Umtausch und Rückgabe ...und so werden Sie die scheußlichen Geschenke los

Hat die liebe Verwandtschaft mal wieder nicht Ihren Musikgeschmack getroffen? Haben Sie von Ihren Lieben das falsche Buch, den falschen Film, schon! wieder! nur! einen! Pyjama! geschenkt bekommen? Hier kommt Hilfe.

Corbis

Eine Kolumne von


Meine erwachsene Tochter wünschte sich einen Rucksack: "Lieber nicht gelb (;-)" hatte sie mir scherzend per SMS geantwortet. In ihrer Schulzeit hatte ich ihr mal einen gelben Rucksack von einem famosen Travel-Ausrüster geschenkt. Auf meinen Gegenvorschlag mit den schwarzen Fransen hat sie nicht reagiert.

Also stand ich kurz vor Weihnachten im Kaufhaus vor dem Regal und verglich Rucksäcke, nach Form, Farbe und Volumen - und nach praktischen Aspekten, sie mag es inzwischen praktisch. Schließlich fand ich ein Exemplar, das ich für schick hielt, mit unendlich vielen Fächern, einer ordentlichen Innentasche für ihren Laptop, viel Volumen - und vor allem nicht gelb. Einziger Nachteil: Ich war immer noch nicht sicher, ob er ihr gefallen würde. Einerseits: Sie singt in einer Metal-Band. Andererseits: Sie gibt Gesangsunterricht für Kinder.

Rückgabe beim Händler

Die Verkäuferin an der Kasse tröstete mich: "14 Tage Rückgaberecht, wenn er nicht gefällt. Sie können auch das Preisschild und alle Etiketten abschneiden, aber bitte aufheben - und natürlich den Kassenbon." Zwei Wochen Frist - das reichte bis nach Weihnachten.

Ähnliches ließ ich mir in den Tagen vor Weihnachten auch im Buchladen, im traditionellen CD-Shop und in der Drogerie noch einmal ausdrücklich versichern, denn die Einzelhändler sind rechtlich zu solchen Umtauschzusagen nicht verpflichtet. Sie tun es trotzdem, die Konkurrenz aus dem Internet macht es möglich.

Rückgabe online

Online dürfen Kunden ja prinzipiell alles zurücksenden. Und wenn Sie Ihren Kauf binnen 14 Tagen nach Erhalt der Ware ausdrücklich widerrufen, haben Kunden noch mal 14 Tage Zeit, die Stiefel oder den Rucksack zurückzuschicken. Das bedeutet, die Ware muss lediglich auf dem Postamt sein. Und auch die Onlinehändler geben oft freiwillig noch was drauf: Vor allem die großen Anbieter haben das Widerrufsrecht rund um Weihnachten erheblich verlängert: bis zum 15. Januar oder sogar bis zum 31. Januar.

Früher war es zudem so, dass der Onlinehändler dann auch noch das Porto für die Rücksendung übernahm - weil er das musste. Das ist seit dem Sommer 2015 anders, das Porto für die Rücksendung muss jetzt der Kunde zahlen, es sei denn, der Händler bietet explizit an, dass er das Porto übernimmt (was viele der großen Onlineshops mindestens ab einem bestimmten Warenwert auch tun).

Teuer wird so ein Umtausch oft, wenn man Waren aus dem Ausland bestellt, ein T-Shirt vom berühmten Glastonbury-Rock-Festival für die Nichte, Computer-Bauteile für den Neffen oder ganz einfach Stiefel. Auch im EU-Ausland darf man als Kunde den Kauf 14 Tage lang widerrufen und zurücksenden, aber hier bleibt man wahrscheinlich auf den teuren Kosten für die Rücksendung sitzen - das lohnt sich bei einem T-Shirt kaum noch.

Reklamationen und Reparaturen

Aber das sind nicht die einzigen kleinen Widrigkeiten beim großen Geschenkeendspurt des Jahres: Nehmen wir an, das Geschenk hat gefallen, die 14 Tage sind rum. Doch dann reißt der Rucksack am Tragegurt auf.

Das ist rechtlich zum Glück kein Problem: Der Händler muss die Qualität seiner Waren zwei Jahre gewährleisten. Nacherfüllung heißt das im Juristenjargon. Doch es ist gut, sein Recht zu kennen, denn die Händler stellen sich bei Reklamationen mehr an als beim Umtausch.

Meine Tochter kann also zwei Jahre lang mit dem Kassenbon in eine Filiale der Kaufhauskette gehen und zunächst mal eine Reparatur verlangen. Gibt es Streit mit dem Händler, muss der für die ersten sechs Monate beweisen, dass sie den Rucksack ruiniert hat, anschließend müsste meine Tochter plausibel machen, dass sie den Stoff am Tragegurt nicht ruiniert hat.

Klappt das mit der Reparatur nicht, hat die Kundin weitere Ansprüche - auf Kürzung des Kaufpreises, Rücktritt oder Schadensersatz. Oftmals wird der Händler auch einen Umtausch anbieten.

Garantie und Gewährleistung

Beim Schadensersatz gehen die Kundenrechte auch über das Produkt hinaus. Sollte zum Beispiel eine defekte Waschmaschine, die Ihnen der Partner geschenkt hat, bald nach dem Kauf einen Teil ihrer Wäsche zerfetzen, haben Sie auch hierfür das Recht auf Schadensersatz.

Praktisch dabei ist: Kunden können grundsätzlich ihre Rechte auch in einer anderen Filiale geltend machen. Haben die Großeltern bei einer Röstkaffee-Kette eine Jacke fürs Kind gekauft, die zwar großartig ankommt, aber nach einigen Monaten klemmt der Reißverschluss, gilt auch hier: Die Käuferrechte können Kunden auch in ihrer Filiale um die Ecke geltend machen. Sie brauchen nur den Kassenbon.

Gewährleistungsrechte des Händlers gelten bei Neuwaren immer zwei Jahre. Sie sind etwas anders als Garantien von Herstellen, die manchmal kürzere oder längere Laufzeiten haben. Sie sollten sich deshalb im Laden keine teure Garantieverlängerung aufschwatzen lassen, Sie haben Ihr Gewährleistungsrecht.

Gewährleistungsrechte gelten sogar bei gebrauchten Waren. Sofern sie von einem Händler, also einem Profi verkauft worden sind, gilt die Frist für die Gewährleistung hier noch ein Jahr.

Sollten Sie als Kunde die Widerrufsfrist versäumt haben, das Produkt aber doch loswerden wollen, können Sie natürlich auch selbst als Verkäufer auftreten. Alles, was Sie über die Ware schreiben, die Sie gern loswerden wollen, muss absolut korrekt sein. Wenn der Artikel gut funktioniert, schreiben Sie das hin und ergänzen Sie: "Ich schließe eine Gewährleistung aus." Andernfalls müssten Sie sechs Monate für die Funktionsfähigkeit haften.

Von der Gewährleistung für Gebrauchtes habe ich meiner Tochter schon häufiger erzählt. Sie ist ein wesentlicher Fortschritt für die Verbraucher. Die Idee, dass ein Gebrauchtwagenhändler auch nach dem Verkauf eine Zeitlang für die Qualität seiner Waren einstehen muss, hat Ende der Sechzigerjahre ein amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler aufgebracht. Die Idee hat sich weltweit durchgesetzt. Der Mann, George Akerlof, bekam dafür 2001 den Nobelpreis.

Ich hoffe, Sie lagen richtig mit Ihren Geschenken und mussten nichts umtauschen und auch nichts reklamieren. Meiner Tochter hat der Rucksack übrigens gefallen. Denke ich jedenfalls. So ganz sicher kann man sich da nicht sein. Ich habe ihr zur Sicherheit den Bon in einem zugeklebten Umschlag mitgegeben.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Haftpflicht, Rente, Zahnersatz

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, als privater Verkäufer (kein Profi) müsse man nicht gewährleisten. Das ist so nicht korrekt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
zauberschlumpf 26.12.2015
1. Geschenke und der liebe Kassenbon.
Wenn ich Geschenke erhalte die mir nicht gefallen, dann habe ich in aller Regel keinen Kassenbon und erhalte diesen auch nicht ohne mich ggf. beim Schenkenden unbeliebt zu machen. Denn allein die Frage impliziert bereits "sorry, das war nix". Genau die richtige Frage also, für ein frohes und entspanntes Weihnachtsfest.
Rotauge 26.12.2015
2. einfache Lösung dazu
man macht dem Kommerz nicht mit und damit ist die Sache ausgestanden,wir schreiben bald 2016 und nicht 1950 wo man vieles brauchte nach dem Krieg.
jujo 26.12.2015
3. ...
Zitat von Rotaugeman macht dem Kommerz nicht mit und damit ist die Sache ausgestanden,wir schreiben bald 2016 und nicht 1950 wo man vieles brauchte nach dem Krieg.
Das Thema hat sich in unserer Familie erledigt, da werden nur die Enkel beschenkt, 2 und 4 Jahre alt.
philippfrewe 26.12.2015
4. wichtig
zu den Rücksendekosten: 1. ist dies seit Sommer 2014 und nicht 2015 so. 2. Trägt zwar nun grundsätzlich der Verbraucher die Rücksendekosten. Dies allerdings NUR, wenn der Unternehmer ihn darauf (zB in den AGB) hinweist. Tut er dies nicht bzw. hat er seine AGB nicht angepasst, so trägt weiterhin ER (Unternehmer) die Rücksendekosten (dies folgt aus § 357 Abs. 6 S. 1 BGB n.F.). Insbesondere AUCH, wenn er sich nachträglich, zB erst beim Widerruf, darauf beruft.
philippfrewe 26.12.2015
5. ebenfalls falsch:
3. Ebenso gilt natürlich auch bei gebrauchten Sachen eine Gewährleistung von 2 Jahre. Dies KANN allerdings vom Verkäufer auf ein Jahr reduziert werden. Dies muss er eindeutig mitteilen, sonst auch bei gebrauchten Sachen 2 Jahre (475 Abs. 2 BGB).
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