Neues Label für Tierwohl "Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Wegwerfware"

Die Bundesregierung will Bauern dazu bringen, ihren Tieren mehr Raum zu geben und Stress zu reduzieren. Agrarministerin Julia Klöckner führt dafür eine dreistufige Kennzeichnung für Fleisch ein.

Julia Klöckner (Archivbild)
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Julia Klöckner (Archivbild)


Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat ein neues staatliches Tierwohllabel vorgestellt: Die geplante Kennzeichnung für Fleisch im Supermarkt soll Verbrauchern Aufschluss über die Umstände der Tierhaltung geben und Landwirte zu Verbesserungen dabei anregen. Die Vorgaben betreffen Ställe, Transport und Schlachtung.

"Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Wegwerfware", sagte Klöckner. Deshalb gehe das Thema alle an, "nicht nur die Tierhalter, sondern auch Handel, Gastronomie und Verbraucher".

Das staatliche Label soll voraussichtlich ab 2020 zunächst für Schweinefleisch gelten. Die dreistufige Kennzeichnung soll über die Haltungsbedingungen der Tiere von der Geburt bis zur Schlachtung informieren. Um mit dem Label auf den Verpackungen werben zu dürfen, müssen die Anbieter Klöckner zufolge die höheren Tierschutzanforderungen "verpflichtend und überprüfbar" erfüllen.

Mehr Platz, besserer Transport, Weiterbildung der Halter

Dadurch soll es nach Angaben der Ministerin Verbesserungen etwa beim Platzangebot in den Ställen, bei den Beschäftigungsmaterialien für die Tiere und bei deren Transport geben, aber auch bei Fortbildung und Stallmanagement der Tierhalter.

So ist etwa geplant, dass in der untersten Stufe Ferkel mindestens 25 Tage von ihrer Mutter gesäugt werden dürfen, in der dritten, obersten Stufe sind es 35 Tage. Gesetzlich vorgeschrieben sind 21 Tage.

Außerdem soll es Verbesserungen in den sogenannten Buchten, den voneinander abgetrennten Abteilungen in den Schweinenställen, geben. Vorgesehen sind unterschiedliche Bereiche zum Fressen, Ausruhen und Bewegen.

Die Tiere sollen auch mehr Platz bekommen: in der untersten Stufe laut Klöckner "20 Prozent mehr" für jedes Schwein. Gesetzlich vorgeschrieben sind für Schweine zwischen 50 und 110 Kilogramm Gewicht 0,75 Quadratmeter. In der untersten Stufe sollen es 0,9 Quadratmeter sein, in der obersten Stufe sind 1,5 Quadratmeter inklusive einem halben Quadratmeter Auslauf geplant.

Kritik von Tierschützern

Diese Vorgaben führen nach Angaben Klöckners zu höheren Kosten für die Produzenten und damit auch höheren Preisen für die Verbraucher. "Jeder kann sich dann bewusst entscheiden, ob er in mehr Tierwohl investieren möchte." Geplant ist zudem eine mehrjährige Informationskampagne, für die 70 Millionen Euro bereit gestellt werden sollen.

Das Tierwohllabel ist freiwillig. Kritiker fordern eine verpflichtende Kennzeichnung und werfen Klöckner zudem vor, ihre Kriterien seien nicht streng genug. Die Ministerin werte "das Fleisch von Schweinen aus schlechter Tierhaltung auf, statt Missstände zu beseitigen", kritisierte Greenpeace. Die unterste Stufe des Labels sei eine "Verbrauchertäuschung", die den Beinamen Tierwohl nicht verdiene, kritisierte der Deutsche Tierschutzbund.

Die großen deutschen Lebensmittelhändler wollen bereit ab April ein einheitliches System zur Haltungskennzeichnung bei Rinder- und Schweinefleisch sowie Geflügel einführen.

kko/dpa/AFP

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