Tipps für die Krankenversicherung Kasse oder privat?

Seit Januar können Verbraucher leichter zu einer privaten Krankenversicherung wechseln. Doch die Tarife sind oft teurer, als es scheint: "Finanztest" hat die Leistungen gesetzlicher und privater Anbieter verglichen - und zeigt, worauf Interessenten bei einem Wechsel achten sollten.

Private Krankenversicherung: Wechseln leicht gemacht
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Private Krankenversicherung: Wechseln leicht gemacht


Kasse oder privat? Seit Anfang 2011 haben mehr Menschen die Qual der Wahl: Arbeitnehmer dürfen sich nun wieder privat versichern, wenn ihr Einkommen einmalig über der Versicherungspflichtgrenze von 49.950 Euro brutto lag. Bisher musste ihr Verdienst drei Jahre lang über der Grenze liegen.

Doch Achtung: Die Wahl der Versicherung ist oft eine Entscheidung fürs Leben. Zurück in die gesetzliche Versicherung können Versicherte meist nur, wenn sie als Arbeitnehmer mit ihrem Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegen. Ab einem Alter von 55 Jahren bleibt der Weg zurück in die gesetzliche Versicherung in fast allen Fällen versperrt.

Eine private Krankenversicherung kann viele Vorteile haben: In den meisten Tarifen bezahlen die Versicherer mehr Honorar an Ärzte, übernehmen auch rezeptfreie Medikamente, Behandlungen durch Heilpraktiker und die Kosten für den Chefarzt.

Das hat allerdings seinen Preis: Die Beiträge sind für junge Gutverdiener zwar oft niedriger als in der gesetzlichen Versicherung, können aber im Laufe des Lebens kräftig steigen. Egal, wie viel der Versicherte dann verdient - er muss die hohen Beiträge bezahlen. Einmal garantierte Leistungen bleiben bis Vertragsende gültig.

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich der Beitrag dagegen stets nach dem Einkommen. Wer wenig verdient, zahlt wenig. Nicht berufstätige Ehepartner und Kinder sind kostenlos mitversichert. Dafür sind die Leistungen nicht sicher. In den vergangenen Jahren haben Politiker unter anderem eine Praxisgebühr eingeführt, den Zuschuss für Zahnersatz gekürzt und die Erstattung für Brillen und rezeptfreie Medikamente gestrichen.

Beamte müssen sich ohnehin privat versichern - auch der kleine Polizist mit geringem Einkommen. Der Dienstherr zahlt ihm anstelle eines Arbeitgeberzuschusses die Hälfte der medizinischen Leistungen. Für die andere Hälfte kommt der Versicherer auf. Der Versicherte muss die Leistungen allerdings vorstrecken. Da er die Hälfte der Kosten pauschal vom Arbeitnehmer erstattet bekommt, ist eine private Versicherung für Beamte in der Regel sehr günstig.

Was ein guter Tarif leistet - und was er kostet

Arbeitnehmer und Selbstständige erhalten normalerweise keine Beihilfe für medizinische Leistungen, und ihr Einkommen ist auch nicht für alle Zeit sicher. Für sie ist die Private also ein finanzielles Risiko. Daher ist für sie die gesetzliche Versicherung meistens die bessere Wahl.

Einen Nachteil haben beide: Weil die Lebenserwartung und die Gesundheitskosten stetig zunehmen, müssen die Versicherer die Beiträge regelmäßig neu kalkulieren. Daher steigen die Beiträge. Als Faustregel gilt: Nach 30 Jahren hat sich der Beitrag mindestens verdreifacht.

Um nach Eintritt ins Rentenalter die Beiträge stemmen zu können, sollten Versicherte Monat für Monat Geld zur Seite legen. Wer nicht verbeamtet ist und keine Beihilfe bezieht, sollte im Monat zusätzlich zum Beitrag ungefähr 150 bis 250 Euro ansparen. Denn ist der Beitrag einmal zu hoch, bleibt meistens nur der Wechsel in einen anderen Tarif - mit weniger Leistungen.

Nicht immer leistet die private Krankenversicherung mehr als die gesetzlichen Kassen - das gilt in vielen Fällen für die Erstattung bei Psychotherapie oder bei Verdienstausfall bei langer Krankheit. Für die Sterbebegleitung im Hospiz oder die häusliche Krankenpflege nach einem Krankenhausaufenthalt zahlen die Privaten in der Regel sogar gar nichts.

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Finanztest hat die Leistungen von gesetzlichen Krankenkassen mit denen privater Krankenversicherungen verglichen und zeigt, worauf Interessenten bei einem Wechsel achten sollten.
Tipps
Wahl. Wechseln Sie nur dann zur privaten Krankenversicherung, wenn Sie den Beitrag dauerhaft schultern können. Beamte liegen mit der Privaten meistens richtig. Sonst lohnt sie sich fast nur für gutverdienende, junge Männer, die später keine Familie wollen.

Beiträge. Selbst der Beitrag für gute Tarife dürfte sich vom Eintritt mit Mitte 30 bis zur Rente mindestens verdreifachen. Legen Sie Monat für Monat etwas beiseite, um die Beiträge im Rentenalter stemmen zu können.

Tarif. Sind Sie bereits länger Kunde eines privaten Versicherers, rechnet sich der Wechsel zu einem anderen Anbieter fast nie. Wechseln Sie stattdessen bei Ihrem Versicherer in einen günstigeren Tarif, wenn der Beitrag zu hoch ist. Vorsicht vor Tarifen mit hohem Selbstbehalt. Rechnen Sie damit, dass Sie den Selbstbehalt irgendwann voll zahlen müssen.

Analyse. Auf Wunsch ermittelt die Stiftung Warentest nach Ihren Vorgaben passende Tarife für Sie. Die Analyse kostet 18 Euro.

ssu

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Rotax-1 02.03.2011
1. Gkv - Pkv
Moin, Moin, Beamte müssen nicht immer privat versichert sein . Ich war vor meiner Verbeamtung in der GKV und bin dort auch geblieben . Eine private Krankenversicherung habe ich mir nicht leisten können. Meine Familie muss nämlich auch versichert werden und die Beiträge sind recht hoch . Die Beihilfe deckt nur ca. 70 % ab . In der GKV sind Frau und Kind beitragsfrei mitversichert. Obwohl ich den gesamten Beitrag allein zahlen muss, ist dies immer noch günstiger als die Beihilfe Regelung. Der Arbeitgeber - der Staat muss in diesem Fall gar nichts bezahlen. Durch das Beihilfesystem zahlt man entweder alles selbst oder die noch teureren Tarife der privaten Kassen. Soviel zu den Beamtenprivilegien.
MikeNaeheHamburg 02.03.2011
2. Tja ..
... eigentlich „zeigt“ Finanztest gar nichts .. zumindest nichts, was man nicht bezahlen müsste. Albern, die Werbung.
Crom 02.03.2011
3. Gkv
Mag sein, dass der PKV-Beitrag in 30 Jahren sich verdreifacht. Der Beitrag zur GKV steigt aber auch. Allein schon durch die Inflation kommt es nach 30 Jahren fast zu einer Verdoppelung. Zudem steigt der GKV-Beitrag kontinuierlich an.
xees-s 02.03.2011
4. Artikel geguttenbergt?
Letztes Jahr wurde nicht die Praxisgebühr eingeführt, das ist schon ein paar Jährchen länger her. Auch der Zuschuss zum Zahnersatz. Also Asbach uralter Artikel mit neuem Datum versehen? Und ein paar Sätze hinzugeschrieben um die alten Passagen zu verbinden. Da war doch grad was groß in den Medien dass nicht sehr Ehrenhaft ist! Außerdem kommt durch die schlechte Recherche eben so ein Mist raus wie bei den Beamten mit der GKV. Spiegel Redakteure waren mal der Inbegriff für sauber recherchierten Jounalismus. Waren leider.
erlachma 02.03.2011
5. o.T.
Zitat von xees-sLetztes Jahr wurde nicht die Praxisgebühr eingeführt, das ist schon ein paar Jährchen länger her. Auch der Zuschuss zum Zahnersatz. Also Asbach uralter Artikel mit neuem Datum versehen? Und ein paar Sätze hinzugeschrieben um die alten Passagen zu verbinden. Da war doch grad was groß in den Medien dass nicht sehr Ehrenhaft ist! Außerdem kommt durch die schlechte Recherche eben so ein Mist raus wie bei den Beamten mit der GKV. Spiegel Redakteure waren mal der Inbegriff für sauber recherchierten Jounalismus. Waren leider.
Stand in dem Artikel, als Sie ihn gelesen haben, noch nicht "In den vergangenen Jahren"? So steht es derzeit im Artikel, und so ist es auch korrekt.
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