Fünf Tipps zur Online-Buchung So billig war der Urlaub nie

46 Euro für den Flug, 50 Euro für das Zimmer mit direktem Strandzugang, der Mietwagen 100 Euro günstiger als anderswo: Buchungen im Internet machen Urlaube heute so günstig wie nie. Fünf Onlinetipps im Überblick.

Bucht in Griechenland: Einfacher entscheiden und sparen
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Bucht in Griechenland: Einfacher entscheiden und sparen


Es muss im März 1990 gewesen sein. Walter Momper (SPD) war West-Berlins Regierender Bürgermeister und protestierte vor den Toren der ITB, der schon damals größten Tourismusmesse der Welt, gegen die Apartheid in Südafrika. Ich sollte eine kurze Meldung für die Nachrichtenagentur absetzen und gab telefonisch vom nächstliegenden gelben Münzfernsprecher durch, was Momper mit rotem Schal zu sagen hatte. Protest gegen die Apartheid lag im Trend, gerade eben war Nelson Mandela nach langer Haft freigelassen worden.

Derzeit steht Griechenland im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Deutschen machen sich Sorgen, dass die Griechen ihre Schulden nicht mehr bedienen können, gleichzeitig reisen aber immer mehr Deutsche wieder nach Griechenland.

Die Zahlen kursierten schon vor der ITB. Auf der ITB selbst spürt man einen anderen Megatrend. In diesem Jahr ist der Tourismus endgültig digital geworden. Während an den Ständen von 190 Ländern und vielen klassischen Firmen vor allem gegessen und getrunken wird, knubbelt sich die Tourismusbranche vor allem in der E-Travel Halle 6.1. Anbieter und Kunden verabreden sich elektronisch - und sie sparen dabei.

Meine Ferienwohnung in Griechenland habe ich 2015 (anders als vor zwei Jahren) auch bei Airbnb gefunden. Das Zimmer mit Terrasse kostet 50 Euro und hat direkten Strandzugang. Ich gönne dem Gastwirt auf dem Peloponnes die zusätzlichen Urlauber, die hoffentlich auf dem neuen Weg zu ihm finden. Eingerichtet hat die Airbnb-Seite seine Tochter. Sie ist Englischlehrerin, er spricht nur Griechisch. Ich schließe natürlich mit der Tochter direkt ab, die Provision für den Onlinemulti kann mein kleiner griechischer Wirt diesmal sparen.

Meine Erkenntnis: Online den Urlaub vorzubereiten, macht Entscheidungen einfacher und Preise niedriger.

Hier meine Top fünf der Online-Urlaubstipps:

  • Buchen Sie Ihren Flug online. Flugpreisportale helfen Ihnen, Kosten zu sparen. Mein Flug nach Athen hat 46 Euro gekostet.

  • Buchen Sie Ihr Auto online. Der Preisvergleich auf Onlineportalen zeigte mir: Der gemietete Kleinwagen war für mich mit dem Portal 100 Euro preiswerter zu haben als auf der Website der Fluggesellschaft, die ja angeblich Vorzugspreise anbietet.

  • Buchen Sie auch als Individualurlauber Ihre Ferienwohnung online. Was vor einigen Jahren mit Hotelportalen wie HRS, booking.com und tripadvisor begann, funktioniert jetzt für fast jede Ferienwohnung.

  • Zahlen Sie Ihre Unterkunft online. Mit Paypal und ähnlichen Bezahldienstleistern können Sie sich und Ihrem Gastgeber auch ohne Kreditkartenabrechnung teure Bankgebühren sparen.

  • Heben Sie das nötige Bargeld mit Karte im Gastland ab. Etliche Kreditkarten erlauben solche Abhebungen im Ausland inzwischen ohne Nebenkosten. Weder müssen Sie sich von Umtauschbuden abzocken lassen noch unverhältnismäßige Gebühren für das Geldabheben entrichten.

Übrigens: Heben sie außerhalb des Euroraums immer berechnet in Landeswährung ab. Wenn sie in Euro abrechnen lassen, zahlen Sie in Ländern wie Großbritannien, der Schweiz oder Polen ordentlich drauf.

Eine Reiserücktrittversicherung lohnt sich bei den niedrigen Kosten für meinen Griechenland-Urlaub kaum. Wenn der Urlaub mich allerdings nach Südafrika führte und das Hotel am Atlantik nahe Kapstadt 2000 Euro die Woche kostete, würde ich vom heimischen Sessel einen Online-Tarifvergleich für die günstigste und ordentliche Reiserücktrittversicherung machen. Und sollte sich der Flug nach Athen um mehr als drei Stunden verspäten, kann ich nach der Rückkehr online eine Entschädigung von 400 Euro von der Fluglinie verlangen. Und wenn die nicht will und ich das eigene Prozesskostenrisiko scheue, kann ich einen Onlinedienstleister einschalten, der das Geld für mich einklagt (und knapp ein Drittel davon behält).

So bequem war es noch nie, seinen Individualurlaub selbst zu planen. Dieser auf der Tourismusmesse spürbare Trend ist mein Freund. Mein Gastronom auf dem Peloponnes profitiert auch. Doch wenn das Besucherinteresse in den anderen Hallen der ITB nicht täuscht, wird so manches klassische Reiseunternehmen diesen digitalen Trend nicht überleben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikel hieß es, Nelson Mandela sei 1990 wenige Wochen nach der Tourismusmesse in Berlin aus der Haft entlassen worden. Tatsächlich war er schon am 11. Februar freigekommen. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



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hansulrich47 07.03.2015
1. Klar,
wer für ein online Portal arbeitet, empfiehlt es. Aber wie trenne ich Spreu vom Weizen? Es gibt jede Menge Länder, wo ich nie online buchen würde, weil die Gefahr etwas zu buchen, was es in der Realität nicht gibt, einfach zu groß ist! Warum SPON Werbung publiziert? Schon komisch!
pahlke 07.03.2015
2. PayPal
Es sollte erwähnt werden, dass PayPal für den Gastgeber recht teuer ist: 1. verlangt der Dienst ca. 4,5% Gebühren und 2. sind die Umtauschraten bei Fremdwährungen sehr schlecht.
foerster.chriss 07.03.2015
3. Vergleichen spart Geld, egal ob on- oder offline.
Ich hänge vom Internet ab wie vom Wasser. Aber trotzdem finde ich diese Online-Fixierung in diesem Artikel einseitig. Hier wird ein Vertriebsweg grundsätzlich als preiswerter angepriesen. Das ist Unsinn. Es kommt darauf an, wie und mit welchen Zielen man einen Vertrieb organisiert. Online wie offline finden sich günstige genauso wie völlig überteuerte Dienstleistungen. Der eigene Vergleich hilft sparen. Und die Zeit, die man bereit ist, darin zu investieren (was auch kostet, nämlich Zeit, in der man an anderen Sachen arbeiten und Geld verdienen kann). Gestern buchte ich einen Flug von Berlin nach San Francisco, zurück von LA nach Berlin. Das beste Preis-Leistungsverhältnis erhielt ich in einem Reisebüro. Der Trick: Große Veranstalter erhalten gegenüber Einzelpersonen exklusive MENGENRABATTE von Airlines. Diese Preise sinken und steigen nicht täglich zwanzig Mal, sondern gelten sogar für ein ganzes Jahr. Also nicht mal Stress wegen der Suche nach der besten Tageszeit zum Buchen. Der Preis im Reisebüro lag bei 695 Euro (für Mai mit einmal Umsteigen), Flug im Airbus A380. Die Beratung im Reisebüro dauerte 20 Minuten für die beste Leistung (übrigens arbeiten die auch mit Internet). Im Internet starteten die Preise mit einmal Umsteigen bei 740 Euro. Servicegebühren und Zahlungsmittelgebühren nicht mal eingerechnet. Die besten Angebote gingen bei 780 Euro los. Dabei ist es egal, welchen Preisvergleich man nutzt, die hängen alle an den gleichen Angeboten, nur Mengenrabatte erhält man nicht. Insgesamt dauerte die Recherche über den Tag verteilt mehr als drei Stunden. Fazit: Online kann, aber muss nicht immer der günstige Weg sein.
bastian.simmer 07.03.2015
4. Qipu & Co.
Der Autor von Finanztip.de hat vergessen, dass man mit einem sogenanntem Cashback-Anbieter wie Qipu, Igraal oder Aklamio sogar noch mehr sparen kann, wenn man bei booking.com, hotels.com, expedia etc. bucht.
s-fragt-nach 07.03.2015
5. Nicht immer ist das Internet günstiger
Ich habe für meinen nächsten Urlaub im Internet die Preise verglichen und stundenlang recherchiert. Der Dreiecksflug war nicht unter 1.200€ zu bekommen. Also ab ins Reisebüro und dort den Flug für 804€ gebucht. Man sollte immer einen Preisvergleich zwischen offline und online Angeboten machen. Der Artikel hier ist seeeehr einseitig geschrieben und kann mich dem nicht uneingeschränkt anschließen
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