Türkische Währung Was die Lira-Krise mit uns zu tun hat

Die rapide Abwertung der türkischen Währung trifft auch Verbraucher in Deutschland: Sei es über den Job, ein Bankkonto bei einer türkischen Bank oder den geplanten Urlaub. Der Überblick, worauf Sie derzeit achten sollten.

Urlauber in der Türkei
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Urlauber in der Türkei

Eine Kolumne von


In der Türkei geht es wirtschaftlich gerade drunter und drüber. Sichtbar wird das vor allem durch die rapide Abwertung der türkischen Lira. Ein persönliches Beispiel: Als ich vor einigen Jahren in Istanbul Urlaub machte, bekam ich 2,5 Lira für meinen Euro, heute würde ich etwa 7 Lira bekommen.

Bringt die Krise einfach nur den superbilligen Urlaub an der türkischen Küste zurück? Ganz so lapidar ist das nicht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wähnt sich im Wirtschaftskrieg und ruft seine Mitbürger und die Türken in aller Welt auf, mit ihrem Geld Lira zu kaufen und die Währung zu stützen. "Wenn ihr Dollar, Euro oder Gold unter dem Kopfkissen habt, tauscht es in türkische Lira." Denn wenn alle verkaufen, fällt der Wert der Währung. Wenn aber manche auch Lira kaufen, soll sie sich stabilisieren.

Türkische Banken in Deutschland

Gleich mehrere Manager türkischer Banken mit Ablegern in Deutschland sagten diese Woche, hierzulande werde auf den Umtauschappell kaum reagiert. Zudem betonten Ziraat, Garanti, Yapi Kredi oder Credit Europe, die mehrere Hunderttausend Kunden in Deutschland haben, die Sicherheit ihrer Kundengelder angesichts der Krisenmeldungen.

Aber die Konzernmütter haben zu kämpfen: Der europäische Einlagensicherungsfonds garantiert bei in der EU ansässigen Banken Spareinlagen bis 100.000 Euro. Das gilt entsprechend für die Töchter türkischer Banken.

Insgesamt geht es um einen zweistelligen Milliardenbetrag. Die Akbank, Oyak Anker und Ziraat gehören sogar dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) an. Damit entsteht auch jenseits der 100.000 Euro, die gesetzlich für jeden Kunden einer europäischen Bank abgesichert sind, mehr Sicherheit für Tages- und Festgelder. Nach den Regeln des BdB können beispielsweise Ziraat-Kunden im Fall einer Insolvenz 36 Millionen Euro zurückverlangen. Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bank sind es sogar vierstellige Millionenbeträge.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Jenseits der Einlagensicherung gibt es eine weitere Sicherheitsreißleine für hiesige Kunden türkischer Banken. Große EU-Banken sind maßgeblich an Garanti oder Yapi Kredi beteiligt. Im Falle der Garanti ist es die BBVA aus Spanien, bei der Yapi Kredi die Unicredit, italienische Mutter der HypoVereinsbank.

Die in Wien registrierte Denizbank, die lange einem russischen Konzern gehörte, ist im Frühjahr 2018 an ein Unternehmen verkauft worden, an dem die Regierung von Dubai die Mehrheit hält. Sie alle wollen langfristig mit der Türkei, immerhin 80 Millionen Einwohner, im Geschäft bleiben.

Deutsche Unternehmen mit Jobs in der Türkei

Ein bisschen schwieriger ist die Situation schon für Arbeitnehmer, deren Arbeitsplatz am Geschäft mit der Türkei hängt. 2017 haben deutsche Firmen für 21 Milliarden Euro Waren und Dienstleistungen in die Türkei geliefert, 150.000 bis 200.000 Jobs wurden so gesichert. Deutschland ist der größte Handelspartner für die Türkei. Umgekehrt liegt die Türkei zwar nur auf Platz 17, aber in bestimmten Bereichen ist das Geschäft groß - etwa bei Autos, Maschinenbau und Spezialchemie.

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Ganz anders ist die Situation für Urlauber. Reisen in die Türkei sind in dieser Krisensituation plötzlich ziemlich preiswert. Tui, Europas größter Reiseveranstalter, berichtet schon seit Monaten von deutlich gestiegen Buchungen in die Türkei. Das Land sei wieder Ziel Nummer drei für deutsche Touristen, und zwar zum Badeurlaub noch stärker als für Städtereisen, zum Beispiel nach Istanbul.

Günstiger Urlaub? Nicht nur

Beim Sparen wird allerdings in diesem Sommer noch viel Potenzial liegen bleiben. 90 Prozent aller Türkei-Urlauber bei Tui buchten all-inclusive, so eine Sprecherin diese Woche. Was sehr bequem ist, rächt sich jetzt: All-inclusive-Touristen profitieren kaum von der günstigen Lira. Sie mussten ihre Reisen schließlich schon vor Monaten bezahlen. Und bislang ist der Kursrutsch auch bei den aktuellen Pauschalreise-Preisen (in Euro) noch nicht angekommen.

Ähnliches über die Preise berichtet auch HRS. Der Hotelreservierungsservice stellt aber fest, dass die Buchungen für Istanbul seit Anfang Juli 63 Prozent über dem Vorjahr liegen, für den Rest der Türkei plus 19 Prozent. Auch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer hat sich beim Portal deutlich verlängert.

Worauf Sie achten sollten - ein Überblick:

  • Transferieren Sie kein Geld in Lira, das ist derzeit keine gute Idee. Weder für sich, noch für ihren Urlaub - und schon gar nicht, wenn Sie Familie oder Freunde in der Türkei unterstützen. Stattdessen: Bei türkischen Banken können Sie binnen Minuten aktuell benötigtes Geld auf dortige Konten überweisen. Als Tourist oder Geschäftsreisender können Sie in der Türkei gut vor Ort mit Karte abheben und den jeweils aktuellen Wechselkurs nutzen. Günstige Kreditkarten helfen.

  • Um die ersten 100.000 Euro Ihres Geldes bei einer türkischen Bank in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden müssen Sie sich keine Sorgen machen. Auch bei Summen über 100.000 Euro ist das Risiko gering: Zum einen sind Banken wie Ziraat und Akbank in der deutschen Einlagensicherung, zum anderen werden Konzernmütter wie BBVA und Unicredit schon aus Eigeninteresse die türkischen Banken nicht so schnell fallen lassen.

  • Sie haben Ihren Urlaub noch nicht geplant und wollen konkret solidarisch sein und sparen. Das können Sie, in dem sie selbst Hotel oder Mietwagen über die entsprechenden Plattformen buchen. Durch den drastisch gefallenen Wechselkurs der Lira sinken viele Ausgaben für den Urlaub in der Türkei. Manches kostet derzeit nur die Hälfte. Und die Türkei war schon vorher ein preiswertes Urlaubsland.

  • Pauschal- oder All-inclusive-Touristen profitieren für die aktuelle Saison noch nicht so sehr von der gefallenen Lira. Ihre Preise wurden schon im vergangenen Herbst oder im Frühjahr vereinbart. Das gilt für die meisten der fünf Millionen Touristen aus Deutschland.

  • Shopping-Wochenende in Istanbul: Wenn Sie als Schnäppchen-Jäger gern einkaufen und teure Produkte aus der Türkei lieben, ist jetzt der ideale Zeitpunkt für eine solche Reise. Auch das hilft der türkischen Ökonomie und den ansässigen Geschäften. Mit der Preisvergleichsapp auf dem Handy kann man sogar die heimischen Preise zum Abgleich mitnehmen.
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Seite 1
Lagrange 18.08.2018
1.
Schade, aber solange Erdogan da an der Macht ist, setze ich keinen Fuss in die Tütkei. Auch wenn mir Land, Leute und Kultur noch so gut gefallen. Echt traurig, ein wirklich schönes Reiseziel. Naja ich baue auf die Zukunft! Bezahle lieber etwas mehr für meinen Urlaub und habe eine stabile Türkei, als soetwas
oldman2016 18.08.2018
2. Erdogan Sticker
Türkei ist ein sehr interessantes Reiseland mit sehr gastfreundlichen Menschen. Jenseits aller finanziellen Aspekte rate ich jedem Türkei-Urlauber, sich vor Diskussionen mit den Themen Erdogan, AKP, Syrien, Kurden - kurz: alles was Politik betrifft - hüten und lieber das frische Obst und die leckeren Döner in Deutschland in den türkischen Geschäften und Imbissen in Deutschland lobpreisen. Wenn es schon nicht mit einem gemeinsamen Fototermin mit Erdogan reicht, wie bei Özil und Gündogan, so kann doch jeder ein Erdogan Sticker erwerben und tragen und so seine Wertschätzung des demokratisch gewählten Präsidenten ausdrücken. Das empfielt sich aber in kurdisch geprägten Teil der Türkei eher nicht.
schoenwetterschreiberling 18.08.2018
3. Richtungwechsel
Solodarität mit dem türkischen Regime? Stützung der Währung? Habe ich mich dramatisch verlesen, oder ruft Herr Tenhagen dazu auf, den Zusammenbruch des islamofaschistischen Imperiums türkischer Prägung zu prolongieren? Ich kann die moralische Zwickmühle ja nachvollziehen: Auf der einen Seite der Irre vom Bosporus - auf der anderen Seite der Superschurke aus Übersee. Da fällt es schwer, gesinnungsethisch Oberwasser zu halten.
dasfred 18.08.2018
4. Man sollte keine Lira in Zahlung nehmen ohne Tageskurs
Als vor über zwanzig Jahren die türkische Lira noch einige Nullen mehr hatte, erlebte ich in einer Bank in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs einen tragischen Fall. Ein junger Mann wollte mehrere tausend Lire eintauschen und bekam nur etwa zwanzig Mark. Auf seinen Einwand, man hätte ihm gesagt, dass währe dreihundert Mark wert, wurde er vom Kassierer eines besseren belehrt. Aus den lautstarken Flüchen, in denen es um erbrachte sexuelle Dienstleistungen ging, konnten die Umstehenden schließen, dass hier mit der Ahnungslosigkeit über den Kurs, jemand um seinen Liebeslohn gebracht wurde.
jeby 18.08.2018
5.
Wieso wird es als positiv dargestellt, wenn man der türkischen Ökonomie hilft? Sie soll ruhig den Bach runtergehen. Ich gönne Erdogan wirklich nichts, auch keinen wirtschaftlichen Erfolg. Je schwächer die Türkei ist, umso besser. Man sollte nicht vergessen, dass die Türkei zwei Angriffskriege gegen Syrien und den Irak im Moment führen. Auch einheimische Kurden im Osten der Türkei werden militärsich unterdrückt. Mit wirtschaftlichen Erfolg ist so etwas einfacher zu finanzieren.
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