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25. Februar 2013, 13:02 Uhr

Rückrufaktion in 13 Ländern

Ikea findet Pferdefleisch in Köttbullar-Klopsen

Pferdefleisch wurde nun auch in Ikea-Hackbällchen gefunden. Die betroffenen Köttbullar-Klopse wurden nach Angaben der Möbelhaus-Kette in 13 europäischen Ländern verkauft. Deutschland ist offenbar nicht betroffen.

Brünn - Die Wege des Pferdefleischs durch Europa werden immer verschlungener: Jetzt haben tschechische Kontrolleure Pferde-DNA bei tiefgekühlten Köttbullar-Hackbällchen im Filial-Verkauf in einer Ikea-Filiale in Brünn (Brno) festgestellt. Das teilte der Sprecher des staatlichen Veterinäramts, Josef Duben, am Montag mit. Es handelt sich um aus Schweden importierte Ein-Kilo-Packungen mit gefrorenen Fleischbällchen, die als Rind und Schwein ausgezeichnet waren.

Die Klopse sollten in tschechischen Filialen des schwedischen Möbelhauses verkauft werden. Insgesamt 760 Kilogramm der Ware wurden zurückgerufen. Die Behörde wies Ikea an, das Produkt unverzüglich aus den Regalen zu nehmen. Über das europäische Schnellwarnsystem RASFF seien die übrigen EU-Staaten umgehend informiert worden. Es handelte sich um eine in Schweden hergestellte Packung mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 22.1.2014.

Nach Angaben von Ikea-Sprecherin Ylva Magnusson wurde der Verkauf der Fleischbällchen aus der entsprechenden Lieferung inzwischen auch in folgenden Ländern gestoppt: Großbritannien, Frankreich, Portugal, Niederlande, Spanien, Italien, Griechenland, Belgien, Irland, Slowakei, Ungarn und Zypern. Andere Lieferungen seien nicht betroffen, hieß es. Eine weltweite Ausweitung des Verkaufsstopps sei daher nicht nötig.

Lieferant der Fleischbälle ist den Angaben zufolge Gunnar Dafgard AB, ein Familienbetrieb für Tiefkühlkost im Südwesten Schwedens. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die tschechische Behörde fand auch in einer Rindfleisch-Lieferung aus Polen eines anderen Händlers Spuren von Pferdefleisch. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sprach sich in Brüssel für Änderungen bei der Etikettierung von verarbeiteten Lebensmitteln aus: "Wir brauchen hier einheitliches Vorgehen bei 27 Mitgliedsländern ", sagte Aigner vor dem Treffen der EU-Landwirtschaftsminister.

Aigners österreichischer Amtskollege Niki Berlakovich schlug einen "europäischen Reisepass für Lebensmittel" vor, um Lebensmittel auszuweisen. Bisher muss die Herkunft einzelner Zutaten bei verarbeiteten Lebensmitteln in Europa nicht auf der Packung stehen. Die Menschen wollten "für ihr hart verdientes Geld auch ein ehrliches Produkt bekommen und vor allem erkennen können, woher dieses Produkt stammt", erklärte Berlakovich. Er mahnte zur Eile.

Der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney warnte allerdings, schnelle Entscheidungen seien zu diesem Thema nicht zu erwarten. "Ich denke nicht, dass es heute irgendeinen Beschluss zum weiteren Vorgehen geben wird", sagte Coveney.

In Deutschland und zahlreichen anderen europäischen Ländern waren zuletzt nicht deklarierte Spuren von Pferdefleisch in Fertiggerichten wie Ravioli, Tiefkühllasagne oder Dosengulasch entdeckt worden. Wo das Fleisch von Pferde- zu Rindfleisch umetikettiert wurde, wird derzeit ermittelt.

nck/ssu/dpa/Reuters

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