Urteil zu Wohnungsübergabe Mieter muss nicht zwingend weiß streichen

Der Bundesgerichtshof hat die Rechte von Mietern bei der Wohnungsübergabe gestärkt. Beim Auszug müssen die Wände nicht zwingend komplett weiß gestrichen werden. Eine "Dekoration in anderen dezenten Farbtönen" erschwere eine Weitervermietung nicht, entschieden die Richter.

Renovierung einer Wohnung: BGH stärkt Rechte der Mieter
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Renovierung einer Wohnung: BGH stärkt Rechte der Mieter


Karlsruhe - Bunte Wände sind ein häufiger Streitpunkt zwischen Vermietern und Mietern. Nun hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil entschieden, dass eine Wohnung beim Auszug nicht komplett weiß gestrichen sein muss. Im konkreten Fall hatte der Vermieter eine Übergabe der Wohnung mit komplett weißen Wänden verlangt.

Doch der BGH entschied, das gehe zu weit. Für den Vermieter sei es allein entscheidend, dass er eine freiwerdende Wohnung rasch wieder vermieten könne. Dafür seien weiße Wände nicht erforderlich, "weil auch eine Dekoration in anderen dezenten Farbtönen eine Weitervermietung nicht erschwert", begründeten die Richter ihr Urteil. Für den Mieter dagegen sei ein "gewisser Spielraum" von hohem Interesse. Sein Recht auf eine farbliche Gestaltung nach seinen Vorstellungen wäre dann eingeschränkt, wenn er beim Auszug die Wohnung wieder weiß streichen müsste.

Der Deutsche Mieterbund erklärte, das Urteil schaffe Rechtssicherheit für alle Beteiligten. Schon in früheren Urteilen hatte der BGH entschieden, dass während der Mietzeit die Farbe der eigenen vier Wände allein Sache des Mieters ist. Sind unzulässige Farbvorgaben in einem Formularmietvertrag enthalten, so muss der Mieter überhaupt nicht streichen.

Aktenzeichen: VIII ZR 198/10

mmq/AFP



insgesamt 50 Beiträge
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nurmeinsenf 25.01.2011
1. Umgekehrt macht es irgendwie so viel mehr Sinn
Ich hatte mal eine Wohnung "unrenoviert" übernommen und konnte sie selbst nach meinen Vorstellungen streichen und habe sie mit Auslaufen des Mietvertrages auch "unrenoviert" wieder übergeben dürfen. Das macht irgendwie soviel mehr Sinn, als wenn man sich zum Umzug auch noch um die alte Wohnung kümmern muß, an die einen nichts mehr bindet als die Vertragserfüllung. Erstaunlicherweise unter Vermietern kein sehr verbreitetes Modell.
Paul-1 25.01.2011
2. Das ergibt manchmal keinen Sinn
Zitat von nurmeinsenfIch hatte mal eine Wohnung "unrenoviert" übernommen und konnte sie selbst nach meinen Vorstellungen streichen und habe sie mit Auslaufen des Mietvertrages auch "unrenoviert" wieder übergeben dürfen. Das macht irgendwie soviel mehr Sinn, als wenn man sich zum Umzug auch noch um die alte Wohnung kümmern muß, an die einen nichts mehr bindet als die Vertragserfüllung. Erstaunlicherweise unter Vermietern kein sehr verbreitetes Modell.
Und wenn der Mieter die Wohnung ganz in Schwarz streicht, auch die Holzdecke, was dann?
ajl 25.01.2011
3. sehe ich auch so.
Zitat von Paul-1Und wenn der Mieter die Wohnung ganz in Schwarz streicht, auch die Holzdecke, was dann?
na, dann hätte der nächste mieter die wohnung eben wieder in "unrenoviertem" zustand übernommen. wobei das schwarze streichen einer holzdecke möglicherweise zu weit ginge... als ich noch zur miete wohnte, war es genauso wie bei "nurmeinsenf". unrenoviert übernommen, selbst gestrichen, und am ende problemlos unrenoviert wieder übergeben. das spart in der regel mieter und vermieter viel ärger!
DJ Doena 25.01.2011
4. dezent
Zitat von Paul-1Und wenn der Mieter die Wohnung ganz in Schwarz streicht, auch die Holzdecke, was dann?
ich glaube nicht, das schwarz unter "dezenter farbton" fällt
Harald Lennartson 25.01.2011
5. Ganz einfach: Weil ...
Zitat von nurmeinsenfIch hatte mal eine Wohnung "unrenoviert" übernommen und konnte sie selbst nach meinen Vorstellungen streichen und habe sie mit Auslaufen des Mietvertrages auch "unrenoviert" wieder übergeben dürfen. Das macht irgendwie soviel mehr Sinn, als wenn man sich zum Umzug auch noch um die alte Wohnung kümmern muß, an die einen nichts mehr bindet als die Vertragserfüllung. Erstaunlicherweise unter Vermietern kein sehr verbreitetes Modell.
... die überwiegende Mehrzahl der Mieter lieber die "ach so schöne Wohnung" wollen und es sich beim besten Willen nicht vorstellen können, eine Wohnung vor dem Einzug nach eigenen Wünschen zu gestalten. Das nennt man: "Angebot und Nachfrage". Und ist absolut NICHT erstaunlich.
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