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30. November 2016, 11:49 Uhr

Transparenz von Organisationen

Der große Spenden-Check

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In der Adventszeit werben Dutzende Organisationen um Spenden für den guten Zweck. Doch wie transparent arbeiten sie? Eine umfassende Studie im Auftrag von SPIEGEL ONLINE gibt Antwort. Die Top-50-Rangliste.

Die Deutschen geben zunehmend mehr Geld für den guten Zweck, und zwar deutlich mehr: 5,5 Milliarden Euro spendeten Privatpersonen laut dem Deutschen Spendenrat im Jahr 2015. Das waren fast 600 Millionen Euro mehr als noch im Jahr zuvor und der dritte Rekordwert in Folge.

Ob auch 2016 ein Rekordjahr wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Vor Weihnachten steigt die Bereitschaft zur monetären Hilfe traditionell stark an. Im Dezember wird im Schnitt dreimal so viel Geld gespendet wie in den anderen Monaten des Jahres.

Daher werben Dutzende Hilfsorganisationen und andere gemeinnützige Vereine und Stiftungen derzeit besonders intensiv. Und um welches Thema es auch geht - ob um Hilfe für arme Kinder, Entwicklungszusammenarbeit, Umweltschutz oder etwas anders: Stets eignen sich gleich mehrere Organisationen für eine Spende. Vielen Spendenwilligen fällt die Entscheidung bei dieser großen Auswahl schwer.

Daher ist es wichtig, sich umfassend informieren zu können. Je transparenter eine Organisation über ihre Ziele, ihre konkreten Aktivitäten und deren Wirkung informiert, desto fundierter kann jeder für sich selbst die Entscheidung treffen: Sollen die mein Geld kriegen?

Im Auftrag von SPIEGEL ONLINE hat Phineo, ein Analysehaus für den gemeinnützigen Sektor, die Transparenz von 50 Top-Organisationen untersucht. Über zwei Monate hinweg werteten die Experten gründlich die Informationen auf den Webseiten der Organisationen aus - zum zweiten Mal nach 2014 für SPIEGEL ONLINE.

Eine Rangliste der Transparenz - nicht der Wirkung

Das Ergebnis ist das Transparenz-Ranking von 50 großen deutschen Spendenorganisationen 2016. Es bietet Ihnen Orientierung, aber bitte beachten Sie: Die Rangliste bildet ab, wie transparent eine Organisation agiert - nicht, wie wirkungsvoll ihr Handeln ist.

Das bedeutet: Organisationen, die auf den hinteren Plätzen gelandet sind, sind deshalb nicht pauschal wirkungslos. Sie machen es bestehenden oder potenziellen Spendern allerdings schwer, sich über Strategie, Aktivitäten und Wirkung zu informieren. Umgekehrt gilt durchaus: Transparenz ist ein starker Indikator für Wirksamkeit. Zudem finden Sie nun in den Detail-Informationen zu den einzelnen Organisationen den Hinweis, ob diese das DZI-Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) besitzen.

Bei der Auswahl der 50 Organisationen waren uns Größe und Bekanntheit wichtig. Wir wollten aber auch möglichst viele verschiedene Tätigkeitsfelder abdecken - von der Entwicklungszusammenarbeit über Hilfe für Kinder in Deutschland bis zur Pressefreiheit.

Zudem haben wir uns in diesem Jahr dafür entschieden, die fünf Top-Organisationen aus dem Spendenranking 2014 nicht mehr zu untersuchen. Es handelt sich um: World Vision, Deutsche Welthungerhilfe, Ärzte ohne Grenzen, CARE Deutschland und das Deutsche Komitee für Unicef. Sie erhielten bereits damals die Maximalbewertung von fünf Sternen für ihre Transparenz und sind in einem gesonderten Kasten dem diesjährigen Ranking beigestellt.

Wie wurde die Transparenz bewertet?

Bewertet wurden jeweils drei Hauptkriterien: Die Transparenz über Ziele, Aktivitäten und Wirkung. Jedes dieser Kriterien bestand wiederum aus drei Teilkriterien. Vorbildliche Beispiele für Transparenz haben wir am Ende dieses Artikels für jedes dieser insgesamt neun Teilkriterien zusammengestellt. Eine Beschreibung der Methodik finden Sie ebenfalls am Ende dieses Artikels. Phineo stellt zudem auf seiner Website eine ausführliche Fassung der Studie online zur Verfügung.

Insgesamt finden sich in diesem Jahr neun Organisationen neu im Ranking, 41 Organisationen wurden bereits 2014 untersucht. Im Vergleich zeigt sich eine erfreuliche Entwicklung: Transparenz wird offenbar eine zunehmend größere Bedeutung zugemessen.

Erreichten die Organisationen 2014 im Durchschnitt eine Bewertung von 3,3 von 5 möglichen Sternen, sind es in diesem Jahr 3,6 Sterne - und das, obwohl ja die fünf transparentesten Organisationen aus dem Ranking 2014 diesmal nicht untersucht wurden. Mehr als die Hälfte der untersuchten Organisationen - 27 von 50 - informieren sehr gut oder sogar herausragend über ihre Arbeit. Vor zwei Jahren waren es lediglich 18. (Hier finden Sie die Ergebnisse des Spendenrankings 2014.)

Weshalb Transparenz als Kriterium für Spendenorganisationen?

Der Zusammenhang von Transparenz und wirkungsvollem Handeln ist eng: Wenn eine Organisation Spendengelder zum Beispiel für Projekte in Entwicklungsländern ausgibt, ist sie an einem effektiven Einsatz der Mittel interessiert. Dazu ist sie auf eine gute Buchhaltung und eine Überprüfung der Aktivitäten vor Ort angewiesen. Oder anders ausgedrückt: Eine vorbildliche Spendenorganisation verfügt selbst ohnehin über alle Informationen, um optimal transparent zu sein. Diese Informationen auch leicht zugänglich zur Verfügung zu stellen, ist dann ein vergleichsweise geringer Aufwand.

Außerdem sollte Transparenz für diese Organisationen selbstverständlich sein, argumentiert Phineo-Studienleiter Benjamin von der Ahe: Wer Geld spendet, wolle damit etwas zum Positiven verändern und müsse auch darauf vertrauen können, dass dies geschehe. "In einem Spendenmarkt mit wachsenden Milliardenumsätzen sind die Organisationen deshalb in der Pflicht, ihre Wirkung nachzuweisen", sagt von der Ahe.

Selbstverständlich hängen die Erwartungen an Art und Umfang der bereitgestellten Informationen stark davon ab, wie groß eine Organisation eigentlich ist und was sie tut. Während etwa Ärzte ohne Grenzen exakt beziffern kann, wie vielen Kindern sie binnen eines Jahres mit auf die Welt geholfen hat, können Gruppen wie Amnesty International oder Reporter ohne Grenzen, deren Arbeit zu großen Teilen aus Lobbying besteht, ihre Wirkung oftmals nicht derart exakt und konkret nachweisen.

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