzbank ("100 Euro Wochenendprämie"), die Netbank ("130 Euro Bonus") und Cortal Consors ("100 Euro Bonus") werben mit Prämien, um zum Wechsel an ihr Geldinstitut und zur Kontoeröffnung dort zu verführen. Die vielen Wechselkampagnen zeigen, dass diese Banken neue Kundschaft wittern: Denn die Treue zur angestammten Kontoverbindung ist bei vielen Kunden durch Finanzskandale, hohe Gebühren und schlechte Angebote erschüttert.

Zeitgemäße Konto-Konditionen

Auch einige Volksbanken und Sparkassen haben ihren Anteil am fortschreitenden Vertrauensverlust ins System. Wer treuen Kunden wie meinem Onkel nach vierzig Jahren noch immer acht Euro im Monat für das Girokonto berechnet, das Festgeld aber nur mit mickerigen 0,2 Prozent verzinst, muss sich nicht wundern, wenn der beginnt, mit Santanders Blondine zu liebäugeln.

150 Euro Kosten im Jahr rund ums Girokonto kommen da schnell zusammen, wie wir bei Finanztip gerade festgestellt haben. Das günstige Girokonto ist das neue Sahnestück, mit dem enttäuschte Kunden nun gelockt werden können.

Banken haben sich das neue Spiel mit lukrativ klingenden Bargeldprämien bei Strom- und Telefonanbietern abgeschaut. Im Bankgeschäft sind es die großen Player, die nun den Sparkassen und Volksbanken ihre Privatkunden abspenstig machen wollen. Volksbanken-Präsident Uwe Fröhlich hat diese Gefahr offenbar erkannt. Er nennt die Prämien von Santander und Co. erbost "Skalp-Geld".

An dieser Stelle muss man die Volksbank-Konkurrenz in Schutz nehmen, skalpieren will keine Bank ihre Kunden. Denn tot nützen die Kunden den Banken ja nichts mehr. Selbst die aggressivsten Bankiers nehmen ihren Kunden nicht das Leben, sondern nur das Geld. Die Sparkassen und Volksbanken müssen sich aber überlegen, wann sie ihren Kunden endlich zeitgemäße Konto-Konditionen anbieten wollen. Dann bräuchten Sie sich weder vor Blondinen zu fürchten noch vor Skalpjägern.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



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lonicerus 03.10.2014
1. Service
Hinzu kommt, dass man heute ja fast keinen Bankangestellten mehr zu Gesicht bekommt. Filialen werden geschlossen oder durch Automaten ersetzt. Wo soll da noch eine Kundenbindung bestehen?
Newspeak 03.10.2014
2. ...
Es wäre so einfach. Man könnte das Recht auf ein kostenfreies Girokonto einfach ins Gesetz schreiben. Genauso, wie man den Banken Wucherzinsen auf Dispokredite verbieten könnte. Es funktioniert nicht ohne gesetzliche Regulierung. Es wäre überhaupt zu überlegen, wozu man private Banken braucht? Geld ist eine Hoheitsaufgabe. Man sollte ALLE Banken verstaatlichen und erst mal radikal die Hälfte zerschlagen, bis man wieder dort angekommen ist, was wirklich nötig und sinnvoll ist.
elmond 03.10.2014
3. Leicht
Satander ist das schlechteste Angebot was ich in diesem Bereich bisher gesehen habe. Oft sind es interessantere Angebote, wo man relativ leicht 50€ bis 150€ bekommen kann. Ich kenne einige, die lediglich die Prämien abgreifen, aber nie echte Kunden werden. So erfüllen sie die Bedingungen (meist Teil für die Eröffnung und dann eine Teilprämie für Geldeingänge pro Monat) und kündigen dann wieder. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das für die Banken lohnt. Aber sie holen das ja auch wieder woanders rein und den Aktionär interessieren nur die blossen Zahlen, auch wenn sie sich diese als leere Luftnummern herausstellen.
genugistgenug 03.10.2014
4. hoffnungslos, völlig hoffnungslos
das werden die meisten Deutschen nie kapieren, dass Bonus und Rabatte immer VORHER eingerechnet werden (eingerechnet um das zu schwere Wort einkalkuliert zu vermeiden) Vor kurzem gab es doch die Möbelhauswerbung mit Gratisurlaub irgendwohin. Als vor kurzem das Wort 'Negativrendite' im Gespräch aufkam, hat tatsächlich einer behauptet, auch so bekommt er immer noch eine Rendite von seinem Geld. Vermutlich wundert er sich nicht mal, wieso die Summe immer weniger wird. Doch solange die Leute nicht nach TCO (total cost of ownership) rechnen, haben sie schlichtweg den Paragraphen 'sz' (selber tzschuld) gezogen. Die brauchen das einfach, denn hinterher jammern und auf andere schimpfen befreit vom anstrengenden selbst denken :-)
hirlix 03.10.2014
5.
Auch die Sparkasse versucht ihre Kunden zu bescheissen, der Unterschied ist nur, dass Santander das im Internet und mit Werbung macht, die Sparkasse jedoch in persönlichen Beratungsgesprächen, die in der zugegebenermassen gut erreichbaren Filiale stattfinden. Wer sich da nicht schon vorher schlau macht oder durch den Beruf Erfahrung mit Geldanlagen hat, wird leicht über den Tisch gezogen.
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