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Überschuldung: Zahl der Privatinsolvenzen steigt auf Rekordhoch

So viele Privatleute wie noch nie können dieses Jahr ihre Schulden nicht zahlen. Laut Inkasso-Branche verschärft die Krise die Finanzprobleme bei vielen Verbrauchern. Insgesamt aber zahlen die Deutschen ihre Rechnungen pünktlicher.

Agentur für Arbeit: Arbeitslosigkeit verschärft Schuldenprobleme Zur Großansicht
dapd

Agentur für Arbeit: Arbeitslosigkeit verschärft Schuldenprobleme

Berlin - In der Wirtschaftskrise sind viele Privatleute in die Schuldenfalle geschlittert. Für 2010 erwartet der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) die Rekordzahl von 110.000 Verbraucherinsolvenzen. Im vergangenen Jahr seien es knapp 9000 weniger gewesen.

"Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit waren für viele der Tropfen, der das Schuldenfass erst jetzt zum Überlaufen brachte", sagte BDIU-Präsident Wolfgang Spitz. Die Verbraucher hätten die ausbleibenden Einnahmen nicht ausgleichen können.

Aktuell gelten mehr als drei Millionen Haushalte als überschuldet. Besorgniserregend ist laut BDIU vor allem, dass sich immer mehr junge Menschen verschulden. Gründe seien zu hohe Konsumausgaben, ein schlechtes Vorbild des Elternhauses und mangelnde Eigenverantwortung.

Zahlungsmoral gestiegen

Im aktuellen Aufschwung steige nun schon wieder die Neigung vieler Käufer, sich zu verschulden. Insgesamt würden Rechnungen nun aber wieder zuverlässiger bezahlt. Hauptgrund für ausbleibende Zahlungen durch Verbraucher sei Überschuldung.

Die Zahlungsmoral ist laut den Geldeintreibern insgesamt jedoch gestiegen: Im Herbst berichteten 80 Prozent der 560 Unternehmen von einer besseren oder gleich guten Zahlungsmoral als im Frühjahr.

Problematisch entwickele sich allerdings die Zahlungsmoral bei Käufen per Internet. 57 Prozent der Inkasso-Unternehmen, die den Einzug von Forderungen übernehmen, berichteten davon, dass Rechnungen bei Online-Käufen nachlässiger bezahlt würden als an der Ladenkasse.

Überschuldungsquote nach Tätigkeit
Tätigkeit Bevölkerungsanteil
(in Prozent)
Überschuldete
(in Prozent)
Überschuldungs-
quote
Beamte 4,0 0,5 0,12
Arbeiter 16,4 8,6 0,53
Rentner/Pensionäre 31,9 10,3 0,32
Angestellte 32,1 17,3 0,54
Erwerbslose/Arbeitslose 4,1 50,4 12,29
Quelle: iff / Daten von 2008

cte/dpa/dapd

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Der Weg aus der Schuldenfalle
Überschuldung
Von Überschuldung spricht man, wenn das Einkommen über einen längeren Zeitraum trotz Einsparungen nicht mehr ausreicht, die Lebenshaltungskosten sowie fällige Raten und Rechnungen zu bezahlen. Schuldnerberater sehen zunächst in der außergerichtlichen Regulierung den Königsweg.
Privatinsolvenz
Wenn dies scheitert, wird eine Verbraucherinsolvenz eingeleitet. Beim zuständigen Insolvenzgericht sind unter anderem einzureichen: eine Bescheinigung über die gescheiterte außergerichtliche Einigung, ein Antrag auf Restschuldbefreiung, eine detaillierte Übersicht über das Einkommen und ein Verzeichnis der Gläubiger mit deren Forderungen.
Schuldbefreiung
Anschließend beginnt eine sechsjährige Wohlverhaltensphase. In dieser Zeit begleicht der Betroffene so viele Forderungen, wie er kann - im Gegenzug ist er vor Zwangsvollstreckungsmaßnahmen geschützt. Läuft alles korrekt ab, werden die restlichen Schulden nach dieser Zeit gestrichen.


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