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29. Juni 2017, 16:38 Uhr

Preissteigerungen

Teure Lebensmittel treiben Inflation

Das Leben in Deutschland war im Juni 1,6 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Die Inflation ist damit überraschend stark gestiegen. Preistreiber waren unter anderem Milch und Butter.

Die Inflation in Deutschland hat wieder zugelegt. Im Juni stiegen die Verbraucherpreise um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im Mai hatte die Rate noch bei 1,5 Prozent gelegen, im April bei 2,0 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht bei Werten knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Weil die Inflation in den vergangenen Jahren deutlich darunter lag, hatte die EZB den Leitzins in der Eurozone auf Null gesenkt und ein billionenschweres Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen gestartet. Weil sich die wirtschaftliche Lage zuletzt verbessert und die Inflation erhöht hat, rechnen Experten damit, dass die EZB ihre Politik ab 2018 langsam ändert.

In Deutschland steigen die Preise derzeit etwas stärker als im Schnitt der Eurozone. Ein Grund sind unter anderem die Nahrungsmittel. Sie kosteten im Juni 2017 laut Statistischem Bundesamt 2,8 Prozent mehr als im Juni 2016.

Milch und Butter drastisch teurer

Besonders für Milchprodukte mussten die Verbraucher tiefer in die Tasche greifen, nachdem viele Molkereien mit großen Einzelhändlern höhere Preise durchsetzen konnten: So kostete Vollmilch in einigen Regionen gut ein Fünftel und Butter bis zu drei Viertel mehr.

Auch Dienstleistungen verteuerten sich mit 1,7 Prozent überdurchschnittlich, da Pfingsten diesmal auf den Juni fiel und nicht wie 2016 auf den Mai. Das machte das Reisen teurer. Für Wohnungsmieten wurden 1,8 Prozent mehr gezahlt. Energie - die lange Zeit die Inflation steigen ließ - kostete diesmal genauso viel wie ein Jahr zuvor.

Experten wie die vom Münchner Ifo-Institut rechnen in diesem Jahr mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 1,7 Prozent. 2016 lag sie nur bei 0,5 Prozent.

Die Verbraucher lassen sich von höheren Preisen bislang nicht beeindrucken. Sie blicken sogar so zuversichtlich auf ihr künftiges Einkommen wie noch nie seit der Wiedervereinigung, ermittelten die GfK-Konsumforscher bei ihrer monatlichen Umfrage. Dadurch kletterte das von ihnen berechnete Konsumklima für Juli überraschend um 0,2 auf 10,6 Punkte und markiert den höchsten Stand seit Oktober 2001. "Er ist schon erstaunlich, dass sich die Stimmung bei den Verbrauchern immer noch weiter verbessern kann", sagte Ökonomin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim.

stk/Reuters/dpa

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